Koushun Takami – Battle Royale | Buch

Dystopische Jugendgeschichten scheinen aktuell vor allem im Kino Hochkonjunktur zu haben. Neben dem Platzhirsch „The Hunger Games“ macht sich auch „Maze Runner“ daran, dieses Genre auf der Leinwand zu vertreten. Beiden ist gemein, dass sie auf Büchern amerikanischer Autoren basieren. „Battle Royale“ stammt indess aus Japan, wurde bereits 2000 auch dort verfilmt und hat es als Buch jetzt auch zu mir geschafft.

Quelle: Heyne-Verlag
Quelle: Heyne-Verlag / Random House

Der erste „The Hunger Games„-Film handelt von einer Gruppe Jugendlicher, die durch die Regierung auserwählt wurden, in einem Areal so lange gegeneinander zu kämpfen, bis der letzte Überlebende als Sieger gekürt werden kann. Insoweit gibt es starke Parallelen zu „Battle Royale„, denn im zeitlich nicht allzu weit entfernten Großostasien passiert der Hauptfigur Shuya genau das: Seine Klasse wird von der Regierung auf einer Insel ausgesetzt, jeder erhält eine Waffe und darf die anderen so lange jagen, bis – wie es von Shuya genannt wird: „in dieser Drecksversion von Reise nach Jerusalem“ – keiner mehr übrig ist. Dabei gibt es natürlich Verbündete und Feinde, unterschiedliche Strategien und Entwicklungen.

Die Geschichte ist über ihre 600 Taschenbuchseiten recht unterhaltsam und plastisch erzählt, ist in weiten Teilen realistisch und kann im Großen und Ganzen überzeugen. Das Plastische erstreckt sich dabei auch auf die Kampfszenen, die ich in solch blutiger Intensität in einem Jugendbuch nicht erwartet hätte. Es geht auch schnell auf der Insel zur Sache, eine große Einleitung erfolgt nicht. Überhaupt hätte ich mir ein wenig mehr Dystopie gewünscht. Die Welt wird zwar immer wieder erwähnt und erklärt und auch der Sinn dieses „Spiels“ wird gegen Ende befriedigend aufgelöst. Es blieb aber der Eindruck, dass der Fokus eher auf der Gewalt denn auf der Gesellschaftsform liegt, auch wenn sich Action- und Erklärungsteil die Waage halten und die Darstellung der Welt für eine nahe Zukunft ausreichend realistisch ist.

Die etwas blasse Zeichnung findet sich auch in den Charakteren wieder. Obwohl die Schulklasse aus 42 Personen besteht, liegt der Fokus nur auf rund einem Duzend von ihnen. Deren Charakter wird einerseits durch ihr Verhalten aufgezeigt, selbiges aber auch immer wieder durch Rückblenden in ihre Schulzeit und Kindheit erklärt. Trotz dieser Rückblenden kommt keine große Tiefe auf. Leider sind die Charaktere teilweise auch nach Schablone gezeichnet, es gibt die hinterlistige Klassenschönheit genauso wie den einfach gestrickten Fußballer und den (Zitat) „stockschwulen Homo“, der nichts besseres zu tun hat, als sich um sein Aussehen zu sorgen, während um ihn herum Köpfe gespalten und Brustkörbe durchlöchert werden. Es gibt zwar den ein oder anderen interessanten Charakter, aber gerade die Hauptperson Shuya war mir mit ihrer Revoluzzer-Wut bei gleichzeitig nervender Naivität nicht allzu sympathisch. Und auch von dem für Jugendbücher obligatorischen und in diesem Lebensabschnitt sicher wichtigen Thema Liebe ist für meinen Geschmack eine Ecke zuviel vorhanden.

Letztlich konnte mich auch der Schreibstil nicht vollends überzeugen. Die Kampfszenen sowie die Szenerie sind flott beschrieben und die Gedanken der Charaktere sind zwar manchmal klischeehaft, aber auch durchaus amüsant geschrieben. Das für den Leser Offensichtliche wird aber nur allzu oft durch Erklärung, Dialog und Gedankengang doppelt und dreifach unterstrichen, was man sich in so einigen Szenen hätte sparen können. Auch die Dialoge schwanken zwischen unterhaltsam und stockend.

FAZIT

Battle Royale“ hat mich trotz seiner Mängel gut unterhalten. Eine etwas straffere Erzählweise und weniger, dafür aber tiefere Charaktere wären besser gewesen und wenn die dystopische Welt noch ein wenig mehr einbezogen und ausgestaltet worden wäre, hätte das nicht geschadet. Aber auch so bekommt man mit den 600 Seiten kurzweilige und außergewöhnlich harte Action-Horror-Jugend-Unterhaltung.

Von mir gibt’s 8/10 Punkte.

Was sich allerdings der Heyne-Verlag bei der Ausgabe 10/2012 gedacht hat, frage ich mich wirklich. So unglaublich viele Wortdopplungen, Namensverwechselungen und Satzstellungsfehler habe ich bisher nichtmal in selbstverlegten eBooks gesehen. Da waren Lektor und Korrektor entweder nicht anwesend oder besoffen.

ECKDATEN

Buchinfo: „Battle Royale“ – Heyne / Random House
Autor: Koushun Takami
Erstveröffentlichung: 1999
Seiten: 624

1 Kommentar

  1. Ja, kann ich so unterstreichen. Auf den Dystopiegedanken hätte man tatsächlich noch eingehen können, so war einiges doch recht dürftig. Da der Fokus aber zügig auf die Schüler umschwang, ist das noch einigermaßen zu verzeihen, ebenso wie die Schablonenfiguren. Ich hatte mit dem Dutzend Schüler schon alle Hände voll zu tun, da war ich doch ganz froh, dass den anderen nicht allzu viel Charakterzeichnung begegnete. 😉

    Zu der Ausgabe speziell: Ohja, das war wirklich ein Graus zu lesen. Ich weiß nicht wie oft ich immer zwischen der zu lesenden Seite und der Namensliste pendeln musste, aber da noch die Namen zu vertauschen… da fragt man sich doch, wie sowas durchkommen kann.

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