Mad Max: Fury Road | Film

Gestern vor meiner Haustüre: Ein wolkenloser Himmel. Temperaturen im 20er-Bereich. Mir schon zu warm. Ich hasse Hitze. Also ging’s ins Kino. Klimaanlage. Kühles Bierchen. Und ein wolkenloser Himmel und viel Hitze. Zum Glück nur auf der Leinwand. Das kühle Bierchen hätten sich Max und Imperator Furiosa nach ihrer zweistündigen Hatz durch die postapokalyptische Welt von „Mad Max: Fury Road“ allerdings auch verdient gehabt. Der Regisseur George Miller erst recht. Das Drehbuchschreibertrio hätte man aber in der Wüste stehen lassen sollen.

Explosionen, schrottreife Autos und ein Mensch am Stab. Willkommen in der Zukunft. Quelle: "Mad Max: Fury Road"-Trailer

Explosionen, schrottreife Autos und ein Mensch am Stab. Willkommen in der Zukunft.

Quelle: „Mad Max: Fury Road“-Trailer

Denn Freunde des ausgefeilten Geschichtenkinos werden mit diesem Film sicher nicht warm. Viel zu dünn, unbedeutend und obendrein mit ein paar Logiklöchern versehen ist die Story, als dass man sie als solche ernsthaft bezeichnen könnte. Was andererseits aber auch wieder positiv ist, denn so kommt man zum für diesen Film Wesentlichen: Atmosphäre, Apokalypse, Action. Und das greift alles so sauber ineinander, dass mir die zwei Stunden Laufzeit im Kino extrem kurzweilig versüßt wurden.

Die Stärke liegt bei „Mad Max: Fury Road“ für mich vor allem in der liebevoll detailierten Welt, die George Miller da geschaffen hat. Die Gesellschaftsform, in der wenige im Besitz des Wesentlichen sind und so alle anderen kontrollieren. Die Frauen, die entweder als Gebährmaschinen oder als Muttermilchlieferantinnen missbraucht werden. Und alle Requisiten sind bis ins kleinste Detail glaubhaft durchdesignt. Die Kampfvehikel wurden aus kaputten Autoteilen irgendwie – aber sinnvoll – zusammengezimmert, jedes Hilfsmittel würde man so oder ähnlich schon heute in einer Schublade oder im Baumarkt wiederfinden – natürlich mit einem anderen Verwendungszweck. Und selbst der von Max anfangs getragenen Maske sieht man ihre einstige Bestimmung als Gartengabel an. Nichts wird in diesem Zukunftsszenario weggeschmissen, alles fünfmal recyclet. Die ganze „Mad Max„-Welt ist so vollgestopft mit diesen Dingen, für deren Entdeckung allein sich ein zweiter Kinobesuch lohnen würde. Selbes gilt auch für die Figuren, die bis auf eine Handvoll zwar alle für die Story vernachlässigbar oder gänzlich nutzlos sind, aber durch ihr skurriles Äußeres der Welt eine weitere Ebene der Gläubwürdigkeit aufdrücken. Ich habe die ersten drei „Mad Max„-Teile bisher nicht gesehen, mir jedoch die letzten drei Episoden des Sneakpods angehört, in denen eben diese Filme jeweils besprochen wurden. So habe ich viele dieser Nebenfiguren und wüstenbevölkernden Geschöpfe wiedererkannt und kann nur annehmen, dass auch diese Details für Kenner der Trilogie eine wahre Freude gewesen sein müssen.

Apropos Charaktere: Für deren Entwicklung ist bis auf eine Ausnahme im Film kaum Platz, und dennoch habe ich mit den beiden Hauptfiguren schon bald nach Filmbeginn – zumindest im Kontext eines dedizierten Actionfilms – außerordentlich mitgelitten und konnte ihre Motivationen nachvollziehen. Charlize Theron als Imperator Furiosa stellt nicht nur mit ihrer Rolle als toughe Drahtzieherin dieser kleinen Revolution gegen die bösen Buben sowohl Max als auch alle ihr geretteten Schäfchen in den Schatten. Mit kurzen Haaren und nur einer Hand spielt sie gerade in den Nahaufnahmen mit ihren großen Augen ganz hervorragend die Entschlossenheit ihres Charakters und das Zusammenspiel zwischen ihr und Tom Hardy ist ausreichend gut, um den Wandel in der Beziehung der beiden Charaktere glaubwürdig erscheinen zu lassen. Dass Max im gesamten Film die Nebenrolle einnimmt, fand ich einen spaßigen Schachzug und eines der wenigen Highlights im Drehbuch, denn trotzdem verblasst sein Charakter nicht. Er übernimmt einerseits stellenweise durchaus wichtige Parts in der Handlung, außerdem kommt ihm so die Rolle der Figur zu, die für die trocken-humorvollen Momente zuständig ist, ohne dass gleich der ganze Film ins Komödienhafte abrutscht.

