Ich lerne Filme (1) – Horizontale Bewegung in der Szene

Ich will bei vielen Filmen nicht nur unterhalten werden, sondern zumeist auch irgendetwas lernen. Ich will verstehen, warum ein Film so wirkt, wie er wirkt. birne Ich will verstehen, wie hinterhältig und gemein mich ein Filmemacher manipuliert und mit was er meine Emotionsknöpfchen drückt. Ein ganzes Filmstudium hierzu wäre zwar sicher interessant, jedoch zeitlich nicht machbar. Anstatt also jetzt meinen Laienstatus dadurch zu überwinden, langwierig dicke Bücher über Filmtheorie zu wälzen, bin ich lieber ganz 2.0 unterwegs und fische mir lesenswerte Beiträge sowie informative Videos aus dem Internet. Dabei stolpere ich immer wieder über Dinge, die es verdienen, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten.
Das hier soll eine neue Rubrik werden, in der ich ebendiese Beiträge vorstellen möchte.

Heute soll es um horizontale Bewegung in Szenen gehen. Mir ist dieser Effekt vor allem im Intro von „The Sopranos“ aufgefallen: Die scheinbar dauernd wechselnde Fahrt- bzw. Blickrichtung aus dem Auto heraus hat auf mich eine ganz unruhige Wirkung. Es fühlt sich irgendwie falsch an, wenn das Auto vermeintlich von rechts kommend links aus dem Bild fahren würde, wenn die Kamera auf der Fahrerseite außerhalb des Autos stünde. Obwohl es logisch immer dieselbe Richtung ist, in die Tony fährt (beziehungsweise es logisch egal ist, in welche Himmelsrichtung er in der Handlung fährt), haben die Bilder auf mich eine ganz andere Wirkung, wenn die Kamera vom Beifahrersitz aus seine rechte Seite filmt oder aber aus dem Beifahrerfenster guckt und die Szenerie von links nach rechts zieht (und damit das Auto von rechts nach links fährt).

Warum das so ist, darauf habe ich im Video „Lateral Character Movement in Film“ eine Erklärung gefunden. Hier wird nicht nur gezeigt, warum es in der westlichen Welt „normal“ und damit beruhigender ist, von links nach rechts zu schauen, sondern auch, dass Filmemacher diesen Effekt bewusst für Bildaussage und Szenenkomposition nutzen.

Mit dem Wissen um diesen Effekt ergibt das „Sopranos„-Intro auch inhaltlich absolut Sinn: Es geht in der Serie um einen psychisch komplexen Charakter, der Hochs und Tiefs durchläuft, gehetzt ist und nicht weiß, wie er mit den ganzen Konfrontationen umgehen soll. Dieses Gefühl wird mit dem Intro (in meinem Fall jedenfalls) perfekt auf den Zuschauer übertragen.

Wieder was gelernt!

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