Breaking Bad | Serie

Ich habe es geschafft! Obwohl ich in Versuchung geführt wurde. Und kurz vor dem Ende beinahe gescheitert wäre. Texte zur Show habe ich schon länger nicht mehr gelesen. Die Celluleute waren so nett und haben ihre Podcast-Spezialausgabe entsprechend genannt, sodass ich sie erst gar nicht angehört habe. Im Rich Eisen-Podcast geht es vornehmlich um Football, aber da Serienschöpfer Vince Gilligan in einer jüngeren Folge zu Gast war, habe ich auch darum einen größeren Bogen gemacht. Nur der Cinecast hat mich in seiner 23. Ausgabe (ab Minute 38) beinahe ins offene Messer laufen lassen, aber ich konnte die Ohrhörer noch rechtzeitig rausreißen, ehe ich dort etwas hören konnte, dass mir die Freude und Spannung zerschießen würde.
So habe ich es geschafft, sämtliche Spoiler der Geschichte um Walter White zu umschiffen und konnte das Finale quasi live auf DVD erleben. Was mir an „Breaking Bad“ so gefallen hat und was nicht und ob sie auch für mich „die beste Serie aller Zeiten“ ist, versuche ich nun zu erklären.

Hinweis: Ich habe keine großen Handlungsstränge oder gar das Ende gespoilert. Dennoch wird grob auf Entwicklungen in der Geschichte eingegangen, die bis zum Ende der dritten Staffel passieren. Wenn man sich absolut auf die Geschichte einlassen will, sollte man „Breaking Bad“ mindestens bis ebenda geschaut haben, ehe man jetzt weiterliest.

Der Start ist gemacht: Walter (li.) und  Jesse kochen Meth. | Quelle: Breaking Bad DVD
Der Start ist gemacht: Walter (li.) und Jesse kochen Meth. | Quelle: Breaking Bad DVD

Das Setting: Kochen für das Bankkonto
Brennpunkt Albuquerque: Hier lebt der Chemielehrer Walter White mit Frau Skyler und Sohn Walt Jr. und hat ein Problem: Bei ihm wird Krebs diagnostiziert, die Ärzte geben ihm nicht mehr allzu lange. Zeit also, um Vorsorge für die Familie zu treffen und ihre finanzielle Zukunft zu sichern. Zufällig trifft Walt auf seinen Ex-Schüler und Gelegenheitsdealer Jesse Pinkman mit dem zusammen er beschließt, in die Drogenproduktion einzusteigen, das Zeug an einen Big Player im Geschäft zu verhökern und so das Bankkonto zu polstern.
Oder um es mit Jesse Pinkman zu sagen:

So you do have a plan? Yeah, Mr. White! Yeah, science!

Bald darauf ist das gekochte Crystal Meth mit der auffälligen blauen Färbung auf den Straßen Albuquerques unterwegs, dank seiner Reinheit sehr begehrt und Walt hat seine ersten Dollar in der Tasche.
Das gerade in diesem Milieu Konkurrenz nicht gerne gesehen wird und der Mark hart umkämpft ist, ist nicht überraschend. Deshalb bekommt es das dynamische Start-Up alsbald mit finsteren Unterweltbossen und anderen Dealern zu tun. Neben dem Problem der Zutatenbeschaffung wird auch die DEA auf den neuen Stoff aufmerksam. Das ist unmso problematischer, weil gerade Walts Schwager Hank dort arbeitet.

Im Verlauf der Serie bauen sich die Probleme immer weiter auf und neue kommen hinzu, sodass Walt und Jesse immer neuen Herausforderungen ausgesetzt sind. Für jeden Helfershelfer, den sie finden, treten 10 neue Antagonisten auf den Plan, die wahlweise Jesse und Walt an den Kragen, an die Geldbörse oder die Familie wollen. Gerade letzteres ist ein Problem, da Skyler und Walt Jr. auf keinen Fall erfahren dürfen, was Walter da treibt.

