Big Fish | Film

Ich finde verfilmte Lebensgeschichten faszinierend. Seien es Biografien oder ausgedachte Lebenswege, sei es eine tragische, lustige oder bedeutungsvolle Erzählung. Und ich mag Filme, die über ihre eigentliche Geschichte noch einen Mehrwert in Form von zusätzlichen Filmebenen bieten, über die man nachdenken kann und die dem Film etwas besonderes geben. Und ich mag Tim Burton. Ziemlich gute Voraussetzungen, um mal wieder „Big Fish“ in den DVD-Player zu schmeißen.

windschiefes Haus und ein Riese, der es gerade biegt. Längst nicht die einzige fantastische Situation in Edward Blooms Leben | Quelle: Big Fish DVD / Columbia Tristar
windschiefes Haus und ein Riese, der es gerade biegt. Längst nicht die einzige fantastische Situation in Edward Blooms Leben | Quelle: Big Fish DVD / Columbia Tristar

William weiß nicht so recht, wie er seinen Vater Edward einschätzen soll. Seit jeher hat er ihm bunte und fantasievolle Geschichten erzählt, die zu surreal klingen, als dass sie wirklich passiert sein könnten. Deswegen ist das Verhältnis etwas unterkühlt. Als Edward in gehobenem Alter krank wird, reist William nach Hause, um die tatsächliche Geschichte seines Vaters zu erfahren, ehe es zu spät ist…

Regie führte bei diesem Film Tim Burton, und wer dessen Werke kennt der weiß, was auf ihn zukommt. Die doch eher traurige Rahmenhandlung bietet den Einstieg in die Erzählung einer im wahrsten Sinne des Wortes fantastischen Lebensgeschichte, in der es von merkwürdigen Figuren, seltsamen Orten und unglaublichen Abenteuern nur so wimmelt. Von der Kindheit bis in die Gegenwart hangelt sich Edward durch sein Leben und hat dabei anscheinend keine langweilige Minute vor sich. Im Mittelpunkt steht schnell die Eroberung seiner Liebe, ohne dass sich dieser Teil der Handlung allzu sehr darauf fokussiert.
Gleichzeitig begleitet man William in der Gegenwartsebene beim Kennenlernen seines kranken Vaters. Die Ebenen wechseln sich zuerst ab, verbinden sich im Verlaufe des Films dann aber immer mehr. Dadurch erhalten die einzelnen Erzählungen erst ihren tieferen Sinnn und durch die Rahmenhandlung erhält der Film die Ernsthaftigkeit, mit der er sich von einem Kinder-Märchenfilm abhebt.

Die Geschichte an sich ist schon gut und rührt auch nach mehrmaligem Sehen noch sehr. Burton verwandelt das Ganze in seinem typischen Stil dann auch noch in ein visuelles Meisterwerk, dass den Namen Märchen für Erwachsene wirklich verdient. Das Schöne an Burtons Arbeiten ist, dass er mit der Grenze zum Kitsch spielt, sie aber nie übertritt oder es dann aber so konsequent und stilsicher tut, dass es wieder gelungen ist. Auch wenn die CGIs nicht immer perfekt sein mögen, so bewirken die ganzen Ideen und Details, dass sich die Fantasieelemente perfekt in den „realistischen“ Teil der Geschichte einpassen und damit verschmelzen. Alles wirkt wie aus einem Guss, von nichts gibt es zu wenig oder zu viel.

Eine fantastische Geschichte, erzählt in ebensolchen Bildern und mit einer Mischung aus Komik und Tragik, die kaum jemanden emotionslos vor dem TV sitzen lassen dürfte. „Big Fish“ ist ein absolut gelungener Film ohne Längen, der einen mit einem guten Gefühl zurücklässt und hoffen lässt, dass Tim Burton noch viele solcher schönen Geschichten umsetzen wird.
Von mir gibt es 9.5/10 Punkten.

3 Kommentare

  1. Ich bin was Burton angeht, besonders in den letzten Jahren, ja eher skeptisch. „Big Fish“ fand ich jedoch großartig. Ich würde sogar soweit gehen und sagen sein bester.

    1. Was genau lässt Dich denn skeptisch werden? Sowohl “Alice im Wunderland” als auch “Sweeney Todd” fande ich auch ziemlich gut. Er muss halt aufpassen, dass seine Art der Inszenierung nicht zur Fließbandarbeit wird. Die Bilder sind ja prädestiniert für Märchenfilme und werden sich wohl abnutzen, wenn nur noch Alices und Schokoladenfabrikcharlies über die Leinwand hüpfen.

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