Küss den Frosch (The Princess and the Frog) | Film

Ein Zeichentrickfilm? Ohne Animation? In 2009? Nicht von Pixar? Sondern allein von Disney? Das soll funktionieren?!
Es funktioniert, wie man an „Küss den Frosch“ sieht. Denn damit hat Disney unter Beweis gestellt, dass es im Alleingang auch heute noch unterhaltsame Familienfilme schaffen kann, die sich zumindest in Teilen mit den Großen der Frühzeit und denen des zweiten Frühlings Anfang der 90er messen können.

Frosch will wieder Mensch werden. Noch wissen Naveem und Tiana nicht, welche Folgen der Kuss hat. | Quelle: "Küss den Frosch"-Trailer
Frosch will wieder Mensch werden. Noch wissen Naveem und Tiana nicht, welche Folgen der Kuss hat. | Quelle: „Küss den Frosch“-Trailer

Dabei fällt der Vergleich zu den Klassikern zunächst nicht schwer. Denn auch bei „Küss den Frosch“ gibt es die klassische Geschichte, die natürlich in einem Happy End endet. Die Heldenreise der Protagonistin wird von lustigen side kicks begleitet, deren Slapstick-Humor für Kinder wohl das Highlinght eines jeden Disney-Films sein dürfte. Gleichzeitig entschärfen die vielen lustigen Szenen die teils ernste bis traurige Geschichte. Und natürlich gibt es die ein oder andere Gesangseinlage. Fertig ist das Disney-Kochrezept und fertig ist ein wirklich unterhaltsamer Filmabend.

Dennoch stellt „Küss den Frosch“ für mich keinen neuen Höhepunkt dar. Das liegt nicht am Setting. Das New Orleans der 20er (oder 30er?) Jahre bietet mit der Stadt und dem Bajou eine schöne Kulisse, in die sich die Geschichte, in der sich das schwarze Arbeiterklassemädchen Tiana durch Voodoo in einen Frosch verwandelt sieht, wunderbar einpasst. Tiana will natürlich wieder in einen Menschen verwandelt werden, weshalb sie sich mit Naveem, dem sie den ganzen Schlamassel zu verdanken hat und der ebenfalls in einen Frosch verwandelt wurde, auf die Suche nach einer Zauberumkehr macht. Diese Abwadