Firefly | Serie

Die Grundidee hörte sich toll an: Ein Mix aus Sci-Fi und Western, ein Stück Steampunk, viele Welten, KEIN „Star Trek“. Im Internet gibt es einen Haufen Fanseiten, in der IMDb eine Bewertung jenseits der 9/10, beim Media Monday wird sie inflationär genannt, sobald es um die zu früh abesetzte Serie geht.
Und Sheldon Cooper nennt sie „brilliant“.
Höchste Zeit also, sich selbst mal ein Bild von „Firefly“ zu machen, der Serie, mit deren Absetzung nach gerade mal einer Staffel sich FOX den Zorn von vielen Fans zugezogen hat.
Und den von Sheldon Cooper.

Die "Serenity", Heimat der Protagonisten. | Quelle: Firefly / FOX
Die „Serenity“, Heimat der Protagonisten. | Quelle: Firefly / FOX

Das Setting: Han Solo auf dem Holodeck
Das Universum um das Jahr 2500 herum: Die Erde ist ad acta gelegt, die Menschen leben verteilt auf einer Vielzahl von Planeten und Monden und die Allianz herrscht nach gewonnenem Krieg über alles. Größtenteils sind die Bevölkerungen auf Linie gebracht, dennoch gibt es die ehemaligen Allianzgegner, die dem System weiterhin kritisch gegenüberstehen. Dazu gehört auch Malcom Raynolds (Nathan Fillion), ein verdienter Rebellenveteran, der seit Kriegsende auf seinem Raumschiff „Serenity“ durch das Planetensystem streift, dabei die Agenten der Allianz meidet und mit semilegalen Schmugglerflügen sein Geld verdient. Oder um ihn zu zitieren:

My work’s illegal, but at least it’s honest.

Begleitet wird der verwegene Freiheitskämpfer dabei von seiner treuen Crew: Seine Stellvertreterin Zoë (Gina Torres) kennt er noch aus den Kampfzeiten, Pilot „Wash“ (Alan Tudyk) ist immer für einen coolen Spruch zu haben, Söldner Jayne (Adam Baldwin) ist für das Grobe zuständig und Mechanikerin Kaylee (Jewel Straite) für das Schiff selbst. Abgerundet wird der bunte Haufen mit Dauergästen wie dem Arzt Simon und dessen Schwester River, Begleitdame Inara sowie dem „Shepherd“.
Die Charaktere sind allesamt gut besetzt, äußerst liebenswert und man fühlt sich schon nach der ersten Folge so wohl, dass man am Liebsten gleich ein Ticket auf der „Serenity“ buchen möchte. Allerdings sind sie gleichzeitig auch in klassische Rollen gepresst. Es gibt mit Kaylee das ewig naive Sonnenscheinchen genauso wie mit Jayne den nur an Geld interessierten Haudrauf. An sich ist das kein Problem und es sorgt bei den diversen Konversationen auch oftmals für treffende Pointen. Mit etwas besser ausgearteiten Charakteren hätte die Serie aber schon enorm an Spannung gewinnen können.
Sie alle reisen jedenfalls auf der „Serenity“ von Planet zu Planet und bestehen zusammen so manches Abenteuer. Dabei tauchen sie buchstäblich in eine andere Welt ein, sobald sie gelandet sind.

Diese Welten haben mir an sich auch sehr gut gefallen. Durch die Story gedeckt, sehen diese nämlich entsprechend ihrem Kolonierungszeitpunkt aus. Die Welten, auf denen zuerst Menschen siedelten, sind technisch weit fortgeschritten und entwickelt, wohingegen es auf den Außenwelten und Monden noch ziemlich anarchisch zugeht und die Allianz auch nicht ganz so viel Einfluss hat. Dort gibt es kaum High-Tech, die Bewohner leben von Landwirtschaft und wohnen in Holzhütten. Der wilde Westen ist hier tatsächlich noch in vollem Gange und das Gesetz wird oft in die eigene Hand genommen. Der Gegensatz dieser Welten zu jenen hochtechnisierten ist toll inszeniert, auf den rückständigen Welten gibt es nur punktuell Dinge, die an Sci-Fi erinnern. Moderaten Steampunk kann man so etwas wohl nennen: Zwar gibt es Technik, die Welten sind jedoch dreckig und längst nicht so herausgeputzt wie beispielsweise in „Star Trek“. Die Verquickung von Western und Sci-Fi funktioniert meistens, nur selten hatte ich das Gefühl, dass eines von beiden deplaziert im anderen war.

