kleines Review: Matin M-6399 Regenschutzhülle

Da es ja im Moment nicht so aussieht, als ob man in diesen Regionen jemals nochmal die Sonne über einem Footballfeld erblicken wird, kommt der neuste Zugang in meiner Fotoausrüstung gerade recht. Ich habe mir für das Fotografieren eine Regenschutzhülle gekauft, die meinen bisherigen „Schutz“ in Form eines über Kamera und Objektiv gelegten Handtuchs zumindest teilweise ersetzen soll.

Warum?
Dem Handtuch habe ich insbesondere bei starkem Regen nicht mehr so richtig vertraut, auch wenn bisher alles gut gegangen ist. Einmal verrutscht und schon lief das Wasser am Gehäuse entlang. Und auch mit den günstigen Selbstbaulösungen à la Gefrierbeutel war ich nie so richtig zufrieden, weil alles ge- und verrutscht ist.
Bei der Suche bin ich dann sowohl beim Matin M-6399 als auch beim JJC-RI85 hängengeblieben. Beide hatte ich noch nie in der Hand oder live gesehen, deshalb fiel die Wahl letztenendes auf den Schutz von Matin, weil er mir auf den Bildern als der kompaktere und handlichere vorgekommen ist.

Was?
Der Matin M-6399 ist laut Webseitenbeshreibung sowohl als Schutz gegen Nässe, Staub und Kälte nach innen sowie als Geräuschdämmung nach außen hin gedacht. Letzteres ist bei der Sportfotografie – zumal beim Feldsport – nie ein Problem, für Konzertfotografen oder bei Aufnahmen in der Wildnis, wo man auf das Gehör von Tieren achten muss, könnte das ein Faktor sein.

Die  recht voluminöse Schutzhülle neben einer Eos 40D mit angesetzten EF 200mm 2.8 II
Die recht voluminöse Schutzhülle neben einer Eos 40D mit angesetzten EF 200mm 2.8 II

Kälte- und Geräuschschutz werden durch eine Fütterung geboten, über die die wasserabweisende Haut gezogen ist. Dadurch ist der Schutz ziemlich voluminös und beansprucht dementsprechend Platz in der Fototasche. Man kann ihn allerdings unproblematisch knautschen und so noch etwas verkleinern. Auf dem Bild oben sind alle Klettverschlüsse geschlossen, der Schutz aber nicht gefaltet. Geliefert wird er in einer wiederverschließbaren Plastiktüte/-packung, die gut als Transporthülle dienen kann und verhindert, dass der nasse Schutz nach getaner Arbeit die Fototasche von innen wässert.
Haptisch erinnert der Schutz aufgrund der Fütterung an eine extrem billige Regenjacke. Das soll aber nicht stören, solange er dicht hält.
Die Verarbeitung ist soweit ich das sehe ordentlich. Die Klettverschlüsse sind sauber an- und die restlichen Nähte gut vernäht.

Frontansicht der Hülle. Links der Handeingriff, vorne der Objektivschutz.
Frontansicht der Hülle. Links der Handeingriff, vorne der Objektivschutz.

Der Schutz hat an der rechten Seite einen Eingriff für die Hand, der je nach Handgröße zwar passt, bei großen Händen ohne etwas Gefummel aber nicht ohne Weiteres über die Hand rutscht. Dafür ist durch den Abschluss sichergestellt, dass darüber kein Wasser an der Hand entlang ins Innere gelangt. Oben ist er durchgehend geschlossen, unten durch Klettbänder verschließbar. Die müssen dann auch geöffnet werden, wenn die Kamera hinein soll.
Vorne ist der „Rüssel“ mit Fixierkordel, der das Objektiv schützen soll. Über dem Rüssel befindet sich eine kleine Tasche, aus der man eine ziemlich große Verlängerung herausziehen kann. Diese Schutzhülle ist für sehr lange Objektive gedacht und wird wieder mit Klettverschlüssen um das Objektiv gelegt und vorne fixiert.

Der aufgeklappte Schutz von vorne. Unten sind die dreifachen Klettverschlüsse zu sehen.
Der aufgeklappte Schutz von vorne. Unten sind die dreifachen Klettverschlüsse zu sehen.

