Der Fantastische Mr. Fox (Fantastic Mr. Fox) | Film

That was pure wild animal craziness.
– Mr. Fox

Weiter geht’s mit meiner Reise durch die wunderbare Wes Anderson-Welt. Was mich daran so fasziniert ist, dass die einzelnen Stops optisch zum Verwechseln ähnlich sind und man Wes Anderson auch in den verarbeiteten Themen immer wiedererkennt. Andererseits mixt er alle seine Zutaten immer wieder zu neuen, unterhaltsamen und berührenden Rezepten zusammen. Was das äußere Erscheinungsbild angeht, grenzt sich der Stop-Motion-Film „Der Fantastische Mr. Fox“ zunächst grundlegend von den anderen Werken Andersons ab. Hat man sich an diesen Stil jedoch gewöhnt, erkennt man sehr schnell das Liebgewordene wieder, was auch diesen Film zu einem großartigen Erlebnis macht.

Zunächst mögen Anderson-Jünger aber verwirrt sein. Die Geschichte um Mr. Fox und seinen Sohn Ash ist adaptiert und bietet gerade deswegen nicht die erwartete Andersonwelt, in der es normalerweise die Kinder und Jugendlichen sind, die erwachsener agieren als ihre älteren Mitcharaktere. Ganz klassisch ist es hier Mr. Fox, der seinen Bau vor dem auf Rache sinnenden Bauern verteidigen muss, weil die nächtliche Jagd auf die bäuerlichen Erzeugnisse nicht unentdeckt bleibt. Ganz klassisch hat Mr. Fox mit Frau und Beruf zu tun und befindet sich gleichzeitig in einer Art tierischer midlife crisis. Und ganz klassisch ist es Ash, der sich durch seine jugendlichen Probleme in Gefahr bringt.
Hat man diesen mittelschweren Schock jedoch einmal überlebt, öffnet sich dann doch wieder das Altbekannte, wofür Anderson steht. Denn die Mr. Fox-Ash-Beziehung nimmt ihren Teil in der Geschichte ein und reiht den Film so nahtlos in Andersons andere Werke ein, in denen immer irgendein Konflikt zwischen Kind und Eltern im Raum steht. Zusammen mit der ausgefeilten Figurenzeichnung und den skurrilen Nebencharakteren (die man so auch wieder aus anderen Anderson-Werken kennt) ergibt die konventionelle und insgesamt doch recht einfache Geschichte mehr als genug Stoff, damit der Film nicht als irgendeine x-beliebige Märchenadaption endet.

Damit man aber des Schöpfers trademark ja nicht übersieht, hat Anderson bei der Umsetzung nichts dem Zufall überlassen. Seine ihm typische Bildsprache mit symmetrisch aufgeteilten Bildern, Kameraschwenks, -fahrten und Raum-Querschnitten hat er perfekt auf die Stop-Motion-Technologie übertragen und aus dieser alles herausgeholt, was nur geht. Die actionlastigen Abenteuer der Tier-Gang sind so zauberhaft modelliert wie ausgeleuchtet, die Puppen in ihrer Hölzernheit fantastisch animiert und alles zusammen wunderbar detailiert ausgestattet, dass es einfach Freude macht, den Einfallsreichtum in jeder Einstellung zu erkunden. Ein Blick ins making of lohnt sich hier auf jeden Fall! Ich bin kein Freund davon, CGI-Technik per se zu verteufeln, aber bei der Sichtung von „Der Fantastische Mr. Fox“ kann ich all jene verstehen, die nach wie vor dem Handgemachten den Vorzug geben. Man kann sich natürlich fragen, ob es statthaft ist, mithilfe einer außergewöhnlichen Inszenierung die kleinen Leerläufe in der Handlung zu überbrücken, aber solange das in solch einer Art und Weise wie hier geschieht, habe ich absolut nichts dagegen.

Fazit

Wes Anderson und Märchenadaption passt wie die Faust auf’s Auge. Sein filmischer Werkzeugkasten bietet alle Utensilien für solch eine Umsetzung. „Der Fantastische Mr. Fox“ ist dabei durch seine „normale“ Geschichte und Charakterzeichnung paradoxerweise Andersons unkonventionellstes Werk, bietet inhaltlich aber genug Nachdenkstoff, damit auch Erwachsene von dem Film unterhalten werden und verpackt das in die andersontypische Inszenierung und komödiantisch-ernste Stimmung, für die ich seine Filme so liebe.

Gesehen: Blu-ray / englisch

  • die Stop-Motion-Technologie
  • die toll inszenierte Welt
  • der Witz
  • die angemessene Tiefgründigkeit
  • die paar kleinen Leerläufe zwischendrin
  • dass der Film nur 87 Minuten geht
Wiederschaupotential: sehr hoch

Lieblingscharakter: Rat.
Lieblingsszene: Das erste Aufeinandertreffen mit Rat.

Eckdaten

Genre: Animation / Komödie / (Drama)
Herkunftsland: USA
Eckdaten: 2009 / 87 Min / FSK 6
Regie: Wes Anderson
Drehbuch: Wes Anderson / Noah Baumbach / Roal Dahl (Buchvorlage)

Andere Meinungen

Der Kinogänger (9/10) / Xanders Blog (8/10)

2 Kommentare

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