Ich lerne Filme (3): Stille

Ich glaube, nichts an einem Film kann mich so schnell so sehr manipulieren wie der Soundtrack. Ich brauche nur die ersten paar Töne des grandiosen „Pans Labyrinth„-Score zu hören, um Gänsehaut zu bekommen und die Szenen des Films vor Augen zu haben. Mit Musik wird jedes filmische Schicksal berührender, jede Freude des Protagonisten intensiver und jeder Heldenmut epischer. Die Musik – egal ob als eingebautes Lied oder komponierter Score – ist essentiell für jeden Filmmoment, sie unterstreicht den Szeneninhalt und steuert den Zuschauer emotional bestenfalls in die vom Filmemacher intendierte Richtung.

Allerdings gibt es ein Gefühl, welches nicht mit Musik verstärkt wird, sondern mit dem Gegenteil. Spannende Szenen leben oft von dem nichtvorhandenen Ton, der vor einem Höhepunkt liegt und diesen maximal aufbauen kann. Spannung gibt es in mehrerlei Hinsicht. Es kann Spannung zwischen Charakteren entstehen, in einem Dialog oder durch deren Handlungen, wenn unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen und die Vergangenheit Auswirkungen auf die Gegenwart und damit die Dynamik zwischen den Figuren hat. Stille ist hier unangenehm, weil es eigentlich Normalität ist, dass sich kennende Anwesende miteinander kommunizieren. Herrscht aber nur das berüchtigte brüllende Schweigen, dann fühlt man sich auch als Zuschauer unwohl, weil man weiß, dass zwischen den Protagonisten Probleme liegen.
Dann gibt es aber auch die Spannung eines Thrillers oder Horrorfilms, bei der nicht die zwischenmenschliche Beziehung im Mittelpunkt steht, sondern der ungewisse Ausgang für den Protagonisten. Wenn Bedrohung in der Luft liegt, kann die natürlich mit Musik verstärkt werden, wie „Der Weiße Hai“ eindrucksvoll beweist. Aber die spannensten und gruseligsten Szenen habe ich bis dahin unzweifelhaft an Bord der Nostromo erlebt, wo Ellen Ripley langsam durch die klaustrophobischen Gänge schleicht und man nichts weiter hört als die leise arbeitende Schiffstechnik. Ein zu ausladender Score hätte hier wohl einen Großteil der Atmosphäre von „Alien“ gekillt; aber auch das Fehlen der durch das Alien verursachten Umgebungsgeräusche spielt in die Spannung hinein, weil man einerseits weiß, dass es irgendwo sein muss, man durch fehlende Fußtappser oder andere Geräusche aber der Ortungsmöglichkeit beraubt wird.

Für all diese Szenen der tosenden Stille hat Arte in seinem Blow Up-Magazin im Beitrag „Die Stille im Film“ eine tolle Beispielreihe aufgefahren, die mit einem Top 5 der besten stillen Szenen endet. So ergeben sich eine Vielzahl an Beweisen, dass Musik im Film zwar wichtig, deren Fehlen aber ebenso effektvoll sein kann.

Wieder was gelernt!

Die letzten „Ich lerne Filme“-Beiträge

Media Monday #260

Soderle, lang genug gewartet. ‚S ist mal wieder Media Monday Zeit.

  1. Das Bloggen über „La Grande Bellezza“ ist für mich ein Krampf, denn auch nachdem die Sichtung 4 Wochen her ist und ich 5 Mal mit dem Artikel begonnen habe, schaffe ich es einfach nicht, einen Text zusammenzukritzeln, der diesem Film gerecht wird.
  2. Als Fanboy/-girl von den Abenteuern im Dinopark tat es mir voriges Jahr richtig weh, „Jurassic World“ zu gucken. Und das, obwohl man es hätte wissen müssen…
  3. Bill Bryson zählt für mich zu den begnadetsten AutorInnen, denn sein unterhaltsamer Schreibstil hat dazu geführt, dass ich schon nach den ersten paar Seiten von „Picknick mit Bären“ den Appalachian Trail wandern möchte.
  4. An „Die Flodders“ denke ich gerne mit nostalgisch verklärtem Blick, schließlich kann mir keiner erzählen, dass man den als guten Film bezeichnen kann, wenn man irgendwie sowas wie Objektivität als Maßstab anlegt. Ich liebe ihn aber trotzdem, weil er in meiner Kindheit auf Dauerrotation lief.
  5. Zu einem richtigen Serien-Marathon kommt es aus Zeitgründen bei mir nicht. Dabei liegen so viele gute Serien auf Halde, die sich dafür vortrefflich eignen würden.
  6. „Gold“ und insbesondere „Submarine“ hat haben mich jüngst dazu verleitet, mich mal stärker mit dem britischen und irischen Indiefilm zu beschäftigen. Ich glaube, dass da noch ganz viele Perlen zu finden sind.
  7. Zuletzt habe ich meine erste Konzerterfahrung überhaupt gesammelt und das war mit Bruce Springsteen gestern im berliner Olypiastadion (wohl) eine gelungene Premiere, weil der Typ mal eben dreieinhalb Stunden Kracher rausgerotzt hat, die selbst mich als Tanzmuffel kurz das Bein haben zappeln lassen. Kann gerne so weitergehen, allerdings muss man mal schauen, ob dieses Konzert als Einstieg für meine jetzt (vielleicht) startende Konzerbesuchskarriere nicht eine etwas zu hohe Latte war.
    boss

Es werde HTTPS!