Menschen in der Zukunft in Klamotten aus dem 18. Jhr. in einem Raum mit chiesischen Statuen. Die Quintessenz aus "Firefly". | Quelle: Firefly / FOX
Menschen in der Zukunft in Klamotten aus dem amerikanischen 18. Jhd. in einem Raum mit chiesischen Statuen. Die Quintessenz aus „Firefly“. | Quelle: Firefly / FOX

Die Umsetzung: 不怎么样
Es sind vor allem diese schmuddligen Outskirts, in denen die „Serenity“-Crew in Probleme schlittert, Leute trifft und auf der Suche nach neuer Arbeit ist. Einmal steht ein westerntypischer Zugraub an, ein andermal soll eine Warenladung von A nach B gebracht werden. Oft heißt es aufpassen auf die „Feds“ der Allianz, aber auch die Unterwelt bietet in Form von lokalen Bossen genug Möglichkeiten, um sich eine Kugel einzufangen. Die geheimnisvollen Reaper sind indess im Weltall selbst die große Gefahr. Die Geschichten sind oft ziemlich einfach gestrickt und dadurch selten allzu spannend. Serienschöpfer Joss Whedon zeichnet unter anderem für die Serien „Buffy“ und „Angel“ verantwortlich, an die sich „Firefly“ zeitlich anschließt. Den typischen Storyverlauf haben diese Serien gemein und bewegen sich damit in der Ära der 90er und frühen 2000er, wo es noch keine allzu raffinierten Storyverläufe gab. Die Handlung der einzelnen Episode steht im Vordergrund und beiläufig werden die (jedenfalls anfangs noch spannenden) Hintergrundgeschichten um einzelne Charaktere vorangetrieben. Auch das ist per se nicht schlecht (ich habe früher Serien wie „Stargate“ und „Xena“ gern gesehen), heutzutage wirkt es für mich aber antiquiert. Ich hatte einfach die Erwartung, dass hier eine große Saga erzählt wird, was im Produktionsjahr 2002 sehr innovativ gewesen wäre. Stattdessen bekomme ich Drehbuchumsetzungen, die zu dieser Zeit bestenfalls noch traditionell waren.

Dass mich das Universum nicht vollends überzeugen konnte ist letztlich auch handwerklichen Fehlern geschuldet. Besonders negativ aufgefallen ist mir der Einsatz des Chinesischen. Konsequent von der heutigen Entwicklung weitergedacht war die Vermischung des Englischen mit der chinesischen Sprache zwar und damit auch eine tolle Idee. In einem Großteil der Folgen ersetzt sie praktischerweise aber nur die englische Fäkalsprache, womit Whedon mutmaßlich die TV-Zensur zu umgehen versuchte. Erst in den letzten paar Folgen taucht die chinesische Sprache auch in anderen Zusammenhängen auf. Wäre das von Anfang an der Fall gewesen, hätte ich das sehr viel glaubhafter gefunden.

River (Summer Glau) trägt sowohl Stöckchen als auch Geheimnis. | Quelle: Firefly / FOX
River (Summer Glau) trägt sowohl ein Stöckchen bei als auch ein Geheimnis in sich. | Quelle: Firefly / FOX

Auch finde ich einzelne Storyelemente nicht gut umgesetzt. Bestimmte Verhaltensweisen einiger Charaktere (allen voran Jayne) sind für mich zu konstruiert und werden dann auch viel zu schnell wieder fallengelassen. Hier greift der Fokus auf die einzelne Episode wieder, in der das Verhalten zwar wichtig ist und dem Charakter ein wenig Schliff verleiht, auf den weiteren Serienverlauf aber kaum noch Einfluss hat. Zur Ehrenrettung der Serie kann man jedoch auch vermuten, dass das Aus anscheinend sehr überraschend kam und diese Szenen in späteren Staffeln vielleicht nochmal aufgegriffen worden wären.
Was allerdings ebenfalls von einem schlechten Drehbuch zeugt sind Szenen, in denen ein Charakter zuerst halb tot geprügelt wird, zwei Serienminuten später aber wieder kreuzfidel im Raumschiff herumhoppst, ohne wenigstens eine Erstversorgnung erhalten zu haben. Auch innerhalb einer Fiktion kann man erwarten, dass es nachvollziehbare und halbwegs realistische Verhaltensweisen gibt.

