Katja Eichinger: BE | Buch

Gestern habe ich die Biografie von Bernd Eichinger zuende gelesen. Ich lese nicht oft Biografien und von Bud Spencers „Mein Leben, meine Filme“ war ich absolut enttäuscht: Ein kurzer Abriss der Jugend, dann seelenloses Auflisten von Filmprojekten ohne wirkliche Details und Insiderberichte. Selten hat mich ein Buch so gelangweilt, was gerade im Hinblick auf die Person, deren Leben darin erzählt wurde (oder besser: werden sollte), grandios traurig war. Zum Glück habe ich dann für kleines Geld „BE“ in einem Buchladen gefunden und mitgenommen. Das Buch lässt mich wieder daran glauben, dass es auch gute und vor allem interessante Werke dieser Literaturart gibt.

Der Name Bernd Eichinger war mir zwar immer ein Begriff, aber wie das mit den Leuten hinter der Kamera so ist, die genauere Geschichte der Person kannte ich nicht, ja nichtmal das Gesicht hätte ich problemlos zuordnen können. Dabei hat Bernd Eichinger so einiges für das deutsche und internationale Kino getan, auch wenn (oder gerade weil) nicht alle Filme, an denen er als Produzent, Regiesseur, Verleiher und Berater mitgewirkt hat, das Prädikat „wertvoll“ bekommen haben. Die Palette reicht von „Das Boot“ über „Der Name der Rose“ bis hin zu „Ballermann 6“ und den großen Politfilmen wie „Der Untergang“ und „Der Bader Meinhof Komplex“.

Das größte Plus des Buches ist, dass mit Katja Eichinger seine Ehefrau die Biografie geschrieben hat. Sie erzählt Bernds Lebensgeschichte anhand seiner Karriere, ohne die Jugend zu vernachlässigen. Es werden nicht alle Filme detailliert abgehandelt, insbesondere die „Quatschfilme“ („Erkan & Stefan“, „Werner“, „Ballermann 6“) werden nur erwähnt. Dafür legt Eichinger den Fokus auf die großen Filme und zeigt an ihnen auf, was sie für Bernd Eichinger bedeuteten, wie seine Arbeitsweise war und somit, wie sein Leben Einfluss auf sie genommen, aber andersherum die Filme ihn auch verändert haben. Katja Eichinger schreibt dabei nicht wie ein distanzierter Ghostwriter, sondern sehr persönlich und aus ihrer Sicht, ohne allzu viel Objektivität zu verlieren. Das Buch entwickelt sich nicht zu einer postumen Lobhudelei, es ist vielmehr eine lange Erzählung, der man die Liebe der Autorin zum „Hauptcharakter“ vollends anmerkt.

„BE“ ist zwar zeitlich und vor allem später nach den großen Filmproduktionen aufgebaut, dennoch werden viele Einschübe gemacht, die thematisch gerade passen. Zahllose Anekdoten vom Dreh oder den Produktionen, von der Arbeit in der Constantin Film, aber auch zu fremden Produktionen, an denen Bernd Eichinger nicht direkt beteiligt war, machen das Buch unglaublich abwechslungsreich. Viele Interviews mit Weggefährten lassen es nicht langweilig werden. Auch wenn dadurch eine gewisse Unordnung entsteht, bleibt die Entwicklung Eichingers immer im Vordergrund und alle Informationen bieten einen Mehrwert, um Bernd Eichinger und seine Art, den Beruf des Produzenten auszuüben, ein bisschen kennenzulernen. Seine Wirkung auf das deutsche Kino kann man daran ebenfalls gut nachvollziehen.

Für mich ist „BE“ ein äußerst gelungener Versuch, einer großen Persönlichkeit des deutschen Kinos ein Gesicht zu verschaffen. Dabei kann man problemlos verschmerzen, dass das Buch nicht überkritisch ist und die Autorin erkennbar (und verständlicherweise) auf der Seite von Bernd Eichinger steht.
Von mir gibt es 9/10 Punkten.

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