Flight | Film

„You’re a hero, man! You will never pay for a drink for as long as you live.“
– Harling Mays

… oder: Wie meine letztendlich falschen Erwartungen durch die PR-Fuzzies geschürt wurden. Denn von „Flight“ kannte ich allein den Trailer, und der versprach eine gewisse Art von Film. Auch wenn ich von den Marketingabteilungen aus Hollywood nicht gerne „belogen“ werde, so muss es ja nicht zwangsweise etwas Schlechtes sein, wenn der Film dann doch etwas ganz anderes mit sich bringt als angekündigt.
In diesem Fall ärgere ich mich aber ob der vergebenen Chancen doch ziemlich.

Williams Problem steht, in kleinen Flaschen abgefüllt, in den Hotel-Minibars dieser Welt. | Quelle: "Flight" Trailer / Paramount
Williams Problem steht, in kleinen Flaschen abgefüllt, in den Hotel-Minibars dieser Welt. | Quelle: „Flight“ Trailer / Paramount

Der Trailer sagt: Es geht um einen Flugzeugabsturz, der dank des scheinbar unmöglichen Manövers eines ebenso talentierten wie besoffenen Piloten verhältnismäßig glimpflich abläuft. Da dabei aber dennoch Todesopfer zu beklagen sind, beginnt die Suche nach einem Schuldigen.
Daraus kann man eine tolle Geschichte mit spannenden moralischen Fragen zimmern. Wie geht man mit jemandem um, der heroisch agiert und viele Leben gerettet hat, gleichzeitig aber höchst fahrlässig gehandelt hat? Kann man ihm die Schuld für den Tod von Menschen auferlegen, obwohl seine Verantwortungslosigkeit möglicherweise nicht direkt mit der Katastrophe in Zusammenhang gebracht werden kann? Soll man froh über viele Überlebende oder bestürzt über die Opfer sein? All diese Fragen springt der Film kurz an (und werden vom Trailer als dessen Schwerpunkt suggeriert), um sie dann links liegen zu lassen.

Denn in „Flight“ steht nicht der Pilot William „Whip“ Whitaker im Fokus, sondern der Alkoholiker Whilliam. Der wird von Denzel Washington auch ganz fantastisch verkörpert, der diesen kaputten Menschen wunderbar darstellt und dem man in jeder Sekunde glaubt, dass Whip gerade nichts lieber tun würde, als am nächsten Jack Daniels zu nippen. Was umso bedauerlicher ist, denn John Gatins‚ Drehbuch ist ganz klar der Schwachpunkt bei „Flight„, das auch Robert Zemeckis‚ saubere Regiearbeit nicht retten kann. Das Drama entwickelt sich anfangs noch ganz spannend und in stellenweise tollen Dialogen, nur um dann jeden emotionalen Kniff mitnehmen zu wollen und so einerseits unglaubwürdig, andererseits belanglos zu werden. Da muss es natürlich eine Liebesgeschichte geben, es muss die Familie einbezogen werden und das Ende ist dann so triefend hollywoodig, dass man selbst gerne Jackie und Jim zuhilfe holen und sich von beiden ein großes Glas einschenken möchte. Mehrmals.
Ich bin auch dafür, bei einem so schweren Thema durch Humor eine Leichtigkeit hineinzubringen. Dafür ist Whips Kumpel und Dealer Harling verantwortlich. John Goodman scheint dafür mit seiner abgedrehten Art direkt „The Big Lebowski“ entstiegen zu sein und noch schnell 3 Lines gezogen zu haben, und in diesem Ton verlaufen auch die Szenen mit seiner Beteiligung. Vor allem die letzte ist an der Stelle dann aber höchst unpassend und zeigt, dass Gatins keine Ahnung hatte, wohin er mit seinem Drehbuch überhaupt wollte.

Fazit

Ich weiß nicht, wer in Hollywood für die Trailerproduktion zuständig ist, aber vermutlich wussten diese Leute nicht, was sie da verkaufen sollen. Oder, was schlimmer wäre, sie wussten es nur zu gut. Jedenfalls lässt der Film ein vielversprechendes Thema einfach so fallen, um sich dann um seine zwar interessante, aber größtenteils höchst durchschnittlich geschriebene Alkoholgeschichte zu drehen. Fans von Denzel Washington werden ihren Spaß damit haben. Die Drogenproblematik wurde in anderen Filmen bedeutend besser umgesetzt.

Von mir gibt’s 5/10 Punkte.

Gesehen: BD / englisch
Genre: Drama
Eckdaten: 2012 / 138 Min / FSK 12
Regie: Robert Zemeckis

Andere Meinungen: Der Kinogänger (7/10), Ergothek (4/5)

2 Kommentare

  1. Mich würde der Film nur reizen, weil ich Zemeckis‘ Realfilme sehr mag und das ja nun der erste seit Jahren ist. Die Thematik dagegen interessiert mich nicht sonderlich.

    1. Dann wirst Du wahrscheinlich nicht allzu enttäuscht sein. Von der Form her ist der Film sehr ordentlich, Zemeckis hat auf dem Regiestuhl vieles richtig gemacht.

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