George R.R. Martin: Planetenwanderer (Tuf Voyaging) | Buch

„Game of Thrones“ ist derzeit jedenfalls unter Serienfans ja in aller Munde. Der Schöpfer der Buchvorlage, George R.R. Martin, hat sich jedoch auch schon an gänzlich anderen Projekten versucht. Science Fiction ist so eine Genre-Richtung, und in dieser liegt „Planetenwanderer“ beziehungsweise im Original „Tuf Voyaging“.

Insbsondere der deutsche Titel lässt schon erkennen, dass es um Weltraumreisen geht. Diese führt Haviland Tuf durch, ein kleiner Händler, der mit seinem Schiff, der „Arche“, in einer Galaxis weit von der heutigen Erde entfernt herumschippert und diverse Planeten besucht. Diese haben allesamt ein Problem: ihr Ökosystem oder ihre Gesellschaft ist aus dem Gleichgewicht geraten. Wie gut, dass die „Arche“ in Sachen Biotechnik mit ihrer Zellbibliothek ein Alleinstellungsmerkmal hat und das Klonen und Züchten an Bord kein Problem darstellt…

„Planetenwanderer“ ist in sieben große Kapitel unterteilt, in denen sich Tuf jeweils eines anderen Problems annimmt. Diese Geschichten könnten problemlos auch für sich selbst stehen und tatsächlich verrät ein Blick in den englischen Wikipedia-Artikel, dass die Geschichten zuerst als zusammenhängende Kurzgeschichten geschrieben wurden, ehe sie in „Tuf Voyaging“ zu einem Buch zusammengefasst wurden.

Dieses Erbe merkt man dem Buch sowohl in der Geschichte als auch im Schreibstil desöfteren an. Der rote Faden besteht im Grunde allein aus Tuf und seinem Schiff, die Abenteuer, die er besteht, sind nur in bestimmten Fällen miteinander verknüpft. Da aber alle Geschichten einen Aspekt einer Gesellschaft oder eines Umweltproblems aufgreifen, passen sie dennoch einigermaßen gut zusammen. Man darf jedoch kein Science Fiction-Kracher mit viel Action und auch kein Epos à la „A Song of Ice and Fire“ erwarten (auch wenn letzteres marketingtechnisch gelungen auf der Buchrückseite steht). Es geht in erster Linie wirklich um – unterhaltsam verpackte – Gesellschaftskritik und da die Geschichten nur lose miteinander verbunden sind, hat man auch kein Wirrwarr an Entwicklungen und Charakteren zu befürchten. Das Science Fiction wird durch die Geschichte und insbesondere durch den Prolog und die erste Geschichte zwar unterstellt, danach geht es allerdings stark in Richtung Fantasy Fiction. Es werden viel mehr obskure Tiere beschrieben als irgendwelche Außerirdischen oder besondere Technik. Düster, so wie es der Prolog vermuten lässt, wird es zudem auch nie.

Schreibtechnisch fällt der Kurzgeschichtenzusammenschluss dadurch auf, dass das Innenleben der „Arche“ desöfteren wiederholend geschildert wird. Das beschränkt sich bis auf die erste und zweite Geschichte jedoch zum Glück nur auf wenige Sätze, weshalb es nicht allzu sehr stört. Ansonsten fand ich sowohl die Beschreibungen als auch die vielen Dialoge sehr unterhaltsam geschrieben. Der Protagonist hat einen interessanten Charakter, von dem man bis zum Schluss nicht so recht weiß, was man von ihm halten soll. Was er in den einzelnen Episoden vorhat, offenbart sich meistens erst auf den letzten Seiten des jeweiligen Kapitels. Wohl auch eine Überbleibsel des Kurzgeschichten-Charakters.

„Planetenwanderer“ ist nichts, was man zwingend gelesen haben muss. „Echte“ Science Fiction bekommt man nicht, stattdessen eine in eine nicht immer koheränte, aber solide Geschichte verpackte Gesellschaftskritik, die mehr Fantasy als Sci-Fi ist. Punkten kann das Buch vor allem mit dem merkwürdigen Protagonisten sowie mit dem damit verbundenen Dialoghumor.

Von mir gibt es 7/10 Punkte.

Gelesen: deutsche Erstausgabe

Eckdaten: 2013 (Original von 1986) / 510 Seiten

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