Can a Song Save Your Life? (Begin Again) | Film

The world’s first Jag mobile recording studio is done!
– Steve

Ach, ihr deutschen Marketingmenschen. Ich weiß echt nicht, was man euch manchmal in den Smoothie schüttet, aber besser werden eure Ideen dadurch nicht. Nicht nur, dass der deutsche Trailer im Vergleich zu seinem amerikanischen Pendant schon deutlich auf die Romcomdrüse drückt, nein, auch den vortrefflich passenden Titel „Begin Again“ musstet ihr „eindeutschen“ und daraus „Can a Song Save Your Life?“ machen. Dramatischer, deutlicher, gefühlslastiger, triefiger. Schematischer. Ich versteh‘ schon. Was ich nicht verstehe: Woher kommt der Schiss davor, mal nicht auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln? Warum nicht mal einen Film so promoten, dass er nach was Neuem aussieht? Denn „Begin Again“ ist zwar keine Innovationsoffenbarung, macht aber im Vergleich zum Romcomeinerlei doch eine ganze Menge richtiger.

Jammen in der New Yorker U-Bahn macht offensichtlich gute Laune und in jedem Fall gute Musik. Quelle: "Begin Again"-Trailer
Jammen in der New Yorker U-Bahn macht offensichtlich gute Laune und in jedem Fall gute Musik.
Quelle: „Begin Again“-Trailer

Das fängt schon bei der Story an, die zwar diverse Beziehungsdramen bereithält, diese aber von der Hauptbeziehung zwischen der von einem angehenden Star sitzengelassenen Gretta (Keira Knightley) und dem Ex-Musikproduzenten Dan (Mark Ruffalo) untereinander vernünftigerweise fernhält. So sitzen beide zwar irgendwie im selben Boot, haben jedoch mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Gleichzeitig haben Keira Knightley und Mark Ruffalo aber genug Platz, um ihre tolle Chemie untereinander auszuspielen, ohne sie mit Liebesschmalz zu verstopfen. Überhaupt sind die auftretenden Konflikte nicht so schwarz-weiß gezeichnet, wie es in Hollywood nur allzu oft der Fall ist. Mit der Ex-Frau wird mehr oder weniger zivilisiert geredet und gescherzt, der Ex-Freund wird irgendwann auch noch zur Rede gestellt. Kein großer Hass, kein großes Drama, sondern viele leisere Momente, die dadurch umso besser wirken können. Das ist alles näher an der Realität, sorgt vor allem bei Ruffalo für eine komödiantische Seite und verdient damit schon Pluspunkte.

Ohne das große Drama bleibt auch genug Raum für die Musik, zweifelsohne der dritte Hauptdarsteller im Film. Es gibt komplett gesungene Lieder aus dem berüchtigten Singer/Songwriter-Genre, bei denen ich vor allem von Keira Knightleys Sangeskünsten einigermaßen positiv beeindruckt war und die in Verbindung mit den Bildern von New York eine tolle Stimmung schaffen. Es gibt die Gespräche darüber, wie wichtig Musik in Lebenslagen sein kann. Und es gibt den leider nur mittelmäßig gelungenen Seitenhieb auf und Kritik an der Musikindustrie, die die wahre Musik durch die Ware Musik ersetzt hat. Diese Kritik erscheint zudem etwas bigott, wenn man sich das Ende vom Film und danach den Preis der Soundtrack-CD einmal ansieht.

Perfekt ist der „Begin Again“ dann aber doch nicht. Manchmal scheint das Drehbuch selbst nicht genau zu wissen, wohin es nun will und auch wenn die Schablonen einer generischen Dramödie oft aufgeweicht oder geschickt umschifft werden, ganz ohne kommt auch „Begin Again“ nicht aus.

Dennoch bin ich froh, dass ich mich weder vom deutschen Trailer noch vom „deutschen“ Titel oder der auf von mir nicht besonders favorisierten Singer/Songwriter-Musik habe abschrecken lassen, denn sowohl die Geschichte als auch die Stimmung und die Inszenierung stimmen bei „Begin Again“ zum Großteil und so schafft es der Film ohne viel Dramatik doch, überdurchschnittlich gut und eine schöne Hommage sowohl an die Musik als auch an New York zu sein. Ich jedenfalls wollte danach sofort meine erste New York-Reise in Angriff nehmen. Allerdings sollte ich vorher noch schnell Gitarre spielen lernen.

  • Mark Ruffalo
  • die nicht aufgeplusterten Beziehungsprobleme
  • Keira Knightleys Sangeskünste
  • die komischen Momente
  • den „Jerry Maquire“-Witz
  • das Nichtabrutschen in einen Liebesplot
  • das nicht ganz konsistente Drehbuch

Wiederschaupotential: einigermaßen hoch

Lieblingscharakter: Steve (James Corden)
Lieblingsszene: Troublegum „komponiert“ einen Song

Eckdaten

Gesehen: BD / englisch
Genre: Drama / (Komödie)
Herkunftsland: USA
Eckdaten: 2015 / 124 Min / FSK 0
Regie: John Carney
Drehbuch: John Carney

Andere Meinungen

Der Kinogänger (8/10) / Filmherum (4/5)

2 Kommentare

  1. Ich war bei der Sneak Preview leider ein wenig enttäuscht. Der Film ist nett, die Schauspieler gut aufgelegt, aber für mich ist die größte Schwäche des Films die Musik. Ich mag auch gerne Singer-Songwriter-Kram, aber jeder Song plätscherte so vor sich hin. Weswegen dem Ganzen irgendwie an Substanz fehlte.

    1. Mir hat die Musik recht gut gefallen, trotz des Genres. Aber recht hast Du, da war der Film nicht mutig genug, um komplett unchartige Musik einzusetzen. Ein bisschen Mainstream musste wohl trotzdem sein. Allerdings fand ich den Vergleich zwischen ihrer und der Version ihres Freundes von dem einen Musikstück wiederum sehr gelungen.

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