Gangster Squad | Film

Ich bin gerade im Gangsterfilm-Fieber. Nach dem großartigen L.A. Confidential liegt die Latte allerdings extrem hoch. Und um die Spannung gleich zu verderben: „Gangster Squad“ kommt nicht in diese Höhen. Dennoch kann man mit dem fast zweistündigen Retro-Thriller seinen Spaß haben, wenn man denn die Erwartungen entsprechend anpasst. Und keine Vergleiche zieht.

Brennendes Auto im Hintergrund, Gangster im Vordergrund. Oder doch nicht?  | Quelle: Gangster Squad / Warner Bros.
Brennendes Auto im Hintergrund, Gangster im Vordergrund. Oder doch nicht? | Quelle: Gangster Squad / Warner Bros.

Denn in Sachen Story und Charakterentwicklung kann „Gangster Squad“ dem Erstgenannten nicht ansatzweise das Wasser reichen und deshalb sind für mich die Vergleiche in diversen Rezensionen absolut unverständlich. Die Geschichte um dem Polizisten John O’Mara (Josh Brolin), der sich zusammen mit seinem Team aufmacht, um das L.A. der Nachkriegszeit vom Gangsterboss Mickey Cohen (Sean Penn) zu befreien, bietet einen geradlinigen Verlauf ohne Wendungen und Schnörkel, wie man ihn in den besten Action-Blockbustern findet. Raffiniert aufgeworfene Moralfragen, großartig mit ihren Handlungen hadernde Protagonisten oder ein sich langsam aufdeckendes Gewirr aus Polizei, Justiz und Unterwelt sucht man vergebens. Von Anfang bis Ende ist es Gut gegen Böse, Polizei gegen Gangster. Einzig die Grundsatzfrage, ob man noch einen Unterschied erkennen kann, wenn Polizisten ihre Marke ablegen und es den Verbrechern mit gleicher Münze heimzahlen, könnte man sich stellen. Sie wird aber von „Gangster Squad“ genauso wenig ausdrücklich thematisiert wie von allen „Die Hards“ und „James Bonds“ dieser Welt.

Hat man sich von der Erwartung an ein „L.A. Confidential 2“ verabschiedet, dann kann man das Popcorn in die Hand nehmen und einen Heidenspaß mit dem sehr gut inszenierten Film haben. Das düstere Setting im L.A. der späten 1940er Jahre bietet in Sachen Ausstattung alles, was das Herz begehrt: leuchtende Neonreklamen, schnittige Oldtimer, stilvolle Schlapphüte, dunkle Seitenstraßen und die musikunterlegten Besuche in den Nachtclubs sorgen für eine schöne Atmosphäre, auch wenn die Bilder an wenigen Stellen etwas zu bemüht auf Alt getrimmt sind. Gut choreografierte Verfolgungsjagden und zünftige Schießereien sorgen für Kurzweil und dank nicht allzu übertriebener Gewaltdarstellung kann man sich das auch im Beisein zartbesaiteter Gemüter angucken. Regisseur Ruben Fleischer hat hier insgesamt eine ordentliche Arbeit gemacht.

Der Cast ist gespickt mit namenhaften Darstellern wie Sean Penn, Ryan Gosling oder Emma Stone, die ihren Part routiniert abliefern und den Charakteren passende Gesichter geben, aber keine Meisterleistung zeigen. Eine solche fordern das Drehbuch und die Dialoge aber auch nicht ein. Einzig Emma Stone fand ich mit ihrem sehr jugendlichen Aussehen als Femme Fatale etwas fehlbesetzt.

„Gangster Squad“ verhält sich zu „L.A. Confidential“ wie „Django Unchained“ zu „12 Years a Slave“. Man bekommt einen Popcornfilm mit viel Action und nicht übermaßig viel Sinn, der durch sein Setting und die Inszenierung funktioniert und für Kurzweil sorgt. Nichts, was man unbedingt geschaut haben muss, mit dem man aber seinen Spaß hat.
Von mir gibt’s 7/10 Punkte.

Gesehen: Blu-ray / englisch

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