Zugegeben, ich weiß über das Thema viel weniger, als es gut tut. Verschlüsselung ist spätestens seit Edward Snowden in aller Munde und über den Sinn und die Notwendigkeit braucht man sich nicht streiten. Man muss kein Aluhutträger sein um zu verstehen, dass jede Information, die man irgendwo hinterlässt, möglicherweise problematisch werden kann. Die technische Seite dieser Materie allerdings wird ziemlich schnell ziemlich kompliziert. Dachte ich. Bisher.
https
Auch wenn das für die genauen Hintergründe sicher weiterhin gilt, so gibt es aber zumindest in der Anwendung zunehmend komfortable Möglichkeiten, damit auch ein Technikdussel wie ich das auf die Reihe bekommt. Let’s Encrypt ist ein kürzlich gestarteter Service, bei dem man sich in Minutenschnelle und völlig kostenlos Verschlüsselungszertifikate ausstellen lassen kann. Bei mir ist der fromme Wunsch, auch scheinbar unverfängliche Internetkommunikation wie mit diesem meinem kleinen Filmblog etwas sicherer zu machen, bisher an der technischen Umsetzung gescheitert, weil ich keine Ahnung hatte, was ich mit solch einem Zertifikat anstellen soll. Mein Hoster All Inkl hat aber still und heimlich im Backend eine Option freigeschaltet, über die ich mit einem Klick das Zertifikat erhalten und die volle Power der https-Verbindung entfesseln kann.

Da der Blog auf einer WordPress-Instanz läuft, allerhand plugins im Hintergrund werkeln und ich auch schon etwas in den php-Scripten und CSS-Dateien rumgepfuscht habe, wollten mir zunächst weder Firefox noch Chrome das ersehnte grüne Vorhängeschloss zeigen, welches für die sichere Verbindung steht. Grund waren die vielen Eigenverlinkungen von Grafiken und anderen Inhalten, die allesamt natürlich noch auf http://www.24yardspersecond.de/… verwiesen. Und ein rotes Vorhängeschloss hat eine viel stärkere Abschreckfunktion, als es eine normalangezeigte http-Verbindung jemals könnte.
Zum Glück gibt es einerseits Chrome, andererseits hilfreiche Webseiten. Ersterer kann nämlich mit einem Klick auf das warnende Dreieckszeichen unter Details genau anzeigen, welche Elemente die Unsicherheit hervorrufen. So konnte ich schon manuell die meisten Störenfriede korrigieren. Da ich jedoch keine große Lust hatte, sämlichte jemals gesetzen Links mit dem http-Präfix einzeln in https umzuwandeln, kann mir dieser hilfreiche Tipp sehr gelegen, mit dem das ganze sehr viel entspannter und in einem Schritt erledigt war.

Kurzum: Weil es niemanden etwas angeht, was so durchs Netz geschossen wird, ist dieser Blog ab jetzt nur noch via verschlüsselter https-Verbindung erreichbar.

BEZIEHUNGSSTRESS im Schnelldurchlauf: Submarine & Die Regeln des Spiels (Rules of Attraction) & Gold

RomComs sind doch für die Tonne. Keine reale Beziehung läuft so fluffig ab wie in den heilen Welten, die uns vornehmlich Hollywood und die Til Schweighöfers dieser Republik vorschwurbeln. Zwei hübsche Menschen begegnen sich mit Blickkontakt, es gibt ein bisschen Stress und am Ende die ewige Liebe? Am. Arsch.
Zum Glück gibt es aber noch die kleineren Filme, die die zwischenmenschlichen Beziehunen thematisieren und dabei ihre heiteren Momente haben, ohne den Realismus und die Tragik aus den Augen zu verlieren. Dass Beziehungen auf der ganzen Welt in der Regel das gelegentliche Unrundlaufen gemein ist, man daraus aber gleichermaßen realistische wie ergreifende Filme formen kann (und dann das Genre mit dem unsäglichen Namen Dramedy herauskommt), zeigen folgende drei Independent-Filme aus England, den USA und Irland, die neben ihren charamant sozial unfähigen Charakteren ihr eigenwilliger Humor und jeweils ein großartiger Soundtrack verbindet.

Submarine

Tragödie / Komödie | UK/USA 2010 | 97 Min | R & D: Richard Ayoade

Englischer Humor ist an sich schon eher spezieller Natur und wenn man den höchst eigenwillig bebildert auf die Leinwand zaubert, dann kommt so etwas wie „Submarine“ bei rum. Denn darin ist das Leben des Teenagers Oliver Tate im walisischen Nirgendwo der 80er kein einfaches, gehört er in der Schule doch eher zu den mäßig beliebteren und macht sich daheim große Sorgen um die Beziehung seiner Eltern, weil diese in die Brüche zu gehen droht. Just in diesem Lebensabschnitt betritt Jordana seine Lebensbühne und schwupps steckt er mitten im Liebeschaos. Oliver sagt sogar, dass er sich freuen würde, wenn jemand sein Leben mit einer Kamera festhalten könnte, und genau das macht Richard Ayoade in einer Vielzahl an bezaubernden Einstellungen, die dem finsteren Drama, welches Oliver da so durchlebt, krass entgegenstehen. Weil der Film konsequent Olivers jugendliche Sicht zeigt, dürfen die Probleme aber auch monumental, die sozialen Beziehungen unentwirrbar komlex erscheinen und die Personen maximal verquer handeln und aussehen, ohne dass es komödienhaft wird. Oliver gibt sich an vielem die Schuld und versteht noch viel mehr nicht wirklich, was dem Film eine melancholische Ader verleiht, die sich perfekt mit den karikaturhaften Erwachsenen in seiner Welt verbindt. Mit den beiden toll spielenden jugendlichen Hauptdarstellern Craig Roberts und Yasmin Paige rundet sich „Submarine“ so zu einem so melancholisch wie positiv stimmmenden kleinen Kunstwerk ab, an dem man wohl erst als Erwachsener, der zumindest einige von Olivers Problemen schonmal durchlebt hat, so richtig Spaß haben kann.

Gesehen: Amazon Prime / deutsch
Fazit: Höchst sehenswert!