Auch der Rüssel hat unten Klettverschlüsse, sodass man letztendlich den gesamten vorderen unteren Teil (bis hinauf zum Rüssel) aufklappen kann.
Von unten wird der Schutz von einem dreifachen Klettverschluss zusammengehalten. Selbst wenn man also die Kamera mal falschrum halten müsste, würde auch dort kaum Wasser eindringen können.

Rückseite mit Sichtfenster.
Rückseite mit Sichtfenster.

Hinten befindet sich das große Sichtfenster aus Klarsichtplastik. In diesem gibt es eine Aussparung, um ohne Behinderung durch den Sucher gucken zu können. Diese Aussparung kann man mit einem kleinen Schutz verdecken, der sich darüber befindet. Da der Klettstreifen über diesem Schutz noch ein wenig weiter nach oben geht ist es kein Problem, selbigen umzuschlagen und „falschrum“ festzukleben. So fällt der Schutz bei Kamerabenutzung nicht über die Sichtaussparung und man hat einen kleinen Vorbau, der Wasser daran hindert, in die Aussparung zu fließen.

Wie?
Wenn es an das Einpacken der Kamera geht, wird es etwas fummelig, auch wenn es mit Übung wohl einfacher von der Hand gehen wird.

Die Kamera + Batteriegriff im offenen Schutz
Die Kamera + Batteriegriff im offenen Schutz

Da man mit einer ganzen Menge Klettverschlüsse hantieren muss ist es nicht so einfach, alles passend zu verkleben. Am einfachsten geht es anfangs, indem man den Schutz öffnet und so auf eine Fläche legt, dann die Kamera hineinlegt, nach und nach die Verschlüsse schließt und zum Schluss die Kordel am Objektivrüssel festzieht. Dank des mindestens doppelten, unten sogar dreifachen Klettverschlusses und der Stabilität der Hülle kleben die Klettverschlüsse aber meist da, wo sie hingehören und müssen nur selten nochmals angepasst werden.
Ob mir das auch freihändig gelingt wird man sehen. Ein einfaches und vor allem schnelles Auf- und Abziehen bei wechselndem Wetter ist mit dieser Konstruktion aber vermutlich nicht möglich.

Der geschlossene Schutz. Der Schultergurt der Kamera hängt seitlich aus dem Eingriff heraus.
Der geschlossene Schutz. Der Schultergurt der Kamera hängt seitlich aus dem Eingriff heraus.

Der Nachteil ist, dass man kaum Platz für den Schultergurt hat. Bei der 40D mit angesetztem Batteriegriff kann man ihn zusammengelegt unter dem Batteriegriff platzieren. Beim Verrutschen stört er dann aber schnell. Alternativ habe ich ihn aus dem Handeingriff heraushängen lassen. Das ist zwar auch nicht so komfortabel, innerhalb des Schutzes stört er dann aber nicht. Ein Umhängen der Kamera ist mit jedenfalls nicht möglich, solange der Schultergurt an den oberen Ösen der Kamera befestigt ist. Der Batteriegriff der 40D hat unten eine weitere Öse, sodass man den Gurt auch an dieser sowie an der oberen rechten Öse an der Kamera befestigen kann. Dann würde er in Richtung Handeingriff weisen (Die Kamera hinge dann um 90 Grad verdreht an der Schulter), was das Umhängen eventuell erleichtern würde.

Die eingepackte Kamera von der Rückseite. Die Augenmuschel fixiert die Aussparung im Sichtfenster.
Die eingepackte Kamera von der Rückseite mit aufgerollter Aussparungsabdeckung. Die Augenmuschel fixiert die Aussparung im Sichtfenster.

Da der Regenschutz nicht auf eine bestimmte Kameragröße normiert ist, haben auch größere Kameras darin noch recht viel Spiel. Das ist nachteilig für die Sucheraussparung im Sichtfenster, da sich der Sucher beim Bewegen der Kamera dann nicht immer direkt vor ihr befindet. Lösen kann man das recht einfach, indem man die Augenmuschel durch die Aussparung schiebt, wenn sie dafür klein genug ist. Bei der 40D habe ich die Augenmuschel abgenommen, den Sucher in der Aussparung platziert und die Augenmuschel dann von außen aufgesteckt. So wird die Kamera mit dem Sichtfenster verbunden und man hat mit dem Sucher kein Problem mehr. Bei dem oben verlinkten JJC-Regenschutz werden entsprechende Muscheln gleich mitgeliefert, diese „Selbstbaulösung“ funktioniert aber tadellos.

Die komplett verpackte Kamera mit ausgezogenem Objektivschutz
Die komplett verpackte Kamera mit (nicht annährnd komplett) ausgezogenem Objektivschutz

Zuletzt kann man bei Bedarf noch den verlängerten Objektivschutz ausziehen und mittels Klettband vorne am Objektiv bzw. an der Streulichtblende fixieren, was man wohl vor allem bei nicht abgedichteten Objektiven tun sollte. Der eigentliche Rüssel ist lang genug, um den Körper des Canon EF 200mm 2.8 II (136mm Länge) passgenau zu schützen. Mit der Verlängerung können dann aber auch deutlich längere Objektive inklusive der Streulichtblende geschützt werden. Diese kann man mit Klettverschluss rutschfest fixieren. Der Rüssel alleine lässt sich nur mit der Kordel fixieren, was zwar wasserdicht funktioniert, aber insgesamt etwas rutisch ist.

Quatsch nich‘, mach!
Beim Adler-GFLJ-Spiel konnte ich den Regenschutz im Betrieb testen. Eingekleidet hatte ich die Kamera schon zuhause, weil ich nicht sicher gehen konnte, dass ich irgendwo ein trockenes Plätzchen dafür finden konnte.

Das Wichtigste zuerst: Auch bei stärkerem Regen hält das Ding dicht. Der Regen perlt an der Außenhaut ab und die Abdichtungen an den Öffnungen halten ebenfalls das Wasser vom Eindringen ab. Bei warmen Wetter kann es allerdings sein, dass, wenn die Hand dauerhaft in der Schutzhülle steckt und dank des Kälteschutzes anfängt zu schwitzen, das Klarsichtfenster beschlägt. Wenn man jedoch ab und zu etwas Luft durch eine Öffnung hineinlässt, verschwindet der Beschlag wieder. Probleme beim Ablesen des Rückseitendisplays hatte ich nicht. Warm halten tut der Schutz ebenfalls und auch die linke Hand blieb fast trocken, weil man sie am Objektiv unter die großzügig dimensionierte Objektiv-Schutzhülle stecken kann.

Das Fotografieren funktioniert ebenfalls einwandfrei mit der Einschränkung, dass man nur bedingt an bestimmte Knöpfe kommt. Die ISO-Einstellung befindet sich bei der 40D oben neben dem ebenfalls nicht sichtbaren Top-Display. Man sollte die Kamera also im Idealfall blind bedienen können, um hier keine Einschränkung zu haben. Der wirklich große Wermutstropfen ist das angesprochene obere Display, auf allein dem bei der 40D der verbleibende Speicherplatz und damit die errechnete Anzahl noch speicherbarer Bilder steht. Aus den Informationen vom Rückseitendisplay bezüglich dem Speicherkartenplatzbelegung bzw. aus Erfahrung muss man selbst überschlagen, für wievele Fotos der Platz noch reicht. Da der Kartenslot sich bei meiner Kamera unter der rechten Hand befindet war ein Kartenwechsel auch problemlos möglich.

Zur Geräuschdämmung kann ich nichts sagen. Hören tut man die Kamera allerdings weiterhin. Ich vermute, dass aufgrund des Sichtfensters aus Plastik auf der Rückseite und den nicht hermetisch abgeschlossenen Öffnungen eine absoluter Schallschutz auch kaum möglich ist.

Und nu‘?
Ich denke, dass ich endlich einen vernünftigen Regenschutz gefunden habe. Das bisher etwas umständlich anmutende Einpacken der Kamera wird sich mit etwas Übung leichter gestalten, funktionieren tut sie tadellos und warm bleibt zumindest eine Hand auch. Den Fakt, dass man das obere Display nicht ablesen kann, ist da verschmerzbar.

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