Der Medicus | Film

Nach dem zweiten Teil des Hobbits gab es mit „Der Medicus“ schonwieder eine Buchverfilmung im Kino. Im Gegensatz zu erstgenanntem kenne ich hier die Buchvorlage von Noah Gordon nicht, sodass ich ziemlich unvoreingenommen im Kinosaal saß.

Rob (oben) und sein Ersatzvater sind bei Wind und Wetter als Bader unterwegs. | Quelle: Der Medicus / UFA Cinema
Rob (oben) und sein Ersatzvater sind bei Wind und Wetter als Bader unterwegs. | Quelle: Der Medicus / UFA Cinema

Erzählt wird die Geschichte von Rob Cole (Tom Payne), einem kleinen Jungen, der im mittelalterlichen England nach dem Tod seiner Mutter von einem reisenden Heiler „adoptiert“ wird und von diesem die zu der Zeit im christlichen Abendland angesagten Heilungsprozeduren lernt. Die sind allerdings ziemlich begrenzt, was Rob merkt, als er einem jüdischen Heiler bei seinen Wundertaten zusieht. Dieser erzählt ihm von einem Gelehrten im Orient, der so ziemlich alles über Medizin weiß, was ein Mensch wissen kann. Deshalb entschließt sich Rob, diesem Medicus einen Besuch abzustatten…

Ich mag Filme, in denen Lebensgeschichten erzählt werden, in denen der Protagonist in verschiedenen Lebensabschnitten Leute trifft und Abenteuer erlebt. Deshalb hat mir die erste Hälfte von „Der Medicus“ auch gut gefallen. Die beschwerliche Reise von England in den Orient ist schön bebildert und spannend. Dort werden auch Grundsteine für den späteren Storyverlauf gelegt. Dieser beginnt mit der Ankunft beim Medicus. In der Schule aufgenommen scheint er sein Paradies gefunden zu haben, er kann den Vorlesungen von Meister Ibn Sina (Ben Kingsley) lauschen und in der Stadt herrscht zwischen Juden und Muslimen scheinbare Harmonie.

Die Religionen sind es auch, die den weiteren Verlauf der Geschichte bestimmen. Dabei haben die Drehbuchautoren die Rollen der Konfessionen aber leider viel zu schwarz-weiß gezeichnet. Ich habe mit sowas in historischen Stoffen normalerweise kaum Probleme, jedenfalls dann nicht, wenn es irgendeine realgeschichtliche Grundlage dafür gibt. Hier wurde es aber auf die Spitze getrieben und zusammen mit dem Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft als Motor für die Story genutzt. Dieses Indenvordergrunddrängen tat nicht Not und hat den Film unnötig platt gemacht. Die obligatorische Liebesgeschichte rundet das mittelmäßige Drehbuch dann noch ab und das Ende ist irgendwie auch nicht wirklich befriedigend. Ich hatte das Gefühl, als ob man den Film unter Zeitdruck zuende bringen musste.

Optisch ist die deutsche Produktion jedenfalls state of the art. Sowohl England als auch der Orient sind überzeugend dargestellt. Auch bei den Schauspielern gibt es keinen Ausreißer nach unten, Ben Kingsley ist sowieso über jede Kritik erhaben.

Was bleibt sind 150 Minuten Historienschinken, bei dem die erste Hälfte bis zwei Drittel unterhalten kann, der gegen Ende aber ziemlich abstinkt. „Der Medicus“ hat mich zwar grundsätzlich unterhalten, hätte aber mit einem besseren Drehbuch um Welten besser sein können.
Von mir gibt es 6/10 Punkte.

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