Kick-Ass | Film

Als Kind habe ich liebend gerne Comics gelesen. Asterix oder die Disneygeschichten waren da erste Wahl. Als auch in der Jugend noch das ein oder andere Comic in meinen Händen zu sehen war, dann vornehmlich die Superhelden, wurde mir von den älteren Herrschaften gerne vorgeworfen, dass das ja nur was für Kinder sei und ich mir doch bitte altersangemessene Literatur vornehmen sollte.
Mich würde deshalb stark interessieren, wie die Meinung dieser Menschen zu „Kick-Ass“ ist. Denn eins kann man dem Film nicht vorwerfen, dass er nämlich für Kinderaugen gemacht ist.

Trio Infernale. V.l.n.r.: Kick-Ass, Hit Girl und Batman...Verzeihung: Big Daddy. | Quelle: Kick-Ass DVD / Universal
Trio Infernale. V.l.n.r.: Kick-Ass, Hit Girl und Batman…Verzeihung: Big Daddy. | Quelle: Kick-Ass DVD / Universal

Denn die Geschichte vom Normalo Dave ist zumindest bildlich alles andere als FSK6-tauglich. Comicnerd Dave fragt sich, warum es in der echten Welt keine Superhelden gibt. Er geht sogar weiter und beschließt, selbst einer zu werden. Dabei trifft er zwar ganz comictypisch auf finstere Gestalten und auf viele Möglichkeiten, seinen Mitmenschen zur Hilfe zu eilen. Er muss jedoch auch feststellen, dass seine Lieblingslektüren verschwiegen haben, wie brutal und lebensgefährlich der Superheldenjob beizeiten doch sein kann…

„Kick-Ass“ kommt als kunterbunte und absolut großartig inszenierte Satire auf den Superheldencomickult daher. Storyverlauf, Figuren oder die Aushebelung der Physik sind Schablonen entnommen, die auf die vielen Batmans und Supermans dieser Welt passen. Es gibt Superhelden und eine schwierige Liebe, einen Antagonisten und selbst das Comic im Film zum Comic. Das alles ist innerhalb der „Kick-Ass“-Welt selbstironisch angelegt und insgesamt so skurril, schwarzhumorig und mit soviel Witz zusammengemixt, dass es einfach Spaß macht, der vorhersehbaren Geschichte und dem Schicksl von Dave alias „Kick-Ass“ zu folgen. Eben ganz so wie bei den „echten“ Comics. So entsteht auch durch diverse Anspielungen in Form von Kulissen, Namen und Kostümen eine Hommage an eben diese bunte, sich selbst ernstnehmende Comicwelt, die trotz der längst bekannten Elemente keine Sekunde langweilig wird.

Der schwarze und mitunter derbe Humor dominiert in fast jeder Szene. Dafür ist vor allem „Hit Girl“ (Chloë Moretz) verantwortlich, eine 11 jährige Superheldin, die nicht davor zurückschreckt, mit allerhand scharfen Gegenständen ihre Gegner buchstäblich zu zerschreddern. Zusammen mit Batman-Verschnitt „Big Daddy“ (ein guter Nicholas Cage) ist sie schon viel länger im Superheldengeschäft als Dave und unendlich viel abgebrühter. Den hohen Gewaltgrad und die Fäkalsprache hat der Film von seiner Comicvorlage geerbt, welche er auch in storytechnischer Hinsicht fast 1:1 kopiert.

Der ganze Film ist so abgedreht und vor allem die Actionszenen sind optisch so surrealistisch inszeniert und mit einem genialen, passend-unpassenden Soundtrack unterlegt, dass man eigentlich nie auf die Idee kommen kann, dass sich der Film selbst ernstnimmt. Das Paradoxon, dass die unrealistische Superheldenwelt in die (Film-) Realität gezogen wird und ein Mensch ernst macht mit dem Superheldenjob und dadurch „Kick-Ass“ doch wieder ernste Momente beinhaltet, das ist es, was den Film so toll macht.

Mir hat die abgedrehte Actionkomödie auch beim x-ten Mal noch viel Spaß gemacht. Ein großartiger Popcornfilm, der den Comics und ihren Lesern den Spiegel vorhält, ohne sie zu kritisieren oder sich über sie lustig zu machen, der sich nicht ernstnimmt und der so toll inszeniert ist, dass man sich einzelne Szenen immer und immer wieder ansehen möchte. Und diesem Film bzw. der Comicvorlage würde wohl niemand das Label „Nur was für Kinder“ aufdrücken.
Von mir gibt es 9/10 Punkte.

Gesehen: DVD / englisch

Eckdaten: 2010 / 117 Min / FSK 16
Genre: Comicverfilmung / Action / Comedy
Regie: Matthew Vaughn

4 Kommentare

    1. Das ist ein Film, der mindestens jährlich einmal im Player rotiert. Genauso wie „Zombieland“, der schlägt ja ein bisschen in dieselbe Kerbe.

      Den zweiten Teil habe ich noch nicht gesehen bzw. auch noch nicht gelesen. Bei Nachfolgern von kleinbudgetierten Filmen und Überraschungshits bin ich immer etwas skeptisch. Wobei ich gesehen habe, dass der zweite Teil dasselbe Budget hat.

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