Cloud Atlas | Film

Zuerst den Film und dann das Buch, oder lieber die Zeilen vor den bewegten Bildern konsumieren? Über diese Frage kann man immer wieder streiten. Im Falle von „Cloud Atlas“ kam bei mir zuerst das Buch. Nachdem dann die Kritiken für die Filmumsetzung eher mittelprächtig waren, habe ich mir den Kinobesuch gespart und erst später die Bluray besorgt. Ob das ein Fehler war, kann man im Folgenden lesen.

Wen sehen die beiden wohl gerade? Und welche Schauspieler sieht der Zuschauer? | Quelle: Cloud Atlas / Warner Bros.
Wen sehen die beiden wohl gerade? Und welche Schauspieler sieht der Zuschauer? | Quelle: Cloud Atlas / Warner Bros.

Der Film hat in vielerlei Hinsicht Besonderheiten. Von seiner Vorlage geerbt hat er natürlich den Inhalt: Es werden insgesamt sechs Geschichten erzählt, die zu anderer Zeit spielen und jeweils ein eigenes Genre bedienen. Erzählt wird unter anderem aus dem Leben eines schiffsreisenden Anwalts Mitte des 19. Jahrhunderts, von einer einem Atomskandal auf die Spur kommenden Reporterin in den 1970ern oder von einer düsteren Zukunft in ca. 100 Jahren, in der Klone als Arbeitssklaven genutzt werden. Dabei ist die eine Geschichte eine Komödie, die andere Sci-Fi und wieder eine andere ein Drama.

Die Geschichten werden entgegen der Buchvorlage scheinbar wild durcheinander erzählt. Wo das Buch zwar eine verschachtelte, aber chronologische Erzählstruktur besitzt, springt der Film alle 10 Minuten zwischen Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Dabei werden die Verknüpfungen der einzelnen Geschichten aber als Szenenwechsel genutzt, sodass man als Zuschauer einfacher das erkennen kann, was im Buch auf der Metaebene teilweise ordentlich versteckt ist. Somit kommt in die anfangs verwirrende Erzählweise schnell Klarheit, wenn man dem Film einigermaßen aufmerksam folgt. Trotzdem glaube ich, dass ich mich beim Zusammensetzen der Stories schwerer getan hätte, hätte ich nicht schon das Buch gelesen. Die Geschichten sind im Vergleich dazu teils deutlich gestrafft, was das Folgen wieder etwas schwieriger macht.

Das übergeordnete Thema ist die Verbindung der einzelnen Leben. Um das auch visuell zu unterstützen, haben die Filmmacher auf die Künste der Maskenbildner vertraut. Jeder Schauspieler hat eine Vielzahl an ROllen quer durch die Geschichten zu spielen. Dabei wird auch vor Geschlechter- und sogar Rassentausch nicht Halt gemacht. Einerseits erkennt man die MAsken in einigen Fällen zwar als solche recht deutlich, andererseits macht es aber einen Heidenspaß, den Schauspieler zu erraten und ich glaube kaum, dass es Zuschauer gibt, die beim Abspann nicht mindestens einmal überrascht sind.

Optisch ist der Film so abwechslungsreich wie seine einzelnen Geschichten. Das Regisseur-Trio hat sich die Aufgaben geteilt und während Tom Tykwer die Geschichten der Vergangenheit und Gegenwart in auch imposanten, aber eher konventionellen Bildern umgesetzt hat, haben sich die Wachowski-Geschwister vor allem in der Zukunft ausgetobt. Gerade letztere Stränge sind dadurch ein Feuerwerk an Action und Spezialeffekten, die im Mix mit den anderen Erzählungen eine gesunde Abwechslung zwischen ruhigen Passagen und Actionkino gewährleisten. Da ist man schon etwas traurig, dass man zuhause keine Kinoleinwand stehen hat.

Damit kann man Tykwer und den Wachowskis bescheinigen, dass sie den als unverfilmbar betitelten „Cloud Atlas“ in ihrer eigenen Interpretation recht ordentlich, wenn auch nicht perfekt umgesetz haben. Man bekommt fast drei Stunden einen wilden Stilmix und Unterhaltung, die etwas Mitdenken erfordert und insgesamt überzeugen kann.
Von mir gibt es deshalb 8/10 Punkten.

2 Kommentare

  1. Schön, dass der Film auch hier gewürdigt wird. Auch als Nichtkenner der Vorlage fand ich ihn großartig. Meine Frau hatte auch das Buch gelesen und mochte ihn auch sehr. Bestimmt kein Film für die Masse, doch vermutlich gerade deshalb so interessant.

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