Eddie the Eagle – Alles ist möglich (Eddie the Eagle) | Film

Eddie, you are NOT an athlete!
– Terry Edwards

Calgary hat so manch Kurioses angezogen. Nicht nur flitzte bei der dort 1988 stattfindenden Winterolympiade eine gewisses Team aus Jamaika den eisigen Bobkanal hinunter und ließ sich daraufhin 1993 durch eine Disney-Komödie auf Celluloid verewigen (die ich wohl dringendst mal sehen müsste). Auch in der Luft gab es mit Michael „Eddie“ Edwards Merkwürdiges zu sichten. Dieser Eddie war der erste britische Skispringer seit fast 60 Jahren, hatte nie eine Chance auf eine Medaille und bleibt dennoch — wohl besser: deshalb — auf ewig als Eddie the Eagle in den Sportgeschichtsbüchern stehen. Den Film, der seinen Spitznamen trägt und der von seiner Geschichte handelt, habe ich jetzt gesehen, und das trotz wohl berechtigter objektiver Kritik sicher nicht zum letzten Mal.

Niemand traut dem Protagonisten etwas zu, er versucht jedoch alles, um sein Ziel zu erreichen. Er kämpft sich durch alle Widerstände hindurch, nur um dann kurz vor dem Erfolg an Selbstzweifeln oder äußeren Einflüssen fast zu scheitern. Am Ende ist jedoch alles gut, er hat es sich und der Welt gezeigt und im Idealfall auch noch Dritten durch seine Taten einen positiven Schwung mitgegeben. Nach diesem Schema läuft ein Großteil der Sportfilme ab, und da der wohl erste Skisprungspielfilm der Geschichte eine wahre Lebensgeschichte nachbildet und diese nunmal so (ähnlich) abgelaufen ist, kommt auch „Eddie the Eagle“ nicht aus diesem Korsett heraus. Eddies Vater findet die Idee, zur Olympiade zu fahren, großen Quatsch, das britische olypmische Kommitee fürchtet einen Imageschaden und baut ad hoc Qualifikationsbedingungen auf und Eddie selbst muss überhaupt erstmal lernen, wie das mit dem Skispringen funktioniert. Da der reale Eddie Edwards wie gesagt seine Sprünge in Calgary absolviert hat, weiß man auch, wie das Ganze endet. Rein handlungstechnisch bewegt der Film sich also im vor allem für Sportfilmgucker gewohnten Fahrwasser. Daran kann auch die Nebenhandlung wenig ändern, die die Entwicklung von Eddies Coach Bronson Peary, entspannt gespielt von Hugh Jackman, behandelt und so zeigt, dass Eddie nicht nur für sich alleine kämpft. Da der Film irgendwie in irgendeinem deutschen Filmfördertopf gelandet zu sein scheint und zumindest partiell hierzulande gedreht wurde, hat Iris Berben auch noch eine für die dargestellte Geschichte komplett austauschbare Nebenrolle abgestaubt.

Warum sollte man sich also den Film dennoch angucken? Das ist einfach beantwortet: Eddie Edwards. Das Original ist schon optisch der absolute Sympathieträger mit stoppeliger Rotzbremse und 80er-XXL-Metallrandbrille, einem Allerweltsgesicht und auch zu schwer für einen Skispringer. Taron Egerton ist ihm nicht nur wie aus dem Gesicht geschnitten, er stellt diesen schlaksigen Träumer auch wunderbar dar. Dass dieser Bursche unbedingt zur Olympiade will und deren „Dabei sein ist alles“-Motto lebt, nimmt man ihm sofort ab.

Und so macht der Film einfach Spaß, auch wenn man weiß, wie er ausgeht. Den Kampf gegen das Nichternstgenommenwerden musste Eddie Edwards tatsächlich führen und dieser nimmt in „Eddie the Eagle“ den meisten Platz ein. Egal ob andere Springer (fiese Norweger!), das nationale Olympiakommitee (fiese Bürokraten!) oder der eigene Coach (fieser Säufer!), Eddie durchläuft alle Stationen, an denen seine Freude auf eine harte Probe gestellt wird. Der Außenseiter kämpft sich durch alles durch, um seinen persönlichen Erfolg zu finden, auch wenn dieser nicht der Norm entspricht. Und das macht „Eddie the Eagle“ zwar nicht zu einem innovativen, jedoch einem durchaus guten Sportfilm. Nebenbei bemerkt: Der SiFF kann hier nur 10 von 10 Punkten betragen, weil sich der ganze Film von vorne bis hinten um den Skisprung dreht. Bekannte Sportgrößen von damals kommen ebenso vor wie kurze Originalfilmausschnitte der Olypiade und zumeist gelungene Sprungsequenzen und Kamerafahrten an der Sprungschanze entlang, bei denen die Höhenangst (jedenfalls bei Kinoleinwandgröße) bei mir schon leicht durchschlug.
Humortechnisch kann „Eddie the Eagle“ größtenteils punkten, was auch wieder an Taron Egertons Darstellung liegt sowie an dessen Zusammenspiel mit Jackman. Einige wenige Male war mir der Witz allerdings zu aufgesetzt. Das macht der Soundtrack aus 80er-Upbeatstücken aber wieder wett.
Und was mich nicht zuletzt auch positiv gestimmt hat: Die Kritik am durchprofessionalisierten Sport und insbesondere Olympia ist zwar vorhanden, wird aber bis auf eine allzu deutliche Szene angenehm zurückhaltend geäußert. Hier hat man die Geschichte für sich sprechen lassen, was ein guter Schachzug war.

Fazit

Eddie the Eagle“ ist eine Sportkomödie, die zwar keinen Innovationspreis gewinnt, durch Hauptdarsteller und das anfangs eingeblendete based on a true story sowie mit ihrer positiven Aussage aber gut unterhalten kann. Bilder und vor allem der Soundtrack schleifen das schematische Drehbuch und den ein oder anderen kleinen Hänger in den Nebencharakteren größtenteils wieder rund.

gesehen: Kino / englisch

Wiederschaupotential: sehr hoch

Lieblingscharakter: Bronson Peary (Hugh Jackman)
Lieblingsszene: Die Trainingsmontage mit den Holzpfählen.

Eckdaten

Genre: Sport / Biografie / Komödie / (Drama)
Herkunftsland: DE / UK / USA
Eckdaten: 2016 / 105 / FSK0
Regie: Dexter Fletcher
Drehbuch: Simon Kelton / Sean Macaulay

Andere Meinungen

Trivial (10/10)

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