Children of Men | Film

„Gravity“? Hat gefallen. Alfonso Cuarón? Hat „Gravity“ gemacht, also auch gut. „Children of Men“? Ist auch von Cuarón, der gut ist, demnach wohl auch gut. Also ab dafür.

Willkommen in der Zukunft. Theo (Clive Owen) versteckt sich lieber davor. | Quelle: Children of Men Blu Ray
Willkommen in der Zukunft. Theo (Clive Owen) versteckt sich lieber davor. | Quelle: Children of Men Blu Ray

Erzählt wird die Geschichte von Theo, der in einer nahen Zukunft in London lebt. Diese Zukunft ist ziemlich den Bach runter gegangen und das hat einen Grund: Frauen auf der ganzen Welt können seit ca. 18 Jahren keinen Nachwuchs mehr bekommen. Das hat dazu geführt, dass ganze Gesellschaften gekippt sind und insbesondere in Großbritannien Freiheitskämpfer gegen den Staat kämpfen, der seinerseits alles daran setzt, die Massen an Flüchtlingen wieder aus dem Land zu schaffen. Von einer solchen Organisation wird Theo eines Tages kontaktiert und merkt alsbald, dass doch nicht alle Frauen unfruchtbar geworden sind…

Der Film beginnt sehr vielversprechend. In farblich entsättigten Bildern wird das dystopische London präsentiert, was dank dem sparsamen Einsatz von Zukunftstechnik enorm realistisch daherkommt. Man muss auf die kleinen Dinge achten – die Müllberge in den Straßen, die vielen dreirädrigen Mopeds, die großflächigen Projektionen auf den roten Bussen -, damit man merkt, dass man sich in einer nicht allzu entfernten Zukunft befindet. Alfonso Cuarón hat hier alle Register gezogen um einerseits die Prämisse zu legen, andererseits damit nicht zu sehr von der eigentlichen Geschichte abzulenken. Denn nicht das Warum und Wie der gesellschaftlichen Entgleisung, ja nicht einmal der Grund für das Desaster, welches die Menschheit heimgesucht hat, steht im Mittelpunkt bzw. wird überhaupt angesprochen.

Es sind die Geschehnisse, die Theo aus seinem Leben als Staatsdiener herausreißen, ihn in eine Untergrundorganisation treiben und ihn letztendlich den Beschützer des Wertvollsten werden lassen, was der Menschheit verbleibt. In dieser Geschichte gibt es weniger Charakterentwicklung und vielmehr Futter für die Metaebene. Die Story ist nicht allzu kreativ und dient eher dazu, die etwas zu indifferente Gesellschaftskritik und die wirklich geniale Inszenierung zu tragen. Ich habe nicht wirklich mit den Figuren mitgelitten oder war am Ausgang interessiert, dafür war das alles zu Vorhersehbar und teils zu platt. Ich habe mich insoweit desöfteren an „The Book of Eli“ erinnert gefühlt, der sich in Sachen Story, Aussage und Ausgang so einiges von „Childrem of Men“ abgeschaut hat. Bei beiden fand ich das Ende etwas schlaff.

Es sind die Bilder und die Ideen im Bezug auf die Welt, die bei diesem Film fesseln. Da ist allenthalben Polizeigewalt zu sehen, ausländische Flüchtlinge werden zusammengetrieben und in Lager gesteckt und es rumort an allen Ecken und Enden, insbesondere eben in diesen Lagern. Einiges davon wird zwar mit dem Holzhammer präsentiert und wirkt etwas zu insziniert, man kann sich aber durchaus vorstellen, dass es irgendwann mal soweit kommen kann, wenn man sich aktuelle politische Entwicklungen anschaut.

Ein besonderes Schmankerl ist bei diesem Film aber die Kameraführung. Ich bin kein Fan davon, einen Film allein wegen der eingesetzten filmischen Mittel hochzuloben, aber die minutenlangen Szenen, bei denen sich Kameramann Emmanuel Lubezki einen Wolf abgelaufen sein muss (bzw. es zumindest so aussieht), sind ganz großes Kino. Da schaut man Theo über den Rücken, wie er durch Kampftumult in ein Haus rennt, dort die Treppen erklimmt, die oberen Stockwerke durchquert und die ganze Tour wieder zurückgeht, ohne dass ein einziger (sichtbarer) Schnitt vorkommt. Dieses Markenzeichen hat das Duo Cuarón und Lubezki ja erst in diesem Jahr in „Gravity“ oft und genauso gut eingesetzt und ich könnte solche Szenen in der Endlosschleife schauen und mich immer wieder darüber freuen.

„Childrem of Men“ hat mich trotz der kleinen Schwächen und dem nicht gerade befriedigenden Ende gut unterhalten, zeigt eine ausgesprochen überzeugende Dystopie in tollen Bildern und hebt sich durch die richtige Portion Action und deren Umsetzung wohltuend von großen Blockbustern ab.
Von mir gibt es deshalb 8/10 Punkten.

3 Kommentare

  1. Ich fand das Ende beim zweiten Mal doch recht gelungen, kann aber die Enttäuschung verstehen. Insgesamt sehe ich den Film ein wenig stärker, schon alleine aufgrund der grandiosen Inszenierung.

    1. Dann warte ich mal auf die zweite Sichtung, vielleicht kommt dann der Aha-Effekt bezüglich des Endes :).

      Die Inszenierung war wie bei „Gravity“ schon ganz groß, aber ich hoffe nicht, dass sich Cuarón nur darauf ausruht. Ein wenig mehr Geschichte in seinen Filmen würde ich mir für die nächste Arbeit wünschen.

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