Die Bourne Trilogie | Film

Eine gute Trilogie beinhaltet drei Filme. Nicht zwei Filme, nicht vier Filme, nur drei Filme. Insoweit kann man sich trefflich streiten, ob es „Die Bourne Trilogie“ gibt, denn immerhin wurde 2012 mit „Das Bourne Vermächtnis“ ein vierter Teil hinterhergeschoben. Dort spielte allerdings kaum einer der Schauspieler mehr mit, die die ersten drei Filme für mich so spaßig gemacht haben. Deshalb habe ich dieses Machwerk bisher auch noch nicht gesehen. Die ersten drei Filme werden jedoch regelmäßig in den DVD-Player geschoben. Insoweit gibt es jedenfalls für mich dann doch eine „Bourne“-Trilogie.
SPOILER SIND AB DER ZWEITEN BESPRECHUNG VORHANDEN!

Na wenn's im Pass steht, wird der Name  wohl stimmen. Bourne findet erste Schnipsel seines Lebens. | Quelle: Die Bourne Identität DVD / Universal
Na wenn’s im Pass steht, wird der Name wohl stimmen. Bourne findet erste Schnipsel seines Lebens. | Quelle: Die Bourne Identität DVD / Universal

Die Bourne Identität (The Bourne Identity)

Der erste Teil der Reihe legt naturgemäß den Grundstein der Geschichte und geht schon spannend los: Ein Mann treibt bewusstlos im Ozean vor der französischen Küste und wird von einem Fischkutter gerettet. Nachdem er aufgewacht ist, kann er sich nichteinmal an seinen Namen erinnern. Einziger Anhaltspunkt ist ein kleiner Laserpointer, der die Daten eines schweizer Bankkontos beinhaltet. Ab dort beginnt eine Schnitzeljagd, bei der der Mann nicht nur seinen Namen erfährt, der offensichtlich Jason Bourne (Matt Damon) zu sein scheint. Er erkennt auch ziemlich schnell, dass sein Beruf nicht alltäglich ist und er augenscheinlich eine Ausbildung zum Nahkampf durchgemacht hat. Zeitgleich sieht man seine Vorgesetzten, die über die Begebenheiten in Europa nicht besonders amüsiert sind.

„Die Bourne Identität“ überzeugt mich aus mehreren Gründen. Als Fan von Agenten- und Politthrillern finde ich die Geschichte fantastisch, die natürlich vor allem beim erstmaligen Schauen hochspannend ist. Aber auch beim Wiedersehen hat man trotz ganz kleiner Ecken in der Story seinen Spaß an der gelungenen Mischung aus Charakterentwicklung und Hintergrundauflösung. Das Setting in Europa ist erfrischend, zumal man nicht die typischen Spots gewählt hat. In Paris spielt zwar ein Teil der Geschichte, ansonsten sieht man jedoch auch die Kleinstädtchen zwischen Paris und Zürich. Dort ist Bourne mit Marie (Franka Potente) unterwegs, die ihm bei seiner Jagd nach Erkenntnissen behilflich ist. Diese Geschichte wird im Grunde schon im Film zu einem Abschluss geführt, obwohl man sich ganz am Ende doch noch eine Hintertür für die plausiblen Fortsetzungen offengelassen hat.

Auch von der Inszenierung her ging Bourne damals neue Wege, die allerdings nicht jedermann schmecken. Realismus war nicht nur bei der Geschichte (dort natürlich relativ) das Gebot der Stunde, denn auch bei der Umsetzung wurde auf explodierende Autos, Zeitlupen oder viel CGI verzichtet. In dieser Hinsicht ist „Die Bourne Identität“ der Anti-„Bond“ und erinnert an den ebenfalls in Europa spielenden „Ronin“.
Vor allem die Kameraarbeit ist nicht nur auf Gegenliebe gestoßen, denn der Kameramann ist oft selbst zu Fuß unterwegs, zoomt und schenkt was das Zeug hält. So entstand vor allem in den Actionszenen das Mittendrin-Gefühl, gleichzeitig aber auch eine gewisse Unübersichtlichkeit. Mich hat dieser pseudodokumentarische Stil vor allem in diesem Film nicht gestört, ich fand ihn sogar ziemlich gelungen, vor allem da es zwischendrin auch die ein oder andere ruhiger gefilmte Szene gab. Das ergab eine homogene Mischung, bei der auch in den Kampfszenen noch so geschnitten wurde, dass man hinterherkommt. Durch die Bilder und durch die Musik von Moby wurde eine Atmosphäre kreiert, deren Spannung mich immer wieder in den Film hineinzieht.

Für mich ist „Die Bourne Identität“ deshalb ein sehr gelungener Agententhriller mit verhältnismäßig realistischer Action (kein Film mit Verfolgungsjagd im Original Mini kann schlecht sein!) und spannender Geschichte, der auch für sich alleine funktioniert. Insgesamt der beste Teil der Serie.
Von mir gibt es 9/10 Punkte.

