Damals und heute: The Italian Job (1969/2003) | Film

Remakes, Reboots, Prequels, Sequels. Scheinbar fällt Hollywood heutzutage nichts neues mehr ein. Das Remake ist dabei die unkreativste Variante, um Altbekanntes neu zu verwurschten, denn oft wird dieselbe Geschichte nur neu aufgegossen und das Drehbuch maximal partiell abgewandelt. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Film dadurch automatisch schlecht sein muss. Ob ein Remake das Filmerlebnis vielleicht sogar besser macht, habe ich mir mal am Beispiel „The Ialian Job“ angesehen, von dem es einmal das 1969 veröffentlichte Original aus England gibt sowie die Hollywood-Neuauflage von 2003.

Drei Mini-Cooper im Kanal. Die Protagonisten haben genauso viel Spaß, wie es hier ausieht. | Quelle: The Italian Job DVD
Drei Mini-Cooper im Kanal. Die Protagonisten haben genauso viel Spaß, wie es hier ausieht. | Quelle: The Italian Job DVD

GESCHICHTE

Das Original, „The Italian Job – Charlie staubt Millionen ab„, spielt in den späten 60ern in England und Italien. Auf der Insel ist Charlie Croker gerade aus dem Kittchen entlassen worden und bekommt sogleich Wind von einem großen Ding. In Italien hatte ein berüchtigter Dieb einen „Unfall“ mit der Mafia, konnte Charlie kurz zuvor aber noch eine Nachricht zukommen lassen: In Turin soll ein Geldtransporter unterwegs sein, der ganze 4 Millionen Pfund in Goldbarren umherfährt. Mithilfe eines Hintermanns, eines gewitzten Plans und einer großen Crew will sich Charlie das Gold einverleiben.
Dagegen läuft die Geschichte in der Neuauflage mit dem Titel „The Italian Job – Jagd auf Millionen“ etwas anders ab. Man erfährt die Geschichte von Charlie, der mit Freunden zusammen ein Ding in Venedig gedreht hat und kurz darauf die gesamte Beute, ebenfalls Goldbarren, verliert. Ein Jahr später erfährt er, dass sich das Gold in Amerika befindet und beschließt mit seinen Freunden und Mitgaunern zusammen, es dem Besitzer wieder abzuluchsen.

DREHBUCH

Die Prämisse ist also ziemlich ähnlich, doch was daraus jeweils gemacht wird, unterscheidet sich stark. Dabei kann ich nicht sagen, ob es nun an den unterschiedlichen Produktionsländern liegt, an den unterschiedlichen Verantwortlichen oder daran, dass die Neuauflage beinahe 40 Jahre später gedreht wurde. Jedoch kann sie schon beim Drehbuch dem Original nicht ansatzweise das Wasser reichen. Der Fokus beim älteren Film liegt eindeutig auf dem Protagonisten Charlie Croker. Er ist in fast jeder Szene zu sehen und verfolgt stringent das Ziel, ans Geld zu kommen. Da gibt es bis auf die Nebencharaktere keine großen Ablenkungen, keine raffinierten Storywendungen oder dergleichen. Die Geschichte wird auch für heutige Verhältnisse ziemlich rasant erzählt. Demgegenüber treten neben Charlie Croker im US-Remake sowohl weitere Figuren als auch Handlungsstränge, -motivationen und Entwicklungen, die das Drehbuch aufblähen, ohne dem Film dadurch neue interessante Aspekte zu geben. Gerade Dinge wie eine Liebesgeschichte (die es im Original auch gibt, aber lange nicht so dominant ist) oder große Rachemotivationen müssen scheinbar in Filmen der 2000er vorkommen. Dadurch, dass sie dominanter sind als im Original, sind sie dort paraxoderweise viel effektiver eingearbeitet.

Nichtmal das schöne Venedig kann den neuen Charlie so richtig glücklich machen. | Quelle: The Italian Job DVD
Nichtmal das schöne Venedig kann den neuen Charlie so richtig glücklich machen. | Quelle: The Italian Job DVD

CHARAKTERE

Dass weniger manchmal mehr ist, kann man auch an den Charakteren sehen. Hüben wie drüben sind die Filme mit Stars ihrer Zeit gespickt. Charlie Croker wird einmal von Michael Caine gespielt, der für sich genommen schon einen unwahrscheinlichen Charme ausspielt. Dagegen kann der neue Charlie, gespielt von Mark Wahlberg, nur abstinken. Er bleibt ebenso blass wie seine Kollegen. Die Nebencharaktere werden gespielt von Charlize Theron, Jason Statham oder Edward Norton, die zusammen ein Star-Paket bilden, dass im Vorgänger von Benny Hill oder Noël Coward quantitativ nicht gekontert werden kann; qualitativ allerdings ohne Probleme.
Caine trägt seinen Film zwar nicht alleine, ist aber unbestritten die Figur, um die sich in „Charlie staubt Millionen ab“ alles dreht. Ihm wird anfangs zudem die nötige Zeit zur Einführung eingeräumt. Die Nebencharaktere bleiben bis auf den von Coward gespielten Hintermann großteils liebenswerte Randerscheinungen. Dagegen stehen im Remake die Nebencharaktere stärker im Fokus, bleiben aber zugleich uninspirierte Pappkameraden/-innen, von denen Jason Statham als „schöner Rob“ noch am unterhaltsamsten war.

