Jim Carroll: In den Straßen von New York (The Basketball Diaries) | Film

Beim Thema Drogen kann ein Filmschaffender ziemlich schnell ins Klo greifen. Insbesondere dann, wenn der Stoff ( 😉 ) als Drama umgesetzt werden soll, besteht der Balanceakt darin, die Abgründe aufzuzeigen, in die der Drogensüchtige fällt, gleichzeitig aber auch den Weg nachzuzeichnen, auf dem er überhaupt mit dem Zeug in Verbindung kommt. An irgendeinem Punkt muss die Person ja mal positive Erfahrungen damit gemacht haben, sonst wäre sie wohl kaum abhängig geworden. Konzentriert man sich zu sehr auf letzteres, dann kommt der Film schnell als drogenverharmlosend rüber.

A Pillchen a day keeps the doctor away: Jim (Leonardo DiCaprio) bedient sich am Medizinschrank. | Quelle: The Basketball Diaries DVD / Palm Pictures
A Pillchen a day keeps the doctor away: Jim (Leonardo DiCaprio) bedient sich am Medizinschrank. | Quelle: The Basketball Diaries DVD / Palm Pictures

Am Thema Drogensumpf haben sich schon einige Filme versucht, aber kaum einer hat mich so gefesselt wie „The Basketball Diaries“. Als ich etwa im Alter des Protagonisten war, flimmerte der 1995 erschienene Film innerhalb kurzer Abstände mehrmals über den TV-Bildschirm. Auch deshalb bin ich wohl nach wie vor fasziniert von Jim Carrolls Lebensweg von einem jungen Basketballstar an der High School, der mit seinen Kumpels Unfug treibt, hin zu einem Heroinjunkie, für den es nichts anderes mehr gibt im Leben.

Es ist durch und durch eine Lebensgeschichte, die man erzählt bekommt. Die Drogensucht ist in diesem Abschnitt in Jim Carrolls Leben ein großes bzw. das entscheidende Thema. Das Drama hält sich jedoch nicht allein daran fest, sondern zeigt auch noch andere Ereignisse in Jims Leben, die ihn prägen. Schule, seine Mutter und nicht zuletzt seine Freunde sind zwar nur Nebenhandlungen, aber teils entscheidend. So entsteht ein packendes Drama mit einem Hauch Coming-of-Age, welches mir auch heute noch ziemlich an die Nieren geht.
Als Jims Leben endgültig umschlägt, spart der Filme nicht mit drastischen Bildern. Überhaupt mochte ich den dreckigen Look des Films, der perfekt zum trostlosen Inhalt passt. Das Setting im unendlich dreckigen, verlotterten, düsteren Brooklyn der 1980er, in dem saubere Straßen und Sicherheit ein Utopie ist, tut sein übriges.

Handwerklich wirkt „The Basketball Diaries“ etwas altbacken und an mancher Stelle wie eine TV-Produktion. Insbesondere bei den vielen – mit passender Musik unterlegten – Montagen und Jims Fantasien hat sich Regisseur Scott Kalvert ausgetobt. Dort sieht man dem Film Kalverts Wurzeln in der TV-Ecke deutlich an und man fühlt sich an das gute alte MTV erinnert, also das ohne Klingeltonwerbung und Realityschrott. Ganz so optisch abgedreht wie in „Requiem for A Dream“ wird es allerdings nicht.

Absolut überzeugen kann hingegen der Cast. Allen voran Leonardo DiCaprio zeigt eine beeindruckende Vorstellung, man nimmt ihm den Junkie zu jedem Zeitpunkt ab, leidet beim Versuch eines kalten Enztzugs mit ihm und hat Mitleid, wenn er verzweifelt vor der Haustür seiner Mutter zusammenbricht. Auch vor Mark Wahlberg als skrupellosem Schläger hat man Angst.

Auch wenn mich dieser Film seit meiner Jugend begleitet hat und ich deshalb etwas voreingenommen bin, so glaube ich dennoch, dass man auch heute noch mit „The Basketball Diaries“ ein starkes Drama mit tollem Hauptcharakter hat, dessen handwerkliche Schwächen hinter der Geschichte verblassen.
Von mir gibt es 9/10 Punkte.

Gesehen: DVD / englisch

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