BEZIEHUNGSSTRESS im Schnelldurchlauf: Submarine & Die Regeln des Spiels (Rules of Attraction) & Gold

RomComs sind doch für die Tonne. Keine reale Beziehung läuft so fluffig ab wie in den heilen Welten, die uns vornehmlich Hollywood und die Til Schweighöfers dieser Republik vorschwurbeln. Zwei hübsche Menschen begegnen sich mit Blickkontakt, es gibt ein bisschen Stress und am Ende die ewige Liebe? Am. Arsch.
Zum Glück gibt es aber noch die kleineren Filme, die die zwischenmenschlichen Beziehunen thematisieren und dabei ihre heiteren Momente haben, ohne den Realismus und die Tragik aus den Augen zu verlieren. Dass Beziehungen auf der ganzen Welt in der Regel das gelegentliche Unrundlaufen gemein ist, man daraus aber gleichermaßen realistische wie ergreifende Filme formen kann (und dann das Genre mit dem unsäglichen Namen Dramedy herauskommt), zeigen folgende drei Independent-Filme aus England, den USA und Irland, die neben ihren charamant sozial unfähigen Charakteren ihr eigenwilliger Humor und jeweils ein großartiger Soundtrack verbindet.

Submarine

Tragödie / Komödie | UK/USA 2010 | 97 Min | R & D: Richard Ayoade

Englischer Humor ist an sich schon eher spezieller Natur und wenn man den höchst eigenwillig bebildert auf die Leinwand zaubert, dann kommt so etwas wie „Submarine“ bei rum. Denn darin ist das Leben des Teenagers Oliver Tate im walisischen Nirgendwo der 80er kein einfaches, gehört er in der Schule doch eher zu den mäßig beliebteren und macht sich daheim große Sorgen um die Beziehung seiner Eltern, weil diese in die Brüche zu gehen droht. Just in diesem Lebensabschnitt betritt Jordana seine Lebensbühne und schwupps steckt er mitten im Liebeschaos. Oliver sagt sogar, dass er sich freuen würde, wenn jemand sein Leben mit einer Kamera festhalten könnte, und genau das macht Richard Ayoade in einer Vielzahl an bezaubernden Einstellungen, die dem finsteren Drama, welches Oliver da so durchlebt, krass entgegenstehen. Weil der Film konsequent Olivers jugendliche Sicht zeigt, dürfen die Probleme aber auch monumental, die sozialen Beziehungen unentwirrbar komlex erscheinen und die Personen maximal verquer handeln und aussehen, ohne dass es komödienhaft wird. Oliver gibt sich an vielem die Schuld und versteht noch viel mehr nicht wirklich, was dem Film eine melancholische Ader verleiht, die sich perfekt mit den karikaturhaften Erwachsenen in seiner Welt verbindt. Mit den beiden toll spielenden jugendlichen Hauptdarstellern Craig Roberts und Yasmin Paige rundet sich „Submarine“ so zu einem so melancholisch wie positiv stimmmenden kleinen Kunstwerk ab, an dem man wohl erst als Erwachsener, der zumindest einige von Olivers Problemen schonmal durchlebt hat, so richtig Spaß haben kann.

Gesehen: Amazon Prime / deutsch
Fazit: Höchst sehenswert!

Die Regeln des Spiels (The Rules of Attraction)

Tragödie / (Komödie) | USA/D 2002 | 110 Min | R & D: Roger Avary | Vorlage: Bret Easton Ellis

1987 hat Bret Easton Ellis mit „The Rules of Attraction“ einen Roman über die damalige Jugendkultur geschrieben, über die Collegezeit, Drogen und Beziehungen. Und wer Ellis kennt, der weiß, dass er diese Zeit nicht mit rosaroten Sonnenblümchen gemalt hat. Der Film hält sich an die tief düstere und misantropische Sicht auf eine Dekade und Altersklasse, in der sich anscheinend jeder selbst der nächste war und wo die Oberflächlichkeit zur Maxime wurde. Da es in „The Rules of Attraction“ aber dennoch um diverse zwischenmenschliche Beziehungen zwischen mehreren Studenten geht und diese nicht für sich stehen können, bekommt man einen Film, dem man getrost das Attribut Anti-Liebesfilm verpassen kann. So dreckig geht es dort zu, so unsympatisch ist Protagonist Sean Bateman (James Van Der Beek), in dessen Kopf man per voice over immer wieder eintaucht, und so furchtbar wird mit Menschen umgegangen, dass man gar nicht hinschauen mag. Doch daraus wird nichts, denn schon allein die vielen innovativen Inszenierungsideen von Roger Avary lohnen den Blick. Und letztlich mag die Geschichte zwar in ihrer Grausamkeit konzentriert sein, aber in ihren Einzelheiten lange nicht so unrealistisch, als dass es so in der wahren Welt nicht zugehen könnte. Leider. Der Film hält sich inhaltlich sehr eng an das Buch, was zur Folge hat, dass man mit keinem guten Gefühl zurückgelassen wird.
Und gerade weil er so schonungslos wie schön ist, so traurig wie absurd-lustig, gehört dieser Abgesang auf die Menschlichkeit namens „The Rules of Attraction“ zum engeren Kreis meiner Lieblingsfilme.

Gesehen: DVD / englisch

Fazit: Höchst sehenswert!

Gold

Tragödie / (Komödie) | Irland 2014 | 88 Min | R & D: Niall Heery

Natürlich gibt es nicht nur in Liebesbeziehungen Stress, auch die bucklige Verwandtschaft macht einem desöfteren zu schaffen. Das muss vor allem Abbie (Maisie Williams) auf die harte Tour lernen, denn eines Tages steht ihr Vater nach langen Jahren vor der Tür und will wieder Teil ihres jungen Lebens werden. Dass Abbies Mutter inzwischen ausgerechnet mit dem Lauftrainer ihrer Tochter liiert ist und für Abbie ein wichtiger Wettkampf bevorsteht, macht die Sache nicht einfacher. Niall Heery hat aus dieser Prämisse ein Tragödie entwickelt, die mit einem leisen, höchst merkwürdigen Humor gewürzt ist und trotz eines kleinen Hängers in der Handlung insgesamt viel Spaß macht. Die Reibungen zwischen dem als Motivationscoach auftretenden Stiefpapa Frank und dem so dahinlebenden Erzeuger Ray sorgen für Tragik und Komik gleichermaßen, nach und nach erfährt man mehr über Rays Vergangenheit und seine Beziehung zu Mutter Alice und schließlich ist da auch noch Abbie, die nicht so recht weiß, was sie von Ray und seinen Versuchen halten soll, mit denen er die Normalität zurückholen möchte. Ray ist es damit auch, der eigentlich im Rampenlicht steht und dessen Probleme es zu lösen gilt.
Gold“ schlingert zwar manchmal etwas auf dem Weg, bildet aber insgesamt einen runden Film über das Inslebenzurückfinden, der letztlich auch zum Ziel kommt.

Gesehen: DVD / englisch
Fazit: Sehenswert!

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