UMSETZUNG

Und auch wenn man Charaktere, Drehbuch und Story zusammenmixt, hat das Original meilenweit die Nase vorn. Beide Filme haben einen unterschiedlich ausgeprägten komödiantischen Einschlag, der in der aktuelleren Version hauptsächlich aus den Dialogen kommt. Die Charaktere sind auch für ein bis zwei Lacher gut, insgesamt sind sie aber viel zu normal und beliebig, als dass sie irgendwelche Akzente setzen könnten. Dagegen ließen die Macher 1969 ihrer Fantasie freien Lauf, sowohl was Inszenierung als auch Charaktere betrifft. Man merkt dem Film an, dass er sich nicht allzu ernst nimmt. Sowohl die Charaktere als auch die Action sind teils deutlich überzeichnet und der Humor hat so große Ähnlichkeit mit dem der „Blues Brothers„: im Kern zwar ernst, jedoch sorgt die Überzeichnung bei Charakteren und Wendungen dafür, dass das alles eine heitere Stimmung auslöst.
Das zeigt sich vor allem bei den Verfolgungsjagden in den Mini-Coopern, die das Highlight beider Filme darstellt. Da die Neuauflage jedoch vergessen hat, dass sie Komödie sein will und der Grundton somit deutlich ernster ist, wirkt es einfach nur deplatziert, wenn die Gaunerbande in ihren Minis von Bahnsteigen auf Zuggleise brettert und die Autos auch nach der Hatz durch einen Abwasserkanal noch blitzblank sind. Im Original ist dieser Abschnitt mit 15 Minuten nicht nur dreimal so lang, sondern mit Rasereien auf Häusern, quer durch Einkaufspassagen und durch ein Flussbett auch eine gehörige Portion unrealistischer. Da dieser Ton jedoch von Anfang an gesetzt wurde, passt es absolut und ist sehr unterhaltsam. Dass die Flucht in den Original-Mini-Cooper erfolgt, die per se schon viel cooler sind als die moderne Variante, ist der Zeit geschuldet, bedeutet aber einen weiteren Pluspunkt für das Original.

In 1969 bekommt es Charlie (Mitte) mit der Mafia zu tun. Die sind natürlich leicht erkennbar an Schlapphut und Tommy Gun. | Quelle: The Italian Job DVD
In 1969 bekommt es Charlie (Mitte) mit der Mafia zu tun. Die sind natürlich leicht erkennbar an Schlapphut und Tommy Gun. | Quelle: The Italian Job DVD

ATMOSPHÄRE

So bekommt man letztendlich auch von der Stimmung her zwei unterschiedliche Filme. Während das Original keinen Hehl daraus macht, ins Komödien-Genre zu gehören, wurde beim Kontrahenten versucht, einerseits eine Pseudocoolness zu installieren und andererseits sowas wie Ernsthaftigkeit eingearbeitet. Dass dabei auch noch der Witz irgendwie reingequetscht wurde, war ein Bärendienst, denn so weiß der Film selbst nicht, wohin er will. „Charlie staubt Millionen ab“ hat deshalb nicht nur einen Retro-Bonus, sondern auch eine durchweg lockere Stimmung zu bieten, in der selbst Todesszenen mit einem humoristischen Touch versehen sind.

FAZIT

War dieses Remake also notwendig? Nein. Hat es wenigstens unterhalten können? Naja. Der Titel, der Name des Protagonisten sowie die Automarke sind so ziemlich die einzigen Schnittpunkte dieser beiden Filme. Während die Macher des Remakes offensichtlich nicht verstanden haben, was das Original so spaßig macht oder glaubten, dessen Charme mit modernem Drehbuch, mehr Action und einem großen Staraufgebot transportieren zu können und dadurch einen höchst durchschnittlichen Heist-Film abgeliefert haben, kann der Film von 1969 auch heute noch vollends überzeugen. Das liegt am komödiantischen Grundton und den abgedrehten Einfällen der Macher. Wo Film und Charaktere von 2003 krampfhaft versuchen, cool zu sein, sind es Michael Caine und seine Mitstreiter einfach. Der Charme kommt so ganz von allein.
Ich bin kein Freund davon, das moderne Hollywood als ideenlos zu verteufeln. Schaut man sich jedoch die beiden Filme direkt hintereinander an, so kann man durchaus darauf kommen, dass es so ist.

Von mir gibt’s für „Charlie staubt Millionen ab8,5/10 Punkte.
Von mir gibt’s für „Jagd auf Millionen(gerade noch) 5/10 Punkte.

The Italian Job – Charlie staubt Millionen ab (1969)
gesehen: DVD / englisch
Herkunftsland: UK
Genre: Komödie / Heist
Eckdaten: 1969 / 95 Min / FSK 12
Regie: Peter Collins

The Italian Job – Jagd auf Millionen (2003)
gesehen: DVD / deutsch
Herkunftsland: USA
Genre: Heist / Komödie / (Drama)
Eckdaten: 2003 / 117 Min / FSK 12
Regie: Felix Gary Gray

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