Bubba Ho-Tep | Film

Gestern war Halloween. Und der Tag, an dem ich am eigenen Leib erfahren musste, wie schnell man sich selbst doch untreu werden kann. Da habe ich beim Media-Monday-Halloween-Special diese Woche noch vollmundig behauptet, dass mich Halloween nicht die Bohne interessieren würde. Doch nachdem ich mir die verschiedenen Antworten der anderen Teilnehmer durchgelesen hatte, ist der Funken zumindest doch ein bisschen übergesprungen und ich habe mir vorgenommen, zumindest in filmischer Hinsicht ebenfalls ein wenig Halloween zu feiern. Da aber keiner der empfohlenen Filme in meiner Sammlung weilt, musste eine gruselige Alternative her. Schon seit einiger Zeit wartet dort „Bubba Ho-Tep“ auf Sichtung. So flimmerte also zuerst eine sehenswerte Arte-Doku über Dracula über den Bildschirm, ehe ich es in den folgenden 90 Minuten mit einer Mumie, Elvis und jeder Menge Spaß zu tun bekam.

v.r.n.l.: Elvis und Kennedy. Ja, DER Kennedy. | Quelle: DVD Bubba Ho-Tep
v.r.n.l.: Elvis und Kennedy. Ja, DER Kennedy. | Quelle: DVD Bubba Ho-Tep

Die Geschichte beginnt in einem Altersheim in Ost-Texas. Dort lebt Elvis Presley und ist mit seinem Leben nicht zufrieden. Die Jugend, der Ruhm und die Groupies sind weg, dafür sind ein Beckenbruch und Ausschlag an delikater Stelle hinzugekommen. Die gepflegte Langeweile wird jäh gestört, als im Haus ein Geist anfängt zu spuken und der erste Heimbewohner dahinscheidet. Zusammen mit seinem Kumpel Kennedy macht sich Elvis auf, um das Phänomen zu ergründen.

So weit, so abgedreht. Was ich beim Lesen des DVD-Rückens eigentlich erwartet hatte war nicht viel, aber um diese abstruse Geschichte herum wurde ein Film gebastelt, der absolut unterhalten kann. Regiesseur Don Coscarelli spielt mit dem Stigmata von Altersheimen und alten Menschen sowie mit den Mythen und Geschichten, die sich um Elivs Presleys (Ab-)Leben ranken. Die sind so ineinander verflochten, dass alle Geschehnisse innerhalb des Filmuniversums plausibel zu erklären sind. Wurde eine alte Dame tatsächlich von dem Geist heimgesucht und abgemurkst oder war das ein natürlicher Herztod, wie er in Altersheimen nunmal nicht allzu selten vorkommt und der Geist ist eine Erfindung der gelangweilten Heimbewohner oder gar auf einsetzende Demenz zurückzuführen?
Zu dieser Frage trägt die Erzählform maßgeblich bei. Man hört die Gedanken Elivs‘ immer wieder als Off-Kommentar und sieht in Rückblenden Szenen aus seinem Leben. So wird man als Zuschauer in die Gefühlswelt und die sehr späte midlife crisis hineingezogen, man erfährt das Heimleben aus Sicht eines „Insassen“ hautnah. Diese Ebene kommt dann auch noch zu dem Filmcocktail hinzu, der zusammengenommen längst nicht so flach ist, wie man anfangs glauben mag. Man merkt, dass sich die Filmemacher Gedanken gemacht haben (dies auch an den ganzen Details, wenn man sich beispielsweise die Hörerfarbe von Kennedys Telefon anschaut) und bekommt als Ergebnis eine dichte Altersheim-Atmosphäre in all ihren Facetten und der nötigen Kritik an diesen Institutionen.

Wem das nichts ist, der bekommt mit „Bubba Ho-Tep“ auch sonst allerhand geboten. Es ist teilweise brüllend komisch, wenn sich Elvis und Kennedy über ihre Leben oder ihre jetztige Aufgabe unterhalten. Bruce Campbell und Ossie Davis sind quasi die einzigen Darsteller und tragen den Film dementsprechend. Insbesondere Campbell kann dabei überzeugen und mimt den King großartig. Der derbe Humor wird um eine Portion Slapstick erweitert und wirkt nur selten bemüht.

Das Gruseln bleibt allerdings etwas auf der Strecke, was auch an dem sehr geringen Budget liegt. So sind die Effekte dann doch als solche erkennbar und der „Geist“ sorgt auch nicht unbedingt für Gänsehaut. Das alles erinnert eher an die Horrorfilme der 70er, trägt aber damit auch wieder zum Charme des Films bei. Ein Splatter- oder gar computergenerierter Spezialeffekt-Sturm hätte hier nicht geholfen. Coscarelli hat aus den knapp $1.000.000 das Mögliche rausgeholt, ohne dass es in einem Trashsumpf endet.

Mit „Bubba Ho-Tep“ bekommt man ein schrulliges, liebenswertes kleines Kunststück aus der Ecke Trash-Horror-Komödien-Drama, das stilsicher mit Klischees spielt und dabei überraschend gut ist.
Von mir gibt es 8/10 Punkten.

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