Der Hobbit: Smaugs Einöde (The Desolation of Smaug) | Film

Nachdem ich die Feiertage quasi internetabstinent verbracht und dabei leider auch eine tolle Media-Monday-Weihnachtsausgabe verpasst habe, hat es mich gestern wenigstens doch mal wieder ins Kino verschlagen. Dort habe ich mich wie schon letztes Jahr um diese Zeit nach Mittelerde begeben, um den Zwergen und Bilbo Beutlin dabei zuzuschauen, wie sie „Smaugs Einöde“ erobern…

Bilbo (Martin Freeman) wird sich klar, wessen Schatz er da gerade begrabbelt. | Quelle: Szene aus "Der Hobbit: Smaugs Einöde
Bilbo (Martin Freeman) wird sich klar, wessen Schatz er da gerade begrabbelt. | Quelle: Szene aus „Der Hobbit: Smaugs Einöde / MGM

„Der Hobbit: Smaugs Einöde“ macht wenig überraschend dort weiter, wo „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ aufgehört hat: In der Wildnis. Dort ist die Zwergenschar samt Hobbit und Gandalf auf der Flucht vor Orks und anderem Getier, treffen auf Freund und Feind und erleben so manches Abenteuer. Mit der Buchvorlage hat das insoweit zu tun, als dass sie irgendwann auf den namensgebenden Drachen treffen. In dieser Hinsicht offenbart sich wie schon im ersten Teil, dass die storymäßig nicht gerade ergiebige Buchvorlage alleine nicht ausreicht, um drei monumentale Filme zu stützen.

Deshalb wurde die Geschichte aus dem Buch um so einige Nebenhandlungen erweitert, in die die Zwerge nicht immer direkt verwickelt sind. Durch dieses Zusatzmaterial hat Peter Jackson offenbar versucht, eine Brücke zu seiner „Herr der Ringe“-Trilogie zu schlagen. Es werden nicht nur erste Vorgeschichten zu Frodos Zeit eingewebt (von der ich mangels Kenntnis des Buches nicht weiß, ob sie aus dem Silmarillion stammen oder ob sie von Jackson erfunden wurden), auch altbekannte Charaktere geben ihren Einstand. Leider fühlen sich viele Szenen als das an, was sie letztendlich sind: Eine Aufstockung der Geschichte und der Versuch, auf Teufel komm raus eine der HDR-Reihe ähnliche Monumentalität zu schaffen.

Letzten Endes hat der Film mit dem Buch deshalb auch nicht mehr viel geimsam. Wo der erste Teil noch mit gemütlicher Atmopshäre, mit Charakterentwicklung und den Lustigkeitsfaktor der Zwerge gepunktet hat, rutscht „Smaugs Einöde“ in ein düsteres Epos ab, das die Geschichte zwar etwas vorantreibt, die erzwungene Zeit jedoch mit viel zu viel und übertriebener Action vollstopft. Als Mittelteil der Trilogie muss das vielleicht seine Aufgabe sein, aber auch wenn man den Vergleich zum Buch konsequent weglässt, bleibt nicht viel mehr als eine mit der Zeit ermüdende – wenn auch imposant wirkende und gut umgesetzte – Actionschwemme. Traurigerweise mussten selbst die lustigen Szenen aus dem Buch weichen. Schmerzlich vermisst habe ich beispielsweise den verwunschenen Fluss, aus dem ein Zwerg trinkt und dann in einen Dauerschlaf verfällt.

Von der besseren Mittelmäßigkeit rettet auch die Technik nicht mehr. In HFR und 3D sehen Mittelerde und insbesondere die Elben- und Menschenstadt unglaublich toll aus. Alles knackscharf und liebevoll detailliert gestaltet. Hier hat die Effektfirma WETA wieder ganze Arbeit geleistet. Seine Schwächen offenbart 3D und HFR nach wie vor bei schnellen Bewegungen und Bewegungen von Flüssigkeiten. Auch das rumkullernde Gold sieht eher mittelprächtig aus.
Schauspielerisch gibt es von denjenigen Charakteren, die nicht aus dem Computer stammen, gute Durchschnittskost: Die Elben gucken ausdruckslos wie eh und je, die Zwerge geben unter ihrer Maske ihr Bestes. Nervig war allein die Bestaussehenste: Evangeline Lilly als Tauriel hat es nicht geschafft, über Soapniveau hinaus zu spielen, wurde allerdings durch das Drehbuch auch nicht gerade unterstützt.

Es ist ziemlich schwierig, einem zweiten Teil einer Trilogie eine gerechte Wertung zukommen zu lassen, ohne das Projekt als ganzes gesehen zu haben. Wer die Atmosphäre des Buches mochte und mit der ersten Hälfte von „Eine unerwartete Reise“ glücklich war, wird von dem Film vermutlich ziemlich enttäuscht sein. Aber auch diejenigen, die das Epische von „Der Herr der Ringe“ geschätzt haben, bekommen mit „Smaugs Einöde“ allenfalls den Versuch einer Kopie davon. Ich gehöre zu beiden Gruppen und hoffe deshalb, dass Peter Jackson beim dritten Teil vergisst, dass man mit dem Film HFR und CGI-Kunst promoten muss und einen Haufen Kohle scheffeln kann und dann einen würdigen Abschluss findet, der dem „Hobbit“ gerechter wird als dem „Herr der Ringe“.
Von mir gibt es 6/10 Punkte.

3 Kommentare

  1. Das klingt nun ja nur so mittelprächtig gelungen, aber ziemlich so wie erwartet (z.B. Jacksons Erweiterungen). Ich werde mir den Film morgen ansehen und mich graust es ein wenig vor HFR, doch ich lasse mich überraschen. Gestern gab es zur Auffrischung noch einmal Teil 1, den ich immer noch sehr unterhaltsam finde. Zwar kein „Der Herr der Ringe“, aber wirklich mehr als nur nett anzusehen.

    1. Wie gesagt, ich weiß nicht, ob die Zusatzhandlung durch Tolkien gesetzt wurde oder ob das „frei erfunden“ ist.

      Das war auch meine erste HFR-Erfahrung und ich fand es nicht so schlimm wie überall beschrieben. Das Problem mit dem oft zitierten Pappaufsteller-Look habe ich auch in normalen 3D-Filmen und der Soap-Look ist mir jetzt auch nicht wirklich aufgefallen. HFR hat seine Stärken eindeutig bei schnell(er)en Kameraschwenks und Nahaufnahmen und seine Schwächen (ebenso wie normales 3D) bei Landschaftspanoramen.

      Ich würde mich reinsetzen, Smaug und Lilly genießen und beim Rest einfach das Hirn ausschalten. Dann funktioniert de Film vielleicht. 🙂

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