Der weiße Hai (Jaws) | Film

You’re gonna need a bigger boat
– Brody

Es gibt viele Geschichten, die sich um „Der weiße Hai“ ranken. Sicher ist wohl, dass er das Blockbuster-Genre nicht erfunden hat, aber in Bezug auf die Kosten-Gewinn-Ratio zu den ganz großen gehört und deshalb zumindest inoffiziell als erster Blockbuster gilt. Ob der Film zur Bedrohung diverser Haiarten beigetragen hat, weil alle Hobbytaucher sich nach der Sichtung eine Harpune geschnappt und die Jagd eröffnet haben, sei mal dahingestellt.
Absolut fest steht für mich aber, dass „Der weiße Hai“ nach wie vor zu meinen Lieblingshorrorfilmen zählt. Und das nicht allein, weil ich, wie im Media Monday bereits mehrfach erwähnt, ein kleines Trauma von dem Film davongetragen habe.

Einer der ikonischsten Bilder der Filmgeschichte und nur ein Beispiel für Spielbergs großartige Regiearbeit. | Quelle: "Der weiße Hai" Trailer / Universal
Einer der ikonischsten Bilder der Filmgeschichte und nur ein Beispiel für Spielbergs großartige Regiearbeit. | Quelle: „Der weiße Hai“ Trailer / Universal

Mit einer ausgeklügelten Geschichte kann der Film nicht dienen. Die Handlung kann runtergebrochen werden auf: Fisch mampft Mensch; Mensch hat Angst; Mensch jagt Fisch. Was Stephen Spielberg jedoch darauf aufgebaut hat, gehört in vieler Hinsicht zur Spitze und kann auch heute noch getrost zum state of the art eines gelungenen Horrorfilms gezählt werden.

Weniger gilt das zunächst für den Realismus, denn was der Hai da manchmal im Wasser anstellt, ist wohl kaum der Natur entnommen. Mit seinem worrtwörtlichen Killer-Verhalten und dem damit verbundenen „Körpereinsatz“ und der Motivation hat er seinen realen Artgenossen doch einiges voraus. Diese Szenen fallen in der ganzen erzeugten Spannung jedoch nicht negativ auf.

Letztere versteht der Film aufzubauen wie kaum ein anderer. Und dabei ist weniger mehr, denn man sieht den Hai komplett erst ziemlich spät. Vorher sieht man mal eine Flosse, mal kurz das Maul, aber meistens spielt Spielberg mit dem dunklen Wasser und mit Unterwasseransichten. Dennoch ist der Hai durch die sich bewegende Kamera und nicht zuletzt durch den genialen Score von John Williams doch immer gegenwärtig. Auf mich wirkt dieser Suspense-Horror viel eindringlicher als es die expliziteste Splatterorgie jemals könnte. Wobei es kurzzeitig durchaus blutig wird. Zwei oder drei mal hat Spielberg dann doch nicht darauf vertraut, sondern Schockszenen eingebaut, die aber aufgrund ihrer Seltenheit doch immer wieder funktionieren.

Auch wenn er hier nur Regie geführt hat, so haben Filme mit Spielberg-Beteiligung immer einen gesunden Mix aus Grusel und Komik. Die lustigen Dialogszenen lockern die Spannung immer wieder auf, ohne Längen zu produzieren. Dabei spielt vor allem das Gespann Robert Shaw und Richard Dreyfuss brilliant. Ersterer gibt als grummeliger, vom Leben gezeichneter und zumeist kurz angebundener Einsiedler-Fischer den Sturkopf, an dem sich Dreyfus‘ rationaler Meeresbiologencharakter wunderbar reiben kann.

Ein weiteres Highligt ist die spielbergtypische großartige Inszenierung. Das Spiel mit Licht sowie die vielen Kamerafahrten und optischen Spielchen wie der Vertigo-Effekt machen einen Heidenspaß und die Szene mit dem auslaufenden Schiff, das man durch ein aufgehängtes Haifischgebiss verfolgt, möchte ich am liebsten immer wieder zurückspulen und nochmals genießen.

Fazit

„Der weiße Hai“ ist gut gealtert. Auch heute noch habe ich trotz der leicht hölzernen Schauspielerperformance viel Spaß mit dem Film, denn die genretypisch schlichte Geschichte wird in einer modernen Geschwindigkeit erzählt, unterhält mit ihrem Grusel und den Charakteren, ist in tollen Bildern inszeniert und wird nicht zuletzt vom Score getragen. Ich bin überzeugt, dass es meine persönliche Erstbegegnung mit dem Streifen für meine Faszination gar nicht gebraucht hätte.
Von mir gibt es deshalb 10/10 Fischstäbchen.

gesehen: BD / englisch
Genre: Thriller / Horror
Eckdaten: 1975 / 124 Min / FSK 16
Regie: Steven Spielberg

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