Die Regeln des Spiels (The Rules of Attraction)

Tragödie / (Komödie) | USA/D 2002 | 110 Min | R & D: Roger Avary | Vorlage: Bret Easton Ellis

1987 hat Bret Easton Ellis mit „The Rules of Attraction“ einen Roman über die damalige Jugendkultur geschrieben, über die Collegezeit, Drogen und Beziehungen. Und wer Ellis kennt, der weiß, dass er diese Zeit nicht mit rosaroten Sonnenblümchen gemalt hat. Der Film hält sich an die tief düstere und misantropische Sicht auf eine Dekade und Altersklasse, in der sich anscheinend jeder selbst der nächste war und wo die Oberflächlichkeit zur Maxime wurde. Da es in „The Rules of Attraction“ aber dennoch um diverse zwischenmenschliche Beziehungen zwischen mehreren Studenten geht und diese nicht für sich stehen können, bekommt man einen Film, dem man getrost das Attribut Anti-Liebesfilm verpassen kann. So dreckig geht es dort zu, so unsympatisch ist Protagonist Sean Bateman (James Van Der Beek), in dessen Kopf man per voice over immer wieder eintaucht, und so furchtbar wird mit Menschen umgegangen, dass man gar nicht hinschauen mag. Doch daraus wird nichts, denn schon allein die vielen innovativen Inszenierungsideen von Roger Avary lohnen den Blick. Und letztlich mag die Geschichte zwar in ihrer Grausamkeit konzentriert sein, aber in ihren Einzelheiten lange nicht so unrealistisch, als dass es so in der wahren Welt nicht zugehen könnte. Leider. Der Film hält sich inhaltlich sehr eng an das Buch, was zur Folge hat, dass man mit keinem guten Gefühl zurückgelassen wird.
Und gerade weil er so schonungslos wie schön ist, so traurig wie absurd-lustig, gehört dieser Abgesang auf die Menschlichkeit namens „The Rules of Attraction“ zum engeren Kreis meiner Lieblingsfilme.

Gesehen: DVD / englisch

Fazit: Höchst sehenswert!

Gold

Tragödie / (Komödie) | Irland 2014 | 88 Min | R & D: Niall Heery

Natürlich gibt es nicht nur in Liebesbeziehungen Stress, auch die bucklige Verwandtschaft macht einem desöfteren zu schaffen. Das muss vor allem Abbie (Maisie Williams) auf die harte Tour lernen, denn eines Tages steht ihr Vater nach langen Jahren vor der Tür und will wieder Teil ihres jungen Lebens werden. Dass Abbies Mutter inzwischen ausgerechnet mit dem Lauftrainer ihrer Tochter liiert ist und für Abbie ein wichtiger Wettkampf bevorsteht, macht die Sache nicht einfacher. Niall Heery hat aus dieser Prämisse ein Tragödie entwickelt, die mit einem leisen, höchst merkwürdigen Humor gewürzt ist und trotz eines kleinen Hängers in der Handlung insgesamt viel Spaß macht. Die Reibungen zwischen dem als Motivationscoach auftretenden Stiefpapa Frank und dem so dahinlebenden Erzeuger Ray sorgen für Tragik und Komik gleichermaßen, nach und nach erfährt man mehr über Rays Vergangenheit und seine Beziehung zu Mutter Alice und schließlich ist da auch noch Abbie, die nicht so recht weiß, was sie von Ray und seinen Versuchen halten soll, mit denen er die Normalität zurückholen möchte. Ray ist es damit auch, der eigentlich im Rampenlicht steht und dessen Probleme es zu lösen gilt.
Gold“ schlingert zwar manchmal etwas auf dem Weg, bildet aber insgesamt einen runden Film über das Inslebenzurückfinden, der letztlich auch zum Ziel kommt.

Gesehen: DVD / englisch
Fazit: Sehenswert!

Ersteindruck: Mad Dogs Staffel 1 | Serie

It was the Cat!

– Gus

Das war sie also, meine erste Amazon Originals-Serie. Also die erste Staffel davon. In meine Watchlist geriet sie überhaupt erst, weil Shawn Ryan als einer ihrer executive producer verantwortlich zeichnet und für sie fleißig Werbung auf Twitter gemacht hat. Wobei IMDb nicht ihn, sondern Chris Cole als show runner führt. Diesem Shawn Ryan verdanken wir jedenfalls wiederum The Shield, diesen großartigen Mix aus Thriller, Action und Drama. Mit solch einem Serienstern in der Vita kann „Mad Dogs“ ja nur gut werden, dachte ich mir.
Zumindest phasenweise sollte ich damit recht behalten.

Auch „Mad Dogs“ besteht aus Thriller- wie Dramaelementen, setzt den Fokus anfangs auf das erste, um sich im Verlauf der ersten Staffel stärker und stärker auf letzteres zu konzentrieren. Die Ausgangslage verspricht viel: Die Jugendfreunde Joel, Cobi, Gus und Lex, deren Wege sich zwischenzeitlich etwas auseinanderbewegt hatten, statten ihrem Freund Milo einen Besuch in dessen Prachtvilla im karibischen Belize ab. Als klar wird, dass dieser sein Geld aus maximal semilegalen Geschäften erwirtschaftet und kurz darauf ein kleinwüchsiger Killer mit Katzenmaske auftaucht, dreht sich fortan alles darum, möglichst schnell möglichst heil wieder amerikanischen Boden unter die Füße zu bekommen.

Der Trip wandelt sich also vom Traumurlaub zum Albtraum und genau so ist die Serie über weite Strecken aufgebaut. Immer wieder geraten die Kumpel in abstruse Situationen und an skurrile Charktere, von denen es in Belize anscheinend viele gibt und deren Auftauchen bei der Gruppe dann auch für den immer wieder durchschimmernden Humor sorgt. Was anfangs noch spaßig und unterhaltsam ist, wurde für mich im Verlauf langsam ermüdend. Immer noch ein sonderbarer Charakter mehr, immer noch eine mysteriöse Verstrickung tiefer. Gut, das war die erste Staffel und damit vielleicht das gesamte Setup für mögliche Folgestaffeln; wenn dem so ist, kann ich damit leben. Wenn es so weitergeht, sehe ich für „Mad Dogs“ kein Land.

