Ich lerne Filme (2) – Digitale Bildmanipulation

Eigentlich sollte ich mich nicht darüber wundern. Denn die Bildmanipulation ist in der Fotografie seit jeher gang und gäbe und mit dem Einzug der Digitalfotografie praktisch unbegrenzt möglich. Die Pixelschubserei ist mit einen Mausklick erledigt und schon sind Objekte im Bild, die in der Realität nie vor Ort waren, der Himmel ist grün oder der Waschbärbauch auf wundersame Weise in einen Sixpack verwandelt. Dass man seit Dekaden in der Filmbranche auf CGI zurückgreift und ganze Szenen am Computer „gefilmt“ werden, ist ebenfalls hinlänglich bekannt.

Dass jedoch die Bildmanipulation abseits von Tonung und Weichzeichner auch längst bei Filmen Einzug erhalten hat, die kein green-screen-Gewitter zelebrieren, hat mir ein Tutorial zu der Videobearbeitungssoftware After Effects gezeigt. In seinem Video „Invisible Split-Screen Tutorial“ erklärt Benjamin Gill nicht nur, wie man mehrere Versionen der gleichen Szene miteinander mischt, sondern vor allem auch den Grund dafür. Anhand von Szenenfotos aus Filmen von David Fincher zeigt er außerdem (zumindest einen Grund auf), warum der Regisseur auf wackelfreie Aufnahmetechnik setzt.

Ich hätte mir denken können, dass das, was in der Bildbarbeitung durch den Einsatz von Ebenenmasken simpel umsetzbar ist, bei den Profis in der Filmbranche natürlich auch zum Einsatz kommt. Nur habe ich bisher einfach nicht darüber nachgedacht. Das Video hat mir aber wiederum einige Folgeinformationen offebart.
Das Gute: Es zeigt, mit welcher Detailverliebtheit (viele) Filmemacher an ihre Werke gehen. Da wird nicht die kleinste Nebensächlichkeit dem Zufall überlassen. Das Streben nach Perfektion in jeder Szene merkt man Filmen vielleicht nur unterbewusst an, aber es dürfte wohl kein Zufall sein, dass Finchers Filme — ähnlich wie die von Wes Anderson oder anderen Regisseuren, die auf überlegte Bilder Wert legen — zu den guten gehören.

Worüber man hingegen auch nachdenken kann: Den Wert von guter Schauspielerei. Wie bei jeder Manipulation kann man sich mit dem sicheren Wissen, dass Szenen in Frankenstein-Manier komplett zusammengewürfelt werden können, nicht mehr sicher sein, dass der nächste Oscar für die beste Schauspielerei wirklich verdient ist. Vielleicht könnte man ihn doch lieber demjenigen überlassen, der in der post production die Schieberegler bedient hat…

Wieder was gelernt!

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2 Kommentare

  1. Ja, wirklich sehr interessant! Mir ist die Technik auch bekannt, doch sie in großen Produktionen so direkt umgesetzt zu sehen, ist schon faszinierend. Man kann einfach nix mehr glauben! 😀

    1. Allerdings. Was ich mich nur gefragt habe: Haben sie das auch schon vor der Digitaltechnik gemacht? In der Theorie müsste das Zusammenschneiden von physischem Film möglich sein, nur halt dezent aufwändiger als heutzutage. 🙂

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