American Graffiti | Film

Es war einmal vor langer Zeit auf einem weit, weit entfernten Kontinent… da bewegten sich die Menschen in ultracoolen Gefährten durch die Gegend, sie hörten monumental-ikonische Musik und die Frisuren waren aus heutiger Sicht doch einigermaßen gewöhnungsbedürftig. Doch während das alles auch auf „Star Wars“ zutrifft, hat dieser mit „American Graffiti“ nur eins gemeinsam: George Lucas. Der hat sich als Co-Autor vor seiner Weltraum-Saga mit „American Graffiti“ zwar nicht in eine andere Galaxie begeben, dafür aber in seine eigene Jugend.

Johns 32er Deuce Coupe taugt nicht nur zum Frauenaufreißen, auch dinieren lässt es sich vorzüglich darin. | Quelle: "American Graffiti" BD / Universal
Johns 32er Deuce Coupe taugt nicht nur zum Frauenaufreißen, auch dinieren lässt es sich vorzüglich darin. | Quelle: „American Graffiti“ BD / Universal

Dort lässt er das Amerika von 1962 wieder auferstehen. In diesem verbringen vier Jugendliche ihren letzten Abend in einer Kleinstadt, bevor am nächsten Tag zumindest für zwei von ihnen die Abreise zum College ansteht und damit der Ernst des Lebens beginnen soll. Doch nicht nur die Trennung von Freundin und Freunden bieten Grund dazu, diesen wichtigen und großen Schritt zu hinterfragen. Auch die Angst vor dem Unbekannten und Selbstzweifel sorgen dafür, dass der Abend nicht so reibungslos und fröhlich abläuft, wie geplant…

Das ist im Grunde die gesamte Story des Films, die zudem tatsächlich nur in einer einzigen Nacht stattfindet. Die etwas stereotyp angelegten Charaktere – gut dargestellt von heutigen Filmgrößen wie etwa Richard Dryfuss, Ron Howard oder in anderer Rolle auch Harrison Ford – stehen an der Schwelle zum Erwachsensein und kommen damit nicht immer klar. Die Fragen, die einen vor dem Betreten eines neuen Lebensabschnitts plagen, werden unterhaltsam und dennoch mit dem nötigen Ernst präsentiert. Dieses Thema wurde in vielen Filmen bereits bearbeitet und auch hier kommt nicht viel Neues hinzu. In kleinen Ansätzen erinnert die Charakterzeichnung auch an die „American Pie“-Helden, wobei der Film insgesamt trotz einiger Komikeinlagen längst nicht so klamaukig ist wie die Teenie-Komödie mit dem Apfelkuchen. Wirklich tiefgreifende Erkenntnisse liefert auch „American Graffiti“ nicht zutage oder erfindet das Rad gar neu. Dennoch findet man eigene Erfahrungen und Gedanken zweifelsohne wieder, weil Lucas seinen Protagonisten (naja, fast allen) die notwendige Ernsthaftigkeit einräumt, um diese darstellen zu können. Die Jugendzeit war zu anderen Zeiten und an anderen Orten wohl doch nicht so verschieden, wie man immer glaubt.

Stichwort andere Zeit: Der Film spielt 1962, was ausstattungsmäßig soviel heißt wie: Hochsteckfrisuren, Neonleuchten überall und ein genialer Fuhrpark. Autos spielen eine sehr wichtige Rolle im Film, da kaum zu Fuß gegangen wird. Unterhaltungen innerhalb der Retro-Karren und quer über die Straße hinweg sind genauso oft vorhanden wie der Blick auf den örtlichen Mittelpunkt des Films, ein 60s Diner mit Rollschuhbedienung direkt am Drive-In-Parkplatz vor dem Lokal. In Teilsträngen der Geschichte sind die Autos sogar Mittelpunkt, was zeigt, dass sie für die damalige Jugend (genauer wohl: Lucas‘ Jugend) und auch für den Film nicht nur Selbstzweck sind, sondern eine zentrale Rolle spielen.
Ebenfalls wichtig scheint Lucas die Musik gewesen zu sein. Die ist wortwörtlich omnipräsent, denn schon in der ersten Szene des Films wird ein Radio eingeschaltet und ein sich selbst als „Wolf Man“ bezeichnender DJ präsentiert seine Call-In-Show. Den Wolf Man wird man nicht mehr los, er zieht sich mit seiner Show fast durch den gesamten Film und liefert damit gleich den Score. Hört man ihm nämlich mal nicht zu, wie er Anrufern Liebesratschläge gibt, dann wird auf diesem Radiosender ein Potpourri an 60er-Jahre-Musik abgefeuert, das einen erheblichen Teil zu der dichten Filmatmosphäre beiträgt.

Im Grund kann man den Film nur stilecht mit einem großen Milchshake in der Hand und Rollschuhen an den Füßen gucken. Mit „American Graffiti“ bekommt man einen weiteren Coming-of-Age-Film, der das Thema zeitlich stark verkürzt datstellt, storymäßig notwendig bleibt sowie bezüglich der aufgezeigten Gefühlswelt nicht allzu innovativ ist, aber dennoch unterhalten kann. Zudem kann der Film absolut bei der Atmosphäre punkten, so man denn auf diese Zeitspanne steht.
Man muss also nicht in entfernte Galaxien reisen, um eine fremde und doch gleichzeitig so seltsam vertraute Welt kennenzulernen.

Von mir gibt es 8,5/10 Punkte.

Gesehen: BD / deutsch
Eckdaten: 1973 / 112 Min / FSK 16
Genre: Coming of Age / (Komödie)
Regie: George Lucas

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