Pistole am Kopf? Walter hat (wieder mal) einen Plan, um da raus zu kommen. | Quelle: Breaking Bad DVD
Pistole am Kopf? Walter hat (wieder mal) einen Plan, um da raus zu kommen. | Quelle: Breaking Bad DVD

Die Charaktere: Going loco down in New Mexico
Dieser Walt ist es letztendlich, um den sich alles dreht. Seine Charakterentwicklung trägt das gesamte Gerüst von „Breaking Bad“. Der von Bryan Cranston genial verkörperte Walter ist zunächst mit kühlem Kopf und genau berechneter Gewinnerzielungsabsicht dabei, muss aber im Verlauf schnell moralische Entscheidungen treffen, die so nicht eingeplant waren und die an ihm nicht spurlos vorübergehen. Zusammen mit dem Drahtseilakt, die Familie zu täuschen, Hanks DEA auf falsche Fährten zu locken, das „Geschäft“ am Laufen und sich aus der Schusslinie der zwielichtigen Gestalten zu halten, sind das mehr als genug Gründe, um langsam aber sicher die Grenzen von Notwendigkeit und Moral auszuloten und letztendlich zu überschreiten. Dabei driftet Walter immer weiter in die Branche ab, in die er sich anfangs mit viel Abscheu hineinbegeben hat. Drastische Entscheidungen und ebensolche Szenen sind die Folge, bei deren Sichtung man schockiert ist. Der Strudel aus Gewalt und Macht, in den Walter hineingezogen wird, ist spannend, schockierend und faszinierend zugleich. Für Entlastung sorgen die immer wieder eingestreuten schwarzhumorigen Augenblicke und Charaktere, welche die nötige Auflockerung bieten. Hier kann allen voran der schmierige und mit allen Wassern gewaschene Saul Goodman (Bob Odenkirk) punkten.
Aber auch an Jesse gehen die Erfahrungen und Probleme nicht spurlos vorbei. So wird er zu einem weiteren Faktor, um den Walter sich bisweilen kümmern muss.

Die Charakterentwicklungen von Walter und Jesse sind Mittelpunkt der Geschichte. Insoweit ist die Serie weniger Action und Spannung – obowohl insbesondere die Spannung teils extrem ist – sondern vielmehr Drama. Die Wandlungen, die alle Protagonisten durchmachen, ist unglaublich und extrem. Daraus ergeben sich immer neue Probleme für ihre Beziehungen untereinander.

Die Umsetzung: Der Weg ist das Ziel
„Breaking Bad“ schafft eine Erzählstruktur, die in der Serienwelt so bisher nicht vorkommt. In einem Podcast wurde die Erzählung mit einem Buch verglichen und das trifft es ziemlich gut. Noch nie hat es weniger Sinn gemacht, einzelne Episoden auszulassen oder mitten in der Serie einzusteigen. Das alles ist ein großes Ganzes und muss von vorne bis hinten geschaut werden. Auch wenn Vince Gilligan betont, dass die Macher mitunter nichtmal am Anfang einer Staffel wussten, wie das Staffelfinale aussehen würde, so wirkt es nicht so. Eine kleine Kritik bietet in dieser Hinsicht das Serienfinale bzw. die finale Staffel. Dort wird zwar ein würdiger Abschluss gesetzt, mir kam dieser in den letzten Episoden aber ein wenig künstlich und zu gewollt charaktergesteuert vor. Dem Fokus auf Walter ist es wohl auch geschuldet, dass die Beziehung zwischen ihm und Hank für mich eine Ecke zu schnell zuende geführt wurde. Das mag auch daran liegen, dass die vierte Staffel schon ein gewaltiges Finale bietet und dies auch mit kleinen Änderungen als das Serienende hätte durchgehen können. Die finale Staffel und das tatsächliche Ende sind zwar unheimlich spannend und gut, es hätte ihr aber nicht unbedingt bedurft. Im Hinblick auf die Homogenität von Staffel 1 bis zum Finale kann „Breaking Bad“ für mich deshalb nicht ganz an The Shield heranreichen.

