Super Bowl XLVIII medial

Der Super Bowl 48 ist Geschichte. Das Spiel war mäßig spannend, denn bereits zur Halbzeit haben die Seattle Seahawks gegen die Denver Broncos komfortabel mit 22:00 geführt und letztendlich verdient mit 43:08 gewonnen. Wer das Spiel weder live gesehen hat noch sich eine vollständige Wiederholung antun will, der kann sich das siebenminütige Highlightvideo anschauen oder die Zusammenfassung beim Sidelinereporter lesen.

Über das Spiel selbst kann man sich trefflich streiten und es wird auch in den nächsten Tagen noch genug Aufarbeitung geben. Bereits während des Spiels wurde via Twitter auf die aktuelle Ausgabe des „die Sofa QBs“-Podcast hingewiesen, die wohl heute oder morgen online gehen wird. Auch im „Rich Eisen“-Podcast wird es mit Sicherheit eine Nachbetrachtung geben. Deswegen will ich in der Folge eher auf die mediale Umsetzung und die Randthemen eingehen, die der Super Bowl so mitgebracht hat.
[NACHTRAG 12:17 Uhr] Da ist der „Sofa QBs“-Podcast ja schon.

Die nackten Zahlen
Die casual facts sind jedes Jahr Thema in den Medien. Wieviele Tüten Chips werden während der Übertragung gemampft, wieviel kostet eine Super Bowl Werbespot, wieviele Zuschauer haben zugeschaut? Eine Übersicht über diese Zahlen gibt es bei Virtualnights.com

Der Super Bowl 48 wurde laut FOX in 198 Länder übertragen und hat weltweit um die 800 Millionen Zuschauer gehabt. Allerdings ergibt sich aus keiner mir bekannten Quelle, ob das die Gesamtzuschauerzahl oder lediglich die geschätzte TV-Einschaltquote ist. Für ersteres müssten noch die Streamingangebote mit eingerechnet werden.
Klar, dass in den USA selbst das Zuschauer-Epizentrum lag. Knappe 111 Millionen sollen dort eingeschaltet haben, zwischen 65 und 70 Millionen davon bei FOX, was dem Sender einen Marktanteil von 67% bescherte. Das ist vermutlich ein neuer Zuschauerrekord.
In Deutschland hat Sat.1 das Ereignis übertragen und konnte sich – wenn natürlich auch „nur“ mitten in der Nacht auf Montag – über einen neuen Rekord und einen guten Marktanteil freuen. 1.59 Millionen haben dort den Super Bowl oder wenigstens den Beginn geschaut.

Sat.1 und die Übertragung
Mangels englischsprachiger Quellen habe ich mir die Übertragung im Free TV auf Sat.1 angeschaut. Da ich selbst schon einige Jahre mit Footbal zu tun habe, kann ich die Übertagung nicht aus absoluter Laiensicht bewerten. Grundsätzlich habe ich natürlich Verständnis, dass eine Footballübertragung in Deutschland nicht auf Expertenebene mit allerlei Taktik- und Regelfachsimplerei erfolgen kann. Aber auch wenn man einen Laienfreundlichen Maßstab ansetzt, dann kann man die Übertrgung bestenfalls als verbesserungswürdig beurteilen. Die Bilder wurden von FOX übernommen und waren entsprechend gewohnt professionell. Die beiden Kommentatoren haben sich jedoch im Verlauf meiner Meinung nach viel zu sehr auf Unterhaltung und Rumgekaspere konzentriert und das (zugegeben nicht sehr spannende) Spiel dahinplätschern lassen. Die Konzentration auf kleine Geschichtchen um einzelne Spieler, auf das Vorlesen vermeintlich richtiger Twittermeldungen, die Fixierung auf wenige Schlüsselspieler in den Teams sowie das Kommentieren mit Platitüden und Passagen, die jedes Kleinkind mit den Augen rollen lassen würden („Guckmaguckmaguckmaguckma“ bei einem sehenswerten Run) sind Dinge, die auch hierzulande nicht sein müssten. Insoweit kann ich mich dem Kommentar der FAZ anschließen und hoffe, dass aus der Kritik für nächstes Jahr gelernt wird. Zu den Kurzauftritten des „Fieldreporters“, der sich auf die traurigen Flirtversuche mit der mexikanischen Moderatorin sowie dem Erklären des Skittles-Werfen beschränkte sowie den Kurzauftritten von Stefan Raab halte ich es mit dem Footballgeek und schweige lieber.