Fazit
Warum hat mir also „Firefly“ nicht so gefallen, wie die Serie es vielleicht verdient hätte? Vielleicht lag es an den horrenden Vorschusslorbeeren und meiner damit verbundenen Erwartung. Vielleicht habe ich mit der Sichtung zu lange gewartet und bin inzwischen zu viele gute Alternativen gewohnt. Vielleicht muss ich einsehen, dass diese Art der Serien für mich nichts (mehr) ist und ich lieber staffelübergreifende große Handlungen habe.
Für das schöne Gefühl, in den Charakteren eine höchst sympathische Meute gefunden zu haben, die mir das Gefühl gibt, auf der „Serenity“ zu Hause zu sein, sowie für das tolle Titellied bin ich der Serie dankbar. Für zwei bis drei wirklich unterhaltsame Episoden und eine spannende Hintergrundgeschichte (die ich natürlich auch gerne komplett aufgelöst gesehen hätte) bin ich der Serie dankbar. Für den mutigen und meistens überzeugenden Crossover von Western und Weltraum bin ich Joss Whedon dankbar. Das kann mich aber nicht davon ablenken, dass in Sachen Episodenstory nur Durchschnittskost geboten wurde und es den ein oder andren handwerklichen Fehler gibt, der nicht hätte sein müssen.
Von mir gibt es 6.5/10 Punkten.

Eckdaten
Kategorie: Sci-Fi, Action, „Western“
Produktion: 2002
Produziert für: FOX
14 Episoden in 1 Staffel
Laufzeit pro Folge: ca. 42 Minuten

3 Kommentare

  1. Ohje, hier ist sie, die Besprechung der ich schon mit Spannung und Argwohn entgegen sah. War am Ende ja gar nicht so schlimm. Dennoch kann ich nicht zustimmen, dass die Drehbücher schlecht wären. Keineswegs sogar. Der Wortwitz ist brilliant und die Charaktere leben. Was die Struktur der Episoden angeht, so gibt es natürlich größtenteils Einzelepisoden, zwischen denen die übergreifende Handlung jedoch stets weitererzählt wird – und in den kommenden Staffeln hätte sich der Fokus bestimmt verlagert, bis zur großen Auflösung (siehe den Nachfolgefilm „Serenity“).

    Aber ist bestimmt wie so vieles Geschmackssache. Ich für meinen Teil werde die Serie für immer lieben (und FOX für immer hassen).

    1. Ich habe mich aus Rücksicht auf die mitlesenden Browncoats so positiv wie möglich gefasst. 😉

      Der Wortwitz ist eine große Stärke (auch wenn für mich nicht brilliant), das stimmt. Bei den Charakteren sehe ich die Lebendigkeit nur teilweise. Am lebendigsten ist da Mal mit seiner Vergangenheit und natürlich River. Eine Entwicklung findet aber auch bei den beiden schon nicht statt (was auch nicht unbedingt sein muss, aber immer schön ist).

      Dass es mit den Reapern und dem Shepherd (!!!) noch offene Enden gibt kann man Whedon natürlich nicht vorwerfen. Ich habe aber schon gelesen, dass der Fokus von „Serenity“ auf Rivers Geschichte liegt und das Geheimnis um den Sheperd nicht thematisiert wird. Das wäre auch wieder konsequent, aber traurig. Dennoch werde ich mir den Film anschauen, schon allein, um Jewel Straite nochmals zu sehen. 🙂

      Insgesamt denke ich, dass es vor allem die falschen Erwartungen waren, die bei mir nicht erfüllt werden konnten. Vielleicht muss ich mir die Serie mit dem Wissen nochmals anschauen, damit es klick macht. 😀

      1. Hehe, ein Browncoat-freundliches Review also… 😉

        Ich fand es auch schade, dass der Hintegrund von Shepherd Book nicht weiter erläutert wurde, doch dazu gibt es inzwischen ein Comic, denn wie auch „Buffy“ und „Angel“ hat Whedon das „Firefly“-Universum in Comicform fortgeführt. Sogar recht gelungen.

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