Steckbrief, Fahndungsfoto oder Heisenberg-Fanart? Die Auflösung gibt es erst später. | Quelle: Breaking Bad DVD
Steckbrief, Fahndungsfoto oder Heisenberg-Fanart? Die Auflösung gibt es erst später. | Quelle: Breaking Bad DVD

Umso spannender, spaßiger und unglaublicher ist dafür die Umsetzung der einzelnen Episoden sowie der Handlungsstränge. Sehr oft beginnen die Episoden mit einer kleinen Szene, die scheinbar nicht hineinpasst oder auf die man sich keinen Reim machen kann. Erst im Verlauf der Episode oder Staffel kommt es dann zur Auflösung. Diese Szenen sind nicht immer handlungsentscheidend, tragen aber die Auflösung eines Teils der Handlung oft genug in sich, sodass dann Spielninuten oder -stunden später der Klick-Effekt beim Zuschauer kommt.

Auch inszenatorisch greift „Breaking Bad“ in die Vollen. Es gibt viele stille Momente, in denen Charaktere nur durch Gesten und Augenblicke sprechen, es gibt Momente, in denen halbe Häuser in die Luft fliegen, in denen Schießereien stattfinden oder Autos durch Wüste oder Stadt rasen. Kaum eine Folge vergeht, in der nicht eine Montage aus abgedrehter Musik, Zeitrafferaufnahmen und Dollyfahrten auftaucht. Die Perspektiven wechseln mit jeder Szene, die Kamera zeigt Szenen aus der Sicht von Fliegen, Schaufeln, Autos, die Snorricam begleitet Jesse und Walter beim Kochen oder folgt den Chemikalien durch die Glasrohre. Soviel Abwechslung hat man selten. Da macht das Zuschauen gleich nochmal so viel Spaß.

Die karge Wüste rund um Albuquerque ist nicht nur für die Handlung bedeutsam, sondern bietet zugleich ein recht unverbrauchtes Setting mit tollen Bildern. Einsame Hütten mitten in der dürren Ebene, die mexikanische Grenze nicht weit, Staub überall. Das sorgt für eine tolle Atmosphäre, in die sich auch die Bilder von Albuquerque selbst klasse einfügen. Dort sieht man wahlweise die sauberen Suburbs mit ihren Reihenhäusern oder die dreckigen und von den Drogen überspülten Viertel, durch die die düsteren Stimmungen hervorgerufen werden.

Fazit
Ist „Breaking Bad“ nun also die Nonplusultra-Serie, als die sie mancherorts betitelt wird? Für mich nicht. Als Drama und Charatergeschichte funktioniert sie wie keine andere mir bekannte Serie, die Geschichte um das Meth-Labor ist spannend und man will wissen, wie es weiter- und zuende geht. Die Handlung gerät jedoch episodenweise mitunter zugunsten der Entwicklung von Walter White zu sehr in den Hintergrund und die letzte Staffel sowie das Finale sind zwar konsequent, jedoch für meinen Geschmack etwas zu gekünstelt.
Dennoch hat mir das Sichten sehr viel Spaß gemacht und ich werde mir die Serie beizeiten nochmals angucken, um all die kleinen Details zu entdecken, die ich beim ersten Mal übersehen habe.
Von mir gibt es 9/10 Punkten.

Eckdaten
Kategorie: Drama, Thriller
Produktion: 2008-2013
Produziert für: AMC
62 Episoden in 5 Staffeln (6 Veröffentlichungsstaffeln in DE)
Laufzeit pro Folge: ca. 44 Minuten

1 Kommentar

  1. Schön noch eine Besprechung zu lesen, in der die Qualitäte der Serie erkannt werden, welche die Serie aber nicht über alle anderen Shows in den Serienolymp hebt. Das sehe ich nämlich ähnlich: eine fantastische Show, doch nicht perfekt (besonders die ersten Staffeln). Die letzte Staffel fand ich jedoch insgesamt am gelungensten.

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