Star Wars – Das Erwachen der Macht (The Force Awakens) | Film

Escape now, hug later!
– Han Solo

Ein großes „Yaaay!“ . „Star Wars“ ist zurück und fühlt sich nach der Prequeltrilogie wieder an wie „Star Wars“ . Gefühlsmäßig war das der schönste Kinobesuch seit Langem.
Allerdings folgt auch ein mittelgroßes „aber…“ . Denn in Sachen Handlung strahlt nicht alles lichtschwertblau, was da im neusten Abenteuer so in der Galaxis abgeht.
Konkrete Handlungskritikpunkte behandele ich im seperat gekennzeichneten Spoilerbereich ganz am Ende des Artikels, ansonsten bleibe ich allgemein und gehe nicht über das hinaus, was im Trailer zu sehen war.

Zunächst aber: Danke J.J.! Schon der konsequente Nichtgebrauch von Lensflareeffekten bringt Mr. Abrams von mir einen mittelgroßen Orden ein. Aber auch in Sachen Fanservice wurde alles grandios richtig gemacht. Das, was man da in rund 130 Minuten auf der Leinwand bestaunen kann, fühlt sich mit der ersten Einstellung nach der guten alten Trilogie an, die man als Kind so liebengelernt hat. Von den imitierten Kameraeinstellungen über das steampunkatmende Setdesign (nochmal: SETdesign!) bis hin zum sparsamen Lichtschwertkampfeinsatz wurde Episode VII so eng an das Original genäht, dass bei mir sofort der Retrocharme durchkam. Wobei die Optik dennoch in der richtigen Dosierung aufgepeppt und erfreulich düster gestaltet wurde. X-Wings zerfetzen kreischend Tiefighter, schwarzgekleidete Bösewichte schreiten über die Kommandobrücke, Stormtrooper laufen im Rudel durch die Gänge und Personen werden machtgewürgt. Man findet alles wieder, was das kleine Sternenkriegerherz sich wünscht. Und im Großen und Ganzen hat man es sogar geschafft, den minimal-infantilen Humor der alten Episoden zu kopieren, auch wenn für meinen Geschmack ein paar Szenen zu offenkundig dafür genutzt wurden. Der Sprachwitz funktioniert jedenfalls in der OV gut.

Doch was ist mit der Handlung? Hier musste man den Spagat zwischen Wiedergutmachung, Abschied und Neuanfang wagen. Ersteres ist außerordentlich gut gelungen, zweiteres mit Abstrichen auch. Bleibt der Neuanfang, sowohl im Bezug auf Charaktere als auch die Geschichte. Behält man im Hinterkopf, dass es sich bei „The Force Awakens“ um den Start einer Trilogie handelt, dann kann man ihm verzeihen, dass er ungemein viele offene Fragen lässt, auch wenn ich die Befürchtung habe, dass nicht alle davon in den folgenden Episoden zur Genüge beantwortet werden, da sie Dinge betreffen, die zwischen Episodie VI und VII stattgefunden haben. Da klafft nämlich ein Loch von unerzählten 30 Jahren, welches „The Force Awakens“ nur mittelmäßig gut stopft. Wird da in Zukunft der Mittelweg zwischen rückerzählenden Elementen und Storyweiterentwicklung klappen? Überhaupt ist die erzählte Geschichte selbst mit der Überlegung, dass „Star Wars“ noch nie für Storyinnovation stand, nicht gerade ausgefeilt. Es gibt Twists, aber auch so manche kleinere und größere Konstruktion, die man einem x-beliebigen Actionfilm von heute nicht verzeihen würde. Auch hier hat man sich das Original ein bisschen zu sehr zu Herzen genommen und ich hätte mir hinsichtlich der Handlung mehr Mut zur Konsequenz gewünscht.

Bleiben noch die neu etablierten Charaktere. Derer drei gibt es hauptsächlich, nämlich Finn und Rey sowie Kylo Ren. Alle drei haben jeweils unfassbar großartige Einführungsszenen erhalten und das, was man von ihren Hintergrundgeschichten erfährt, lässt für die kommenden Teile auf Großes hoffen. Während Finn mehr oder weniger auserzählt wird, bleiben bei den anderen beiden noch die großen Fragen unbeantwortet. Das ist wie gesagt im Hinblick auf die Funktion einer Startepisode gar nicht schlimm und lässt genug Raum, um wenigstens einige Geschehnisse rund um die alte Garde anzureißen. Auch wenn vor allem Daisy Ridley super sympathisch rüberkommt, hat für mich bisher keiner der drei es geschafft, die natürlich riesigen Fußabdrücke der alten Ikonen ganz auszufüllen. Das sieht man gerade in den Szenen, in denen beide Welten aufeinandertreffen.

Fazit

Alles in Allem bin ich sehr zufrieden mit „The Force Awakens“ . Es war ein fantastisches Kinoerlebnis, das mich den „Star Wars“ -Mythos hat schnuppern lassen. Ich darf mich ab jetzt offiziell zu einer Generation zählen, die sich nicht allein mit dem Start von Episode I im Kino begnügen musste. Der Film krankt zwar an einer simplen, teilweise unausgegorenen Geschichte und daran, dass es sich um einen Übergang handelt. Er kann aber sowohl durch die alten als auch die neuen Charaktere überzeugen und ist von der Umsetzung her genau das, was man sich unter „Star Wars“ vorstellt. Ich bin voller Hoffnung, dass die kommenden Teile würdig zu den Episoden IV-VI aufschließen werden.

Gesehen: Kino / 2D / OmU

Wiederschaupotential: garantiert

Lieblingscharakter: Kylo Ren.
Lieblingsszene(n): Die Einführungsszene von Rey. / Die X-Wings über dem Wasser.

Eckdaten

Genre: Sci-Fi / Fantasy / Action / (Komödie)
Herkunftsland: USA
Eckdaten: 2015 / 136 Min / FSK 12
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: J.J. Abrams / Lawrence Kasdan / Michael Arndt

Andere Meinungen

CineKie (8/10) / Der Kinogänger (9/10) / ERGOThek / Filmherum (4.5/5) / Medien-Journal (9/10) / Singende Lehrerin

Spoilerbereich (Aufklappen zum Lesen)

Kylo Ren
Rey
Die 30 Jahre zwischen Ep. VI und VII
Die Logiklöcher
Finn

3 Antworten

  1. Ich freue mich schon sehr darauf! Nach dem Special Editions von IV bis VI und Episode I bis III endlich wieder „Star Wars“ im Kino. Mal sehen, wann ich dazu komme…

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