Achja, Action. Gibt’s auch noch ein paar Minuten lang, und hier sitze ich zwischen den Stühlen. Denn auf der einen Seite fand ich die langen Sequenzen, in denen ein Gefährt nach dem anderen explodiert, Menschen und Motorräder immer wieder durch die Luft fliegen und es durchaus blutig wird, stellenweise ermüdend und repetitiv. Es waren dann doch für mich 10 Minuten zuviel des Guten. Andererseits sorgt auch hier der Einfallsreichtum Millers dafür, dass es so viel zu entdecken gibt, sodass die Zeit wie im Flug vergeht. Man kann im Kopf die einzelnen Karren in ihre Bestandteile zerlegen, den alten Bagger hier, die Cadillachaube dort heraussehen und dann zugucken, wie alles in einem großen Feuerball verbrutzelt. Die Angreifer finden immer neue Wege, sich Zugang zum Truck der kleinen Gemeinschaft zu verschaffen und hier und da wen abzumurksen. Das ganze Actiongedöns ist wunderbar choreografiert und gefilmt, sodass man dankenswerterweise immer die Übersicht behält. Dass der Score in diesen Abschnitten oft aus der Szene heraus eingeleitet wird, indem man den Bösen einen Wagen mit vier Trommlern und einem Gitarristen spendiert hat, setzt dem Ganzen das Sahnehäubchen auf. So ist es auch nicht der hohe Anteil an handwerklicher Action, sondern es sind die Details und die Kreativität beim Filmen, die für mich diese Actionorgie von den ganzen Transformers und Marvelhelden dieser Tage unterscheiden und positiv hervorheben, auch wenn ich den Hype darum nicht vollkommen nachvollziehen kann.

Fazit

Mad Max: Fury Road“ hat mich durch die Fülle an Details, die abgedrehten Charaktere, den Geschlechter-Rollentausch, die steampunkigen Vehikel und nicht zuletzt durch die grandiose Optik für 120 Minuten so gut unterhalten, dass ich ihm die rudimentäre Story verzeihen kann. Es war ein schöner Ausflug in das Popcornactionkino der ’80er und ’90er und wird sicher nicht die letzte Sichtung gewesen sein.

  • die glaubwürdige Welt
  • die dichte Atmopshäre
  • die Detailverliebtheit bei der Ausstattung
  • der pervers schwerverständliche australische Dialekt einiger Nebenfiguren
  • der Steampunk
  • Charlize Theron
  • der Soundtrack
  • die ultradünne Handlung
  • die vereinzelt repetitive Action
  • das in einzelnen Handlungselementen ausgelassene Konfliktpotential

Wiederschaupotential: Sehr hoch

Lieblingscharakter: Imperator Furiosa
Lieblingsszene: Mad Max versucht sich im Scharfschießen

Eckdaten

Gesehen: Kino / englisch / 3D
Genre: Action
Herkunftsland: Australien / USA
Eckdaten: 2015 / 120 Min / FSK 16
Regie: George Miller
Drehbuch: George Miller / Brendan McCarthy / Nico Lathouris

Andere Meinungen

Blackfear / Der Kinogänger (9/10) / Filmherum (4,5/5) / Infernal Cinematic Affairs (9/10) / Jacker’s 2 Cents (4/10) / Tonight is Gonna Be a Large One (8/10) / Xanders Blog (8,5/10)

7 Antworten

  1. Da du mehrfach das Drehbuch erwähnst: Es gab ursprünglich keins. Miller hat wohl den ganzen Film in Storyboards erdacht und MUSSTE, damit der Dreh beginnen konnte noch irgendwas in Papierform abliefern.

  2. Ja, kann ich im Grunde so mit unterschreiben, wenngleich ich das Fehlen einer Geschichte (im klassischen Sinne) nicht wirklich als Kritikpunkt empfand. Es wird ja eine Geschichte erzählt, eben nur durch Action und visuelles Storytelling, was sich auch in Ausstattung, Charakteren usw. widerspiegelt. Fand ich sehr gelungen.

    • Störend war das für mich auch nicht, jedoch reicht es deshalb (für mich) auch nicht zu einem Meisterwerk. Bis auf „Weg und doch wieder hin“ gab es keine Hintergrundgeschichte.
      Mich hätte auch ein paar Szenen mehr gefreut, in denen die ganzen Nebencharaktere ein wenig mehr eingeführt worden wären. Max, Furiosa und Immortan Joe sind durch das Gezeigte selbserklärend, der Kleinwüchsige wurde aber beispielsweise durchaus prominenter gezeigt, ohne dass irgendwas über ihn bekannt wurde. Auch zu dem Silberspray hätte mich eine Erklärung interessiert. Aber da fehlt mir wie geschrieben vermutlich das Wissen der Trilogie.

      Insgesamt ist der Film überdurchschnittlich gut, aber in Einzelheiten schon fast eine Ecke zu effizient geraten.

  3. Die Kritik an der dünnen Handlung kann ich nachvollziehen. Allerdings steckt da wieder so viel an wichtiger Kleinigkeit drin, was von dem Actionbombast in den Hintergrund gedrückt wird. Aber es ist da und macht Spaß wenn es entdeckt wird.

    • Deshalb freue ich mich schon auf den nächsten Wüstenbesuch. Ich hatte teilweise meine Schwierigkeiten, ebendiese ganzen Kleinigkeiten aus der Adrenalinshow herauszufiltern und in den verlinkten Rezensionen Hinweise gefunden, auf was ich das nächste Mal achten sollte. Das spricht aber auch wieder dafür, dass der Film mehr ist als ein aktuell normaler Actionblockbuster.

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