Aber auch von der Dramaturgie her hat die Serie so ihre Schnitzer, denn die Thriller- und die Dramaebene wabern merkwürdig parallel nebeneinander her. Einmal geht es um Milos Geheimnis und die Folgeentwicklungen, was insgesamt ganz spannend ist, aber auch (auch aufgrund der geringen Lauflänge der Staffel) sehr gestrafft wirkt; in fast jeder Folge geht es in eine andere Richtung. Ein anderes Mal steht die Gruppendynamik und die Vorgeschichten der Jungs im Mittelpunkt, was erst im letzten Teil der Staffel verstärkt in die Thrillerhandlung eingreift und zudem oft sehr ähnlich abläuft: Die Gruppe flippt schreiend wegen irgendwas aus, geht auseinander, findet sich partiell wieder zusammen und man lernt diese zwei oder drei Charaktere durch die ruhigen und ehrlich(er)en Gespräche kennen, nur um dem ganzen Schauspiel beim nächsten Problem wieder zuzuschauen. Das ist nicht wirklich kreativ gelöst und wirkt gerade am Anfang zu aufgesetzt, zumal die Darsteller auch nicht gerade zu den Besten gehören und so die Konflikte sich regelmäßig allein durch Anschreiorgien aufbauschen. Gefreut habe ich mich dafür, einmal wieder Michael Imperioli zu sehen, der den Christopher Moltisanti in The Sopranos gespielt hat. Nur kann der leider auch nicht verhindern, dass alles, was man über die Clique in 10 Folgen lernt, am Ende zu keinem umhauenden Ergebnis führt. Im Bezug auf die Gruppendynamik kommt die Serie nur minimal voran.

Schließlich ist „Mad Dogs“ sauber produziert, wobei mir die Ästetik zu sehr nach „CSI“ aussah. Jede Szene ist poppig-bunt und bis ins letzte Detail ausgeleuchtet. Persönlich habe ich eine schmutzige Inszenierung lieber, allerdings passt dieser Stil auch wieder zu dem (Alb-)Traum, in dem sich das Quartett befindet.

Vorläufiges Fazit

Ich weiß jetzt schon, dass „Mad Dogs“ nicht zu meinem Liebling avancieren wird, dafür laufen mir die beiden inhaltlichen Ebenen zu sehr aneinander vorbei, auch wenn es zum Schluss hin besser wird. Auch die Charaktere dürften mit der Staffel größtenteils auserzählt sein. Sollte „Mad Dogs“ seine Abgedrehtheit in der zweiten Staffel etwas runterfahren und das Drama mit dem Thriller besser verbinden, dann werde ich aber wohl einen weiteren Blick riskieren. Dafür hat der ordentliche Cliffhanger gesorgt.
Eventuell gebe ich mir aber auch einfach das britische Original von 2011, denn „Mad Dogs“ von Amazon ist ein US-Remake.

Weiterguckpotenzial: Verhalten vorhanden.

Eckdaten zu Staffel 1

Genre: Thriller / Drama
Show Runner: Chris Cole
Produktion: 2015/16
Produziert für: Amazon
Folgen: 10 à ca. 50 Minuten

Sports Night | Serie

Dana, i’ve been through alcohol, marriage and network television. If you wnat to kill me, you’re gonna need some Kryptonite.
– Sam Donovan

Mit der erfolgten Sichtung von „Sports Night“ bin ich meinem Ziel ein ganzes Stück näher, mir das bisherige Gesamtwerk von Aaron Sorkin zu Gemüte zu führen. In Sachen Serie war das sein Erstlingswerk und es war interessant zu sehen, wie die vielen Elemente der Serien, die folgen sollten, schon hier enthalten sind.
Die vielen guten ebenso wie die (ganz) wenigen mittelmäßigen…

Vor der Kamera: Dan (Josh Charles) und Casey (Peter Krause) sind um kein Wort verlegen. Quelle: "Sports Night"-DVD
Vor der Kamera: Dan (Josh Charles) und Casey (Peter Krause) sind um kein Wort verlegen.
Quelle: „Sports Night“-DVD

Sorkins Serien-Zutatenliste enthält bisher stets dieselben Komponenten: Eine Schar an idealistisch geprägten Charakteren arbeitet in einem politisch oder medial geprägten Umfeld und sorgt mit diversen zwischenmenschlichen Beziehungen dafür, dass die Serien nicht in ein Telekoleg über Politsysteme, Redaktionsarbeitsweisen oder Medienschaffung abgleiten. Auch „Sports Night“ enthält wieder diese Elemente, indem der Alltag einer Redaktion gezeigt wird, die auf dem Sender CSC die namensgebende Show produziert. Neben Problemen mit der inhaltlichen Einmischung des Managements und persönlichen Verwicklungen in berichtete Themen, moralischen Fragen nach Schleichwerbung und der Frage, wie man Zeit bei Sport-Liveübertragungen, die ungewollt schnell enden, bestmöglich überbrückt, menschelt es zwischen den Charakteren, was sich natürlich wieder auf die Arbeit auswirkt.

Sorkin verschiebt den Fokus zwischen Charakteren und Handlung je nach Serie deutlich. Nirgendwo gelingt ihm das so gut wie bei seiner bisherigen Meisterleistung „The West Wing„, wo er ein für mich perfektes Gleichgewicht aus Handlung, Information und Charakterzeichnung geschafft hat. Nicht ganz so gut hat es dafür bei „Studio 60 on the Sunset Strip“ geklappt, das zudem daran krankte, dass Sorkins Vorliebe für politische Themen dazu führte, dass ihr überbordendes Vorhandensein in dieser Serie, in der es eigentlich um eine Unterhaltungsshow gehen sollte, fehlplaziert wirkten. „Sports Night“ wiederum stellt die großen und kleinen Beziehungsdramen in den Vordergrund, ohne ganz auf die Darstellung eines realistischen Arbeitsumfeldes hinter den Kulissen einer Sportnachrichtensendung zu verzichten. Mir hat das Verhältnis hier sehr gut gefallen, zumal auch die kurz eingestreuten Politikthemen harmonisch integriert wurden. Allerdings hätte ich mir ein wenig mehr Konzentration auf die sportnachrichtlichen Probleme gewünscht. Sportberichterstattung durch Frauen, Interviews mit Schleichwerbung, das wird immer mal kurz angesprochen, aber leider zu schnell fallengelassen. Das Interesse dafür ist wohl dann doch zu nischig. Das führt allerdings auch zu einem mittelmäßigen SiSF von 5/10, denn auch wenn es hier um Sportnachrichten geht, steht der Sport in „Sports Night“ nicht wirklich im Vordergrund, schon gar nicht, was die gezeigten Bilder angeht.