Super Bowl und Social Media
Ich bin kein Freund des sogenannten Second Screens. Livekommentare bei Facebook, twitter & co. zum TV-Programm interessieren mich nicht. Da ich den Super Bowl aber einsam und allein auf der Couch verlebt habe, lief zum ersten mal Twitter nebenher. Dort hatte Sat.1 unter dem Hashtag #rannfl dazu aufgerufen, den Kommentatoren Fragen zum Spiel zu schicken. Im Verlauf des Spiels häuften sich jedoch auch die Kritiken zur Kommentierung, die Empörung hatte zu Beginn der zweiten Halbzeit, als Sat.1 es verpasste, den Kick-Return-Touchdown von Seattle im Livebild zu zeigen, wohl ihren Höhepunkt. Auch die Disussion der beiden Kommentatoren über die „Barbiepuppen-Cheerleader“ fand nicht nur Zustimmung.
Etwas ruhiger und sachlicher ging es unter #nflger zu, unter dem unter anderem GFL-TV-Mann Nicolas Martin (@Fighti) seine Ansichten zum Spiel kund tat. Und der Sidelinereporter bot einen Live-Blog an.

Insgesamt war das alles ja ganz interessant und zeitweilig unterhaltsam, aber ich werde auch weiterhin größtenteils darauf verzichten, gleichzeitig auf mindestens zwei Bildschirme starren zu wollen. Dafür bin ich einfach nicht multitaskingfähig genug.

Die Werbung
Kein Super Bowl ohne Halbzeitshow, die in diesem Jahr ziemlich Banane war. Immerhin weiß ich jetzt, wer Bruno Mars ist. Hätte ich aber auch drauf verzichten können. Und Kein Super Bowl ohne tolle Werbung. Die konnte man sich in der Sat.1-Übertragung nicht anschauen, aber eine Auflistung aller Spots ist schnell gefunden.
Am kontroversesten war wohl der Spot von Coca Cola, in dem die inoffizielle Nationalhymne „America the Beautiful“ in diversen Sprachen gesungen wurde. Einige patriotische Schmalköpfe sahen darin wohl ein Sakrileg und ließen ihrem Unmut via twitter und Facebook freien Lauf. Zum Fremdschämen. Auch in Deutschland war das am Tag darauf ein Thema, unter anderem im Tagesspiegel.

Die deutschen Medien
Überhaupt. Deutsche Medien und Football. Neben der alljährlich wiederkehrenden Debatte um die Kopfverletzungen haben sich die Medien im Vorfeld hauptsächlich auf die oben angesprochenen Fun Facts und allgemeine Hinweise auf das Event beschränkt. Die Aufmerksamkeit der deutschen Zeitungen wäre im Vorfeld wohl um ein Vielfaches höher gewesen, wenn entweder die Indianapolis Colts mit ihrem Rookie Björn Werner oder die New England Patriots mit dem momentan verletzten O-Liner Sebastian Vollmer im Endspiel gestanden hätten. Dafür hat mich ein relativ ausführlicher Bericht in der Tagesschau am Montag über das Spiel positiv überrascht. Einen Radiobericht gab es ebenfalls. Und auch die schreibende Zunft hat sich mit dem American Football als solchem im Vorfeld auseinandergesetzt, beispielsweise haben die RuhrNachrichten einen kurzen Abriss der Regeln bereitgestellt. Das Deutschlandradio hat es sogar geschafft, im Fahrwasser des Super Bowls mit einem Interview mit AFVD-Sprecher Christian Piwarz dem deutschen Football ein wenig Aufmerksamkeit zu gönnen.

Zuletzt noch der Hinweis auf das Digitale Quartett, welches in der Folge „Super Bowl, Baby“ einige interessante Metathemen behandelt, die sich mehr oder weniger lose auf den Super Bowl beziehen, darunter Twitter oder die Selbstsicht der Amis.

Mein Kurzfazit zur um die Ohren gehauenen Nacht: Sportlich hat es sich nur bedingt gelohnt, ich hoffe auf eine bessere Übertragung oder eine Möglichkeit zum englischsprachigen Angebot für nächstes Jahr und die Berichterstattung war bis auf die üblichen Themen recht erfreulich. Und Second Screen ist pfui, schon allein deshalb, weil ich dauernd mein Handy von den Guacamole-Fingertappsern befreien musste. Denn die ist neben den Nachos und einem Bier im Gegensatz zu Twitter beim Super Bowl Schauen unerlässlich.

2 Antworten

  1. Also wenn du die Original Broadcasts haben willst -> NFL Gamepass erwerben, da kriegst du alles in Original (und auch in Spanisch falls es dir Spaß macht 🙂 )

    • Das ist der Plan für nächstes Jahr. Ich war halt guter Hoffnung, dass es im deutschen Free TV nicht ganz so schlimm wird… 😉
      Grundsätzlich finde ich es ja toll, dass überhaupt ein Sender die Rechte in Deutschland gekauft hat und überträgt. Jetzt sollten sich die Verantwortlichen die Kritik zu Herzen nehmen und es das nächste Mal besser machen.

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