Alles steht Kopf (Inside Out) | Film

Was habe ich mich darauf gefreut. Pixar hat ja bisher in dieser Hinsicht eigentlich nur Großartiges abgeliefert. Und dann so eine Enttäuschung. Ein Vulkan im Ozean. Mehr nicht. Animationstechnik auf dem Stand von 2005. Darüber hawaiianische Dudelmusik und -sänger gelegt. „Lava“ ist der mit Abstand schlechteste Pixar-Kurzfilm, der mir bisher über den Weg gelaufen ist.
Aber zum Glück wurde ich, nachdem ich diese traurigen 6 Minuten hinter mich gebracht hatte, in den folgenden eineinhalb Stunden mit dem besten Pixarfilm aller Zeiten entlohnt.

Freude entdeckt das Langzeitgedächtnis. In diesem wird der Film auch lange bleiben. Quelle: "Inside Out" offizieller Clip (Disney)
Freude entdeckt das Langzeitgedächtnis. In diesem wird der Film auch lange bleiben.
Quelle: „Inside Out“ offizieller Clip (Disney)

Denn in „Inside Out“ ging die Gefühlsachterbahn erst so richtig los. Da konnte ich über den Slapstick lachen und mit den Protagonisten mitleiden, mich über die kunterbunte Welt freuen und über das Hintergründige nachdenken. So wie man es von Pixar kennt, richtet sich ein Teil des Films an Kinder, gleichzeitig werden aber auch die ernsten Themen des Erwachsenwerdens durchleuchtet, womit sich der Film ebenso deutlich an ein älteres Publikum richten. Bei „Inside Out“ schlägt das Pendel – von mir subjektiv empfunden – so stark wie noch nie in die zweite Richtung aus, denn ich habe mich in vielen Situationen, in die Protagonistin Riley und ihre fünf Basisgefühle Freude, Angst, Traurigkeit, Ärger und Ekel geworfen werden, wiedergefunden. Riley, gerade 11 Jahre alt geworden, wird aus ihrem Leben im kalten Minnesota rausgerissen, um fortan mit ihrer Familie in San Francisco zu leben. Diese psychisch anstrengende Situation hilft natürlich nicht gerade, um das emotionale Chaos im Zaum zu halten. Und so haben die verfigurten Gefühle alle Hände voll zu tun, um einigermaßen Ordnung zu halten. Dass dabei etwas schiefgeht, ist so unvermeidlich wie spaßauslösend.

Denn was Pixar da optisch und inhaltlich an Ideen auf die Leinwand schmeißt, ist einfach nur fantastisch. Da wurden mit Sicherheit viele, viele Psychologiebücher gewälzt, um dann Dinge wie Langzeitgedächnis, Persönlichkeitsentwicklung oder Ohrwürmer zu visualisieren und in die Geschichte einzubinden. So hat man in einer Sekunde seinen Spaß mit den knuffigen Figuren, ihren Sprüchen und Abenteuern, um gleich darauf in beängstigend konkreter Weise sein früheres – und heutiges – Ich in der Gefühlswelt von Riley wiederzufinden und im Anschluss das nächste psychologische Detail im Szenenhintergrund zu entdecken. So vergeht keine Filmsekunde, in der auch nur der Hauch von Langeweile aufkommt. Die Figuren sind nicht allein zur Darstellung und Erklärung einer komplexen Wissenschaft da, sie haben ihre eigene Persönlichkeit und größtenteils ihre eigenen kleinen Geschichten innerhalb der Welt, die wirklich ans Herz gehen und mich so sehr bewegten, wie es bisher noch kein Animationsfilm zustande gebracht hat. Pixar hat es bisher in fast allen seinen Filmen verstanden, die Themen Erwachsen- und Vergessenwerden in tolle Geschichten zu verpacken, aber mit „Inside Out“ setzen sie ein gleichermaßen kindgerechtes wie erwachsenenbegeisterndes Werk an die Spitze vor den „Toy Story„-Filmen und „Wall-E„.

Fazit

Ich bin restlos begeistert von „Inside Out“ und kann den Film nur jedem empfehlen, der soviel lachen wie berührt werden will und dabei vielleicht ein bisschen etwas über sich selbst lernen mag. Ein Film über Emotionen, der mich bei ebenjenen gepackt hat wie selten ein Film zuvor. Sobald man den Vorfilm überstanden hat, wird man in eine Filmwelt geworfen, die noch lange nachwirken wird.

Gesehen: Kino / englisch

  • die Verschränkung aller Erzählebenen
  • die bewegenden Schicksale
  • das perfekte Erzähltempo
  • der Ohrwurm
  • Traurigkeit
  • die Visualisierung
  • die Abspann-Szenen
  • die „abstrakte Gedanken“-Kammer
Wiederschaupotential: extrem hoch

Lieblingscharakter: Bing Bong
Lieblingsszene: Angst guckt Träume.

Eckdaten

Genre: Animation / Komödie / Drama
Herkunftsland: USA
Eckdaten: 2015 / 94 Min / FSK 0
Regie: Pete Docter / Ronnie Del Carmen
Drehbuch: Pete Docter / Ronnie Del Carmen

Andere Meinungen

Filmherum (4/5)

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