Hinter der Kamera: Dana (Felicity Huffman) und Natalie (Sabrina Lloyd) sind ebenfalls gut dabei, wenn es um Wortgefechte geht. Quelle: "Sports Night"-DVD
Hinter der Kamera: Dana (Felicity Huffman) und Natalie (Sabrina Lloyd) sind ebenfalls gut dabei, wenn es um Wortgefechte geht.
Quelle: „Sports Night“-DVD

Dafür hatte ich einmal mehr große Freude an den wunderbar skurril geschriebenen Charakteren, die sich sorkintypisch das ein oder andere Ei leisten, aber insgesamt mit ihrem Idealismus eine schön positive Grundstimmung schaffen. Und dann ist da auch wieder (besser: zum ersten Mal, denn „Sports Night“ ist wie gesagt sein Serien-Erstling) Sorkins Markenzeichen: so spritzig wie treffende Dialoge und die langen Kamerafahrten, die dafür sorgen, dass ebenjene Dialoge oft ablaufen, während sich die Charaktere durch die Kulissen bewegen. Bei „The Newsroom“ finde ich es zuweilen anstrengend, diesem Dialogfeuerwerk zu folgen, allerdings hat die neuste Sorkin-Serie auch eine Laufzeit von 50 Minuten pro Episode. Da „Sports Night“ in dieser Hinsicht gerade 20 Minuten auf die Waage bringt, ist es auch kein Problem, dass die Dialoge hier nochmals eine Ecke schneller ablaufen.

Denn zu bereden gibt es hinter der „Sports Night“-Kulisse so einiges. Da haben Moderator Casey und Produzentin Dana anscheinend eine gemeinsame Vergangenheit, da will Statistikass Jeremy (Joshua Malina, den ich seit „The West Wing“ sehr gerne sehe) erst eingestellt werden und dann das Herz von Assistentin Natalie erobern und nebenbei versucht der zweite Moderator Dan sein Lebensglück zu finden. Um diese Probleme geht es episodenweise fast ausschließlich, sie machen aber jedenfalls einen großen Schwerpunkt der Serie insgesamt aus. So lernt man die Charaktere wiederum schnell kennen und es stellt sich dieses „Hier will ich unbedingt arbeiten“-Gefühl ein, das ich bisher bei jeder Sorkin-Serie hatte. Die Episodenstruktur wird trotz einiger staffelübergreifender Handlungsbögen dabei nur selten durchbrochen, was mich einerseits die Serie hat entspannt gucken lassen. Andererseits gibt es so auch Charaktereinführungen und Problemstellungen, die ins Leere laufen und von denen ich gerne noch mehr gesehen hätte.

Fazit

Mit ihren gerade 45 kurzen Episoden ist „Sports Night“ viel zu schnell vorbei gewesen. Ich hätte gerne noch viel mehr Zeit mit den sympatischen Charakteren in der chaotischen Redaktion verbracht und finde es deshalb schade, dass schon nach zwei Staffeln Schluss war. Allerdings hatte das ja seinen Grund: Sorkin ging weg, um „The West Wing“ zu machen, was nach wie vor eine meiner Lieblingsserien ist und mit der er das Niveau von „Sports Night“ nochmals überboten hat. Um nicht viel, nur ein bisschen, weshalb „Sports Night“ in meinem Sorkin-Ranking einen knappen zweiten Platz belegt.

gesehen: DVD / englisch / englische UT

Lieblingscharakter: Dan Rydell (Josh Charles) / Sam Donovan (William H. Macy)
Lieblingsepisode: Eli’s Coming (S01E19)

Eckdaten

Genre: Komödie / Drama / (Sport)
Show Runner: Aaron Sorkin
Produktion: 1998-2000
Produziert für: ABC
Folgen: 45 à ca. 20 Minuten

Weiterführendes

Meine Aaron Sorkin-Werkschau
Meine Sportmedien-Rezensionen

Eddie the Eagle – Alles ist möglich (Eddie the Eagle) | Film

Eddie, you are NOT an athlete!
– Terry Edwards

Calgary hat so manch Kurioses angezogen. Nicht nur flitzte bei der dort 1988 stattfindenden Winterolympiade eine gewisses Team aus Jamaika den eisigen Bobkanal hinunter und ließ sich daraufhin 1993 durch eine Disney-Komödie auf Celluloid verewigen (die ich wohl dringendst mal sehen müsste). Auch in der Luft gab es mit Michael „Eddie“ Edwards Merkwürdiges zu sichten. Dieser Eddie war der erste britische Skispringer seit fast 60 Jahren, hatte nie eine Chance auf eine Medaille und bleibt dennoch — wohl besser: deshalb — auf ewig als Eddie the Eagle in den Sportgeschichtsbüchern stehen. Den Film, der seinen Spitznamen trägt und der von seiner Geschichte handelt, habe ich jetzt gesehen, und das trotz wohl berechtigter objektiver Kritik sicher nicht zum letzten Mal.

Niemand traut dem Protagonisten etwas zu, er versucht jedoch alles, um sein Ziel zu erreichen. Er kämpft sich durch alle Widerstände hindurch, nur um dann kurz vor dem Erfolg an Selbstzweifeln oder äußeren Einflüssen fast zu scheitern. Am Ende ist jedoch alles gut, er hat es sich und der Welt gezeigt und im Idealfall auch noch Dritten durch seine Taten einen positiven Schwung mitgegeben. Nach diesem Schema läuft ein Großteil der Sportfilme ab, und da der wohl erste Skisprungspielfilm der Geschichte eine wahre Lebensgeschichte nachbildet und diese nunmal so (ähnlich) abgelaufen ist, kommt auch „Eddie the Eagle“ nicht aus diesem Korsett heraus. Eddies Vater findet die Idee, zur Olympiade zu fahren, großen Quatsch, das britische olypmische Kommitee fürchtet einen Imageschaden und baut ad hoc Qualifikationsbedingungen auf und Eddie selbst muss überhaupt erstmal lernen, wie das mit dem Skispringen funktioniert. Da der reale Eddie Edwards wie gesagt seine Sprünge in Calgary absolviert hat, weiß man auch, wie das Ganze endet. Rein handlungstechnisch bewegt der Film sich also im vor allem für Sportfilmgucker gewohnten Fahrwasser. Daran kann auch die Nebenhandlung wenig ändern, die die Entwicklung von Eddies Coach Bronson Peary, entspannt gespielt von Hugh Jackman, behandelt und so zeigt, dass Eddie nicht nur für sich alleine kämpft. Da der Film irgendwie in irgendeinem deutschen Filmfördertopf gelandet zu sein scheint und zumindest partiell hierzulande gedreht wurde, hat Iris Berben auch noch eine für die dargestellte Geschichte komplett austauschbare Nebenrolle abgestaubt.

Warum sollte man sich also den Film dennoch angucken? Das ist einfach beantwortet: Eddie Edwards. Das Original ist schon optisch der absolute Sympathieträger mit stoppeliger Rotzbremse und 80er-XXL-Metallrandbrille, einem Allerweltsgesicht und auch zu schwer für einen Skispringer. Taron Egerton ist ihm nicht nur wie aus dem Gesicht geschnitten, er stellt diesen schlaksigen Träumer auch wunderbar dar. Dass dieser Bursche unbedingt zur Olympiade will und deren „Dabei sein ist alles“-Motto lebt, nimmt man ihm sofort ab.

Und so macht der Film einfach Spaß, auch wenn man weiß, wie er ausgeht. Den Kampf gegen das Nichternstgenommenwerden musste Eddie Edwards tatsächlich führen und dieser nimmt in „Eddie the Eagle“ den meisten Platz ein. Egal ob andere Springer (fiese Norweger!), das nationale Olympiakommitee (fiese Bürokraten!) oder der eigene Coach (fieser Säufer!), Eddie durchläuft alle Stationen, an denen seine Freude auf eine harte Probe gestellt wird. Der Außenseiter kämpft sich durch alles durch, um seinen persönlichen Erfolg zu finden, auch wenn dieser nicht der Norm entspricht. Und das macht „Eddie the Eagle“ zwar nicht zu einem innovativen, jedoch einem durchaus guten Sportfilm. Nebenbei bemerkt: Der SiFF kann hier nur 10 von 10 Punkten betragen, weil sich der ganze Film von vorne bis hinten um den Skisprung dreht. Bekannte Sportgrößen von damals kommen ebenso vor wie kurze Originalfilmausschnitte der Olypiade und zumeist gelungene Sprungsequenzen und Kamerafahrten an der Sprungschanze entlang, bei denen die Höhenangst (jedenfalls bei Kinoleinwandgröße) bei mir schon leicht durchschlug.
Humortechnisch kann „Eddie the Eagle“ größtenteils punkten, was auch wieder an Taron Egertons Darstellung liegt sowie an dessen Zusammenspiel mit Jackman. Einige wenige Male war mir der Witz allerdings zu aufgesetzt. Das macht der Soundtrack aus 80er-Upbeatstücken aber wieder wett.
Und was mich nicht zuletzt auch positiv gestimmt hat: Die Kritik am durchprofessionalisierten Sport und insbesondere Olympia ist zwar vorhanden, wird aber bis auf eine allzu deutliche Szene angenehm zurückhaltend geäußert. Hier hat man die Geschichte für sich sprechen lassen, was ein guter Schachzug war.

Fazit

Eddie the Eagle“ ist eine Sportkomödie, die zwar keinen Innovationspreis gewinnt, durch Hauptdarsteller und das anfangs eingeblendete based on a true story sowie mit ihrer positiven Aussage aber gut unterhalten kann. Bilder und vor allem der Soundtrack schleifen das schematische Drehbuch und den ein oder anderen kleinen Hänger in den Nebencharakteren größtenteils wieder rund.

gesehen: Kino / englisch

Wiederschaupotential: sehr hoch

Lieblingscharakter: Bronson Peary (Hugh Jackman)
Lieblingsszene: Die Trainingsmontage mit den Holzpfählen.

Eckdaten

Genre: Sport / Biografie / Komödie / (Drama)
Herkunftsland: DE / UK / USA
Eckdaten: 2016 / 105 / FSK0
Regie: Dexter Fletcher
Drehbuch: Simon Kelton / Sean Macaulay

Andere Meinungen

Trivial (10/10)

Snowpiercer (Seolgugyeolcha) | Film

They’ve got no bullets!
– Edgar

Mir war mal wieder nach Weltzerstörung. „Snowpiercer“ hörte sich für diesen Plan geeignet an: Die Reise der letzten Überlebenden in einem Zug auf der Erde, weil sich die Menschheit durch Dummheit einmal mehr hart an die Grenze zur Extinktion gebracht hat, denn dank dem Einsatz von Chemiekalien ist es zu einer lebensfeindlichen Eiszeit gekommen. Der Zug ist das einzige, was ein paar Hundert Seelen davon abhält, Eis am Stiel zu werden. Was nach launigem Sci-Fi in einer postapokalyptischen Welt klingt, hat sich jedoch als wahre Mogelpackung entpuppt, für die ich allerdings jederzeit wieder ein Ticket ziehen und in der ersten Klasse platznehmen würde. Hier mein Reisebericht aus dem Snowpiercer, bei dessen Fahrt ich ordentlich durchgeschüttelt wurde.

