Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian) | Film

Tell Commander Lewis: Disco sucks!
– Mark Watney

Weltraumfilme gehen immer. Egal ob dort Aliens meuchelmordend durch ein futuristisches Raumschiff stromern oder es zu epischen Schlachten mit Lasern und gigantischen Kampfstationen kommt, ich bin dabei. Was mich aber immer wieder genauso unterhält, das ist das Schicksal von Lovell, Haise und Swigert, die in „Apollo 13“ im Grunde nichts anderes tun, als in einer walnussschalengroßen Kapsel zwischen Erde und Mond herumzuschweben und alles daran setzen, wieder heil zur Erde zurückzukehren. Der Ausgang ist durch Realgeschichte und x-faches Wiedersehen bekannt und auch besteht „Apollo 13“ weitaus mehr aus Dialog denn aus Action, und dennoch finde ich den Film jedesmal spannend wie nichts.
Da es in „The Martian“ um eine bemannte Marsmission geht, kann der sich offensichtlich nicht an der Zeitgeschichte orientieren, dafür jedoch sehr wohl an seiner Buchvorlage. Die kenne ich bereits, und dennoch war auch dieser Film über die größte Strecke spannend und unterhaltsam.

Old McWatney has a farm. Nahrungsmittelgewinnung ist oberste Priorität bei Mark, der zum Glück Biologe ist. Quelle: "The Martian"-Trailer (20th Century Fox)
Old McWatney has a farm. Nahrungsmittelgewinnung ist oberste Priorität bei Mark, der zum Glück Biologe ist.
Quelle: „The Martian“-Trailer (20th Century Fox)

Ich bin an die Verfilmung von „The Martian“ so herangegangen wie an viele andere Buchverfilmungen zuvor: Ich habe versucht, Andy Weirs grandiose Vorlage so gut es geht auszublenden und nicht permanent als Vergleich heranzuziehen. Ganz klappt das eh nicht und gerade hier war es auch gar nicht nötig, denn Ridley Scott hat sich storymäßig nur in Nuancen von der Vorlage entfernt, sodass man „The Martian“ in dieser Hinsicht getrost als 1:1-Umsetzung werten kann. Mit den darüber hinausgehenden Änderungen im Plot wurde gleich das Problem umschifft, welches mir im Vorfeld die meisten Bauchschmerzen bereitete: Im – partiell als Logbuch konzipierten – Buch werden zwar unterhaltsam, aber durchaus ausladend technische, physikalische und biologische Probleme aufgeworfen, erklärt und gelöst, was filmisch interessant nur schwer umzusetzen gewesen wäre. Deshalb wurde die naturwissenschaftliche Seite etwas entschlackt, sodass diese Logbuchmomente nur einen kleinen, aber wiederum sehr unterhaltsamen Teil darstellen. Das führt einerseits zu mehr Abwechslung, andererseits buchverfilmungstypisch aber auch zu einem strafferen und konfliktärmeren Plot. Bei letzterem hätte ich mir gerade im hinteren Teil des Films mehr Mut gewünscht, denn so wuselt Mark Watney mir dort einen Tick zu unproblematisch über seinen Ein-Mann-Planeten.

Aber auch so bleibt es spannend, Matt Damon in der Gestalt Watneys dabei zuzusehen, wie er seine Situation meistert und parallel dazu auf der Erde alle Hebel umgelegt werden, um ihn sicher zurückzuholen. Damon ist die Idealbesetzung, denn er verleiht dem Hauptcharakter seine ausgeglichene Ruhe und den Humor, der ihm von Weir angeschrieben wurde. Wenn er in seinem kleinen Reich sitzt und mit zufriedenem Grinsen die erste geerntete Kartoffel kaut, dann ist das ganz groß. Bei den kleinen humorvollen Szenen hat man sich vollends auf das Buch verlassen und nutzt dessen Details auch gleich für die lustig-schräge Musikuntermalung. Wer indessen genug von Diskussionen zwischen den NASA-Verantwortlichen oder den Gärtnerversuchen Watneys in seiner Kuppel hat, für den schaffen die Aufnahmen der endlosen roten Wüste eine tolle Atmosphäre, die mich tief in diese Welt hat eintauchen lassen. Man spürt dadurch Watneys Einsamkeit förmlich.

Allein das Ende hat mir nicht so recht gefallen, jedoch fand ich das auch schon im Buch nicht ganz gelungen. Hier hat der Film sogar noch eine Schippe draufgelegt, was nicht Not getan hätte (mehr unten im Spoilerbereich). Das tut dem Filmspaß jedoch kaum Abbruch, ebensowenig wie die etwas blass bleibenden Mitastronauten und das Design des Raumschiffs. Die „Hermes“ sieht von außen zwar realistisch aus, fühlt sich vom leeren und vor allem riesigen Innendesign aber eher an wie eine Lagerhalle. Eine der wenigen Fälle, in denen meine Vorstellung beim Lesen von der Marsmission und Ridley Scotts Version davon divergierten, denn hier würde ich jederzeit eine Thunfischdose wie die „Nostromo“ vorziehen.

Fazit

The Martian“ ist trotz der kleinen Mängel eine gleichermaßen spaßige wie realistische Darstellung einer schiefgelaufenen bemannten Marsmission, die mit ihrem Mix aus Witz und wissenschaftlichem Realismus, mit ihrem Setdesign und ihren Schauspielern überzeugt. Wie immer ist das Buch ausdifferenzierter als die Filmumsetzung, aber dennoch wird man auch ohne Kenntnis der Vorlage seinen Spaß haben.

Gesehen: Kino / 3D / englisch

  • der Komödienanteil
  • die Marsaußenaufnahmen
  • Matt Damon
  • der Meta-LOTR-Gag
  • der Soundtrack
  • dass die völlig unnötige Liebesgeschichte klein gehalten wird
  • der konfliktärmere hintere Teil
  • die blass bleibenden Mitastronautencharaktere
  • die völlig unnötige Liebesgeschichte
Wiederschaupotential: sehr hoch

Lieblingscharakter: Mark Watney (Matt Damon)
Lieblingsszene: Watney mampft Kartoffeln.
Erst Buch oder erst Film? Zuerst Film, dann Buch.

Eckdaten

Genre: Sci-Fi / Komödie / Abenteuer
Herkunftsland: USA
Eckdaten: 2015 / 144 Min / FSK 12
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Drew Goddard / Andy Weir (Buchvorlage)

Andere Meinungen

Filmherum (4,5/5)

Spoilerbereich (Aufklappen zum Lesen)

Warum mir das Ende nicht so gut gefallen hat

2 Kommentare

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr davon? Folge mir!

%d Bloggern gefällt das: