Für Kinder der ’80er und alle anderen: Der Sohn von Rambow (Son of Rambow) | Film

Oi! The bacon’s burning!
– Lawrence Carter

Immer derselbe Mist. Da kommt ein Actionfilm raus, feiert großen Erfolg und kurze Zeit später gibt es den DVD release eines Nachmacherfilms, der einen stark ähnelnden Namen hat, aber fürchterlich schlecht ist. „Transformers“ wird zu „Transmorphers“ , „Iron Man“ zu „Metal Man“ oder „Alien vs Predator“ zu „Alien vs Hunter“ . „Rambo“ war solch ein großer Titel, und 2007 dachte sich ein britischer Filmemacher, dass er den guten Ruf der Reihe ausnutzen, ein W anhängen und mit „Son of Rambow“ billig auf den Zug aufspringen könne?
Zum Glück ist das nicht der Fall und „Son of Rambow“ ein fantastischer Film, der paradoxerweise im Originalkopieren den Ramschfilmen in nichts nachsteht.

Er erhebt das sogar zur Prämisse. Denn nachdem der kleine Will Proudfoot zum ersten Mal eine Raubkopie von „First Blood“ gesehen hat, möchte er nichts lieber, als selbst einen Film drehen. Das Schicksal will es, dass er im gleichaltrigen Rabauken Lee Carter einen Gefährten mit Kamera und gleichem Interesse kennenlernt. Und so machen sich beide in einem verschlafenen englischen Örtchen inmitten der 1980er und gegen jegliche Widerstände daran, ihren Traum zu verwirklichen.

Zwei kleine Wermutstropfen gibt es für mich. Einerseits habe ich noch nie „Rambo“ oder einen der Nachfolger gesehen, was ich nach „Son of Rambow“ aber dringend nachholen werde. Und dann wurde ich Anfang der ’80er geboren, was mich diese Zeit als kleinen Knirps nur mäßig aktiv erleben ließ. Beides sorgte dafür, dass ich vermutlich nicht alle Anspielungen in „Son of Rambow“ an „Rambo“ und vor allem diese Zeit entdeckt habe. Dennoch stechen im Bezug auf das Jahrzehnt so einige Dinge sofort ins Auge: Die Klamotten der meisten Charaktere sind volle Kanne ’80er, die Ausstattung überhaupt. Der New Wave-Einschlag von abgedrehter Frisur und dunklem Make Up findet sich in einer garandiosen Nebenfigur wieder und dann schöpft der Soundtrack aus den Vollen: Duran Duran, The Cure, Depeche Mode, sie alle sind dabei und werden meist nur kurz, aber überaus wirkungsvoll eingesetzt.

Aber auch inhaltlich bin ich von „Son of Rambow“ begeistert. Die Geschichte von Will und Lee Carter ist eng mit ihrer sich entwickelnden Freundschaft verknüpft, die anfangs nicht vorhanden ist. Hier der schüchterne Will, der nach dem Tod des Vaters mit seiner Mutter in einer strengen Glaubensgemeinschaft lebt, die weder Musik noch Filmgucken duldet. Seiner Fantasie lässt Will daher in seinen Zeichnungen freien Lauf, bis er zum allerersten Mal überhaupt einen Film zu Gesicht bekommt, eben „Rambo„. Dies kann nur geschehen, weil er auf Lee Carter trifft, den Schrecken der Lehrer, der allein in der Obhut seines älteren Bruders ist. Lee Carter ist der tragischere Charakter der beiden, Will aber unbestritten der Protagonist und man wird das Gefühl nicht los, dass Regisseur und Autor Garth Jennings in ihm seine eigene Kindheit verarbeitet hat. Der Schlüsselmoment des erstmaligen „Rambo„-Schauens, die in Realität umgesetzte Fantasie und schließlich die Wirkung des Kinos auf beide Protagonisten ist ganz wunderbar erzählt und die Freundschaft dafür das Vehikel, welches dem Ganzen noch einen rührenden Touch verleiht. Gleichzeitig spricht Wills neu entdeckte Leidenschaft für Filme das Kind in mir an, denn wer hat früher nicht Film- oder Serienszenen nachspielen und seinen Mattscheibenhelden nacheifern wollen, auf wem haben gruselige Filmszenen nicht schlaflose Nächte bereitet? Wie toll das alles verwoben ist erkennt man dann, wenn das Filmprojekt im Verlauf stärker und stärker auf Will und Lee Carter sowie deren Beziehung einwirkt.

Während es einen kleinen Abzug hinsichtlich zweier überflüssiger Randcharaktere gibt, hat mir auch die Inszenierung des Films sehr gut gefallen. Nicht nur wird mit Wills Fantasie in der realen Welt gespielt, es gibt zudem immer wieder so komische wie surreale Schnipsel, die die Welt unwirklich erscheinen lassen und dadurch eine traumähnliche und leichtfüßige Atmosphäre schaffen. Auch dadurch wird man als Zuschauer des Films in die Welt von Will hineingezogen.

Fazit

Schon allein der grandiose englische Dialekt von Will Poulter als Lee Carter ist die Sichtung wert. Darüber hinaus bekommt man mit „Son of Rambow“ einen so lustigen wie stellenweise tragischen Film über ein popkulturell spezielles Jahrzehnt, eine Freundschaft, die machtvolle Wirkung von Filmen, Kindheitsprobleme und obendrauf eine Schnellabhandlung über die Schwierigkeiten einer Filmproduktion, der sowohl mit Geschichte als auch Charakteren überzeugt und von seiner Stimmung her mit dem wunderbaren „Die Karte meiner Träume von Jean-Pierre Jeunet gleichzieht und auch vom fantastischen „Moonrise Kingdom nicht allzu weit entfernt ist. Zu letzterem fehlt ihm dann doch die inszenatorische Raffinesse von Wes Anderson, aber insgesamt bin ich absolut begeistert.

Gesehen: BD / OmU

Wiederschaupotential: garantiert

Lieblingscharakter: Lee Carter.
Lieblingsszene(n): Will fällt in’s Wasser.

Eckdaten

Genre: Komödie / Tragik
Herkunftsland: GB / F / D
Eckdaten: 2007 / 96 Min / FSK 6
Regie: Garth Jennings
Drehbuch: Garth Jennings

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