Denn was da als düsterer Science-Fiction anfängt, entpuppt sich alsbald als nachdenklich machender und höchst aktueller Kommentar auf die gesamte Menschheit und Regisseur Bong Joon-Ho ist sich nicht zu schade, ein Feuerwerk an bizarren Einfällen abzufeuern und die schlichte Prämisse ganz fantastisch zu kaschieren. Denn die Handlung von einem Zug, in dem im hinteren, schmuddligen Teil der zahlenmäßig dominante Pöbel haust und hungert, während vorne die wenigen Reichen in Saus und Braus leben, klingt nun wirklich nicht innovativ. Und man kommt auch schnell auf den Trichter, dass „Snowpiercer“ in Sachen Realismus nicht das Wahre ist. Allein das Setting in einem Zug, der die Überlebenden über die Erde kutschiert, klingt wahrlich nicht plausibel.

Aber: Darauf kommt es dem Film nicht an. Bong nimmt die Handlung nur als Grundlage, um auf begrenztem Raum mal eben so eine komplette Gesellschaftsdynamik zu simulieren und grandios zu visualisieren. Ich hatte nach einer halben Stunde meine Trauer darüber, dass ich wohl nicht Zeuge einer realistischen Zukunftsvision werde, abgelegt und stattdessen in jeder Szene gebannt gewartet, was Bong wohl als nächstes aus dem Hut zaubern würde. Denn „Snowpiercer“ ist ein Film, der einem eine Zweitsichtung nur so aufdrängt, so viele Hinweise und Querverbindungen sind in Aussage und Handlung versteckt. Da trifft die rebellierende Unterklasse, angeführt von Curtis (Chris Evans), ziemlich schnell auf Oberklassekämpfer, doch bevor der Kampf beginnt, filetieren letztere zunächst in aller Ruhe genüsslich einen Fisch, auf dem Curtis dann auch noch ausrutscht. Kleine Kinder werden aus der niederen Klasse nicht nur entführt, sondern vorher exakt vermessen. Auffällig vielen Personen fehlen Gliedmaßen. „Snowpiercer“ steckt voller solcher bizarrer Szenen und Bilder, die zunächst keinen Sinn zu ergeben scheinen. Nach dem Abspann fing mein Gehirn jedoch sofort an, sämtliche dieser Brotkrumen gedanklich zu suchen und zu sortieren. Denn kaum etwas hat grundlos seinen Weg in die Handlung oder ins Bild gefunden, hinter jedem kleinen Detail verbirgt sich etwas, was zum Gesamtbild beiträgt, mitunter aber erst später Sinn ergibt. Schon damit beschäftigt mich der Film nachhaltig bis jetzt und je länger ich über ihn nachdenke, desto besser gefällt er mir.

Aber auch die Reise der Aufständler durch den Zug selbst ist nur so gespickt vor surrealen Bildern und Ideen. Die Gruppe will zur Spitze des Zuges gelangen, um die Antriebsmaschine unter Kontrolle zu bringen und der aufgezwungenen Klassengesellschaft so ein Ende zu bereiten. So kämpfen und metzeln sie sich von Waggon zu Waggon nach vorne und je näher sie ihrem Ziel kommen, desto absurder wird das Gesehene. Nicht nur kommen so die unterschiedlichsten Filmstile pro Waggon zum Vorschein (Von Thriller über Abenteuer bis Satire war da für mich alles herauszulesen), auch die Filmaussage wird nach und nach zusammengepuzzlet. Mich hat das alles vom Aussagegehalt ein wenig an die „Matrix“ -Trilogie erinnert, in der es auch um die Gesellschaft an sich geht. Währenddessen spielt die Fülle an optischen und inhaltlichen Ideen in einer Liga mit Park Chan-wooks grandiosem „Oldboy“ . Von letzterem kamen mir auch die eingestreuten, eigentlich nicht so recht ins düstere Bild passenden und reichlich überdrehten Charaktere bekannt vor. Allen voran Tilda Swinton als quietschbunt gekleidete und an eine Comicfigur erinnernde Ministerin, die als einzige der Oberklasse regelmäßig den hinteren Zugteil aufsucht und nicht müde wird, den armen Seelen ihr vorherbestimmtes Schicksal zu souflieren, kann sich hier voll austoben, dass es eine Freude ist. Aber auch hier wieder: Die Figur, ihr Aussehen und ihr Verhalten sind nicht frei von Kommentar, der sich erst richtig offenbart, wenn man ihn ihm Kontext des Zuges liest. So formt „Snowpiercer“ eine allegorisches Bild, welches der heutigen Zeit in all seinen Facetten den Spiegel vorhält.

Fazit

Snowpiercer“ ist weder glaubwürdiges Science-Fiction noch Dystopie und er nimmt die Apokalypse lediglich als Aufhänger. Und auch seine Aussage ist nichts, was man noch nie gehört hätte. Wie er jedoch dahin kommt, das ist einerseits durch fantastische Bilder und Einfälle einfach ganz große Unterhaltung. Andererseits wirkt der Film gewaltig nach, weil man erst nach und nach alle gezeigten Szenen, die Verhaltensweisen der Charaktere und das Gesagte in eine Ordnung bringen kann. So ergibt „Snowpiercer“ für mich einen detailreich ausgestaltetes Gesamtbild, bei dem ich mir sicher bin, dass bei einer Zweit-, Dritt- und Viertsichtung immer noch viele kleinere und größere Aspekte hinzukommen, die das Bild noch runder machen.
Ein ganz toller Film, den man gesehen haben sollte.

gesehen: Blu-ray / englisch

Wiederschaupotential: garantiert

Lieblingscharakter: Teacher (Alison Pill).
Lieblingsszene: Das Lied über Wilford.