Eckdaten: 2002 / 118 Min / FSK 12
Regie: Dug Liman

Die Bourne Verschwörung (The Bourne Supremacy)

Wie gesagt haben sich die Macher ein plausibles Hintertürchen für die Fortsetzung offengehalten und darum geht es im zweiten Teil. Bourne sucht nach wie vor nach den Personen, für die er gearbeitet hat und baut sich sein Lebenspuzzle dabei weiter zusammen. Die Geschichte ist dabei deutlich komplexer als noch im ersten Teil und man hat auch dank kleinerer Logikschnitzer Mühe, allen Einzelheiten zu folgen.
Dafür ist Matt Damon seit dem ersten Teil gereift und spielt seine Rolle überzeugend. Sein Charakter bewegt sich weg vom Amnesiegeplagten hin zur Selbstreflexion und zur Wut, weil ihm nach und nach die Hintergründe und seine Handlungen bewusst werden.

Bonuspunkte bekommt „Die Bourne Verschwörung“ schon dadurch, dass ein großer Teil in Berlin spielt und die Orte hier auch richtig benannt sind. Auch Moskau finde ich als Stadt sowie als Handlungsort höchst interessant. Wobei einige Szenen, die in der russisschen Hauptstadt spielen, tatsächlich in Berlin gedreht wurden (was einiges über das berliner Stadtbild aussagt) und es für Kundige komisch anmutet, dass die Straße, durch die Bourne gerade in Moskau rast, tatsächlich nur 10 Kilometer von der eigenen berliner Wohnung entfernt ist. 🙂

Der Film ist ein ganze Stück düsterer inszeniert als noch sein Vorgänger und man merkt ihm den Kreativteam-Wechsel hinter der Kamera an. Paul Greengrass treibt den Einsatz der Wackelkamera noch ein gutes Stück voran, was auch mir in wenigen Szenen den Spaß verleidet hat. Insgesamt hält sich die Unübersichtlichkeit aber noch im Rahmen.

Die komplexe Hintergrundhandlung muss erstmal durchschaut werden, dann aber hat mir „Die Bourne Verschwörung“ dank der deutschen und russischen Handlungsorte viel Spaß bereitet. Den konnte die Kameraarbeit nur in wenigen Szenen schmälern.
Von mir gibt es 8/10 Punkte.

Eckdaten: 2004 / 108 Min / FSK 12
Regie: Paul Greengrass

Das Bourne Ultimatum

Mit „Das Bourne Ultimatum“ schließt sich der Kreis. Sowohl die Hintergründe als auch Bournes persönliches Schicksal werden restlos aufgedeckt. Da sich trotz der Einführung eines neuen Teilstrangs alles glättet, kann man hier der Geschichte weitaus einfacher folgen als noch im zweiten Teil. Die Handlung findet jetzt auch in England statt, zudem gibt es Ausflüge nach Spanien und nach Nordafrika. Zuletzt konzentriert sich alles auf die USA.

Auch wenn der Realismus über alle drei Teile beibehalten wird, so toppt „Das Bourne Ultimatum“ in Sachen Actioninszenierung die Vorgänger ordentlich. Leider schießt er dabei noch häufiger über das Ziel hinaus. Minutenlange Verfolgungsjagden sind mit Wackelkamera und 2-Sekunden-Schnitten leider nicht so cool, wie sich Greengrass das vorstellt. Paradoxerweise waren dafür die Kampfszenen für mein Empfinden in diesem Teil übersichtlicher als zuvor. Dort wurden auch mal Von-oben-drauf-Einstellungen verwendet, die der Orientierung dienlich waren.

„Das Bourne Ultimatum“ bringt die Geschichte mit der angemessenen Komplexität zu einem sehr guten Ende und lässt damit zum Teil vergessen, dass mit der Wackelkamera teils übertrieben und der Actionanteil gegenüber den Vorgängern nochmals hochgeschraubt wurde.
Von mir gib es deshalb 8/10 Punkte.

Eckdaten: 2007 / 111 Min / FSK 12
Regie: Paul Greengrass

Fazit allgemein

Das „Bourne“-Universum punktet bei mir mit seinem relativen Realismus und seiner Atmosphäre. Es gibt keinen Welterpresser, keinen finsteren 1-Personen-Bösewicht. Die Geschichte um Jason Bourne ist spannend und jedenfalls nicht so unrealistisch, dass man darüber nachdenken kann, ob es so etwas nicht tatsächlich in der Agenten-Halbwelt gibt. Europa bietet die Abwechslung an Settings, die mir auch bei den „Bond“-Filmen gefallen. Und die Inszenierung hebt sich von ebendiesen Filmen mit einer realistischen Umsetzung ab, in der keine Autos explodieren oder Menschen meterweit durch die Luft fliegen. Die Bilder und vor allem die Wackelkamera sind nicht jedermanns Geschmack, mich stören sie jedoch kaum, auch wenn mit dem Wechsel im Regiestuhl nach dem ersten Teil der Fokus stärker darauf gelegt wurde. Die Atmosphäre bannt mich jedesmal aufs Neue.

Die „Matrix“-Frage ist jetzt natürlich: Lohnt sich ein Blick auf den vierten Teil oder macht man sich damit eine schöne Reihe kaputt? 🙂

Gesehen: DVD / englisch

Eckdaten: 2002-2007 / FSK 12
Genre: Thriller / Action / Agenten

2 Kommentare

  1. Ich wurde mit der Filmreihe irgendwie nie so richtig warm. Teil 1 fand ich gut (7 Punkte), Teil 2 durchschnittlich (5 Punkte) und dann habe ich auch nicht weitergeschaut…

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