Eckdaten

Genre: Drama / Gesellschaftskritik / (Science-Fiction)
Herkunftsland: USA / Südkorea
Eckdaten: 2013 / 126 Min / FSK 16
Regie: Bong Joon-Ho
Drehbuch: Bong Joon-Ho | Jacques Lob / Benjamin Legrand / Jean-Marc Rochette (Comicvorlage)

Andere Meinungen

Der Kinogänger (8/10) / Filmherum (3,5/5) / Infernal Cinematic Affairs (8,5/10) / Jacker’s 2 Cents (10/10) / Medienjournal (8/10) / Miss Booleana / Singende Lehrerin (10/10) Tonight is gonna be a large one (8/10)

Ich lerne Filme (2) – Digitale Bildmanipulation

Eigentlich sollte ich mich nicht darüber wundern. Denn die Bildmanipulation ist in der Fotografie seit jeher gang und gäbe und mit dem Einzug der Digitalfotografie praktisch unbegrenzt möglich. Die Pixelschubserei ist mit einen Mausklick erledigt und schon sind Objekte im Bild, die in der Realität nie vor Ort waren, der Himmel ist grün oder der Waschbärbauch auf wundersame Weise in einen Sixpack verwandelt. Dass man seit Dekaden in der Filmbranche auf CGI zurückgreift und ganze Szenen am Computer „gefilmt“ werden, ist ebenfalls hinlänglich bekannt.

Dass jedoch die Bildmanipulation abseits von Tonung und Weichzeichner auch längst bei Filmen Einzug erhalten hat, die kein green-screen-Gewitter zelebrieren, hat mir ein Tutorial zu der Videobearbeitungssoftware After Effects gezeigt. In seinem Video „Invisible Split-Screen Tutorial“ erklärt Benjamin Gill nicht nur, wie man mehrere Versionen der gleichen Szene miteinander mischt, sondern vor allem auch den Grund dafür. Anhand von Szenenfotos aus Filmen von David Fincher zeigt er außerdem (zumindest einen Grund auf), warum der Regisseur auf wackelfreie Aufnahmetechnik setzt.

Ich hätte mir denken können, dass das, was in der Bildbarbeitung durch den Einsatz von Ebenenmasken simpel umsetzbar ist, bei den Profis in der Filmbranche natürlich auch zum Einsatz kommt. Nur habe ich bisher einfach nicht darüber nachgedacht. Das Video hat mir aber wiederum einige Folgeinformationen offebart.
Das Gute: Es zeigt, mit welcher Detailverliebtheit (viele) Filmemacher an ihre Werke gehen. Da wird nicht die kleinste Nebensächlichkeit dem Zufall überlassen. Das Streben nach Perfektion in jeder Szene merkt man Filmen vielleicht nur unterbewusst an, aber es dürfte wohl kein Zufall sein, dass Finchers Filme — ähnlich wie die von Wes Anderson oder anderen Regisseuren, die auf überlegte Bilder Wert legen — zu den guten gehören.

Worüber man hingegen auch nachdenken kann: Den Wert von guter Schauspielerei. Wie bei jeder Manipulation kann man sich mit dem sicheren Wissen, dass Szenen in Frankenstein-Manier komplett zusammengewürfelt werden können, nicht mehr sicher sein, dass der nächste Oscar für die beste Schauspielerei wirklich verdient ist. Vielleicht könnte man ihn doch lieber demjenigen überlassen, der in der post production die Schieberegler bedient hat…

Wieder was gelernt!

Die letzten „Ich lerne Filme“-Beiträge

Media Monday #244

Oje, in der vergangenen Woche bin ich nicht dazu gekommen, auch nur einnen Film zu gucken. Das muss sich schnellstmöglich ändern. Aber immerhin ist auch diesen Montag auf den medienjournal’schen Media Monday wieder Verlass.

  1. Es ist/war wieder Zeit für die Oscars. Meine Meinung: Prinzipiell überflüssig, aber weil die Entscheidungen dort immer mal wieder interessante Meinungsstreits in Podcast- und Blogosphäre hervorrufen, haben sie ihre Berechtigung.
  2. Eine Werkschau der Produktionen von/mit Wes Anderson sowie Aaron Sorkin sind bei mir in vollem Gange bzw. stehen kurz vor dem Abschluss. Eine dritte über die Werke von Kevin Smith befindet sich im Anflug.
  3. Filme und Serien haben vieles gemein, unterscheiden sich aber auch in mindestens ebenso vielen Punkten. Tendenziell bevorzuge ich keins von beiden, denn je nachdem, wieviel Zeit vorhanden ist, darf mich mal ein Film, mal eine Serienepisode oder gleich die gesamte Staffel unterhalten.
  4. Der März steht vor der Tür und da freue ich mich am meisten auf Ostern, weil dann höchstoffiziell einmal mehr „Ben Hur“ geguckt werden darf. Der ist nämlich mein klassischer Osterfilm.
  5. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich ja in das „der deutsche Film ist scheiße“-Dauergesjammer mit einstimmen. Stattdessen lade ich Niko Fischer lieber auf seinen ersehnten Kaffee in Victorias Cafe ein, fahre mit Floyd an seinem letzten Abend in Hamburg zum Kickern und setzt anschließend alles auf Horst. Wer da jetzt 4 grandiose deutsche Filme drin erkannt hat, darf sich in Los Angeles eine goldene Statue abholen. 🙂
  6. „Jaws“ wird mir immer für seinen Hai im Gedächtnis bleiben, schließlich hat der mir in der Kindheit einen gehörigen Respekt und auch heute noch eine latente Angst vor tiefem Wasser beschert.
  7. Zuletzt habe ich dank eines Stöckchens in mein Bücherregal geschaut und das war sehr deprimierend , weil der SuB einfach nicht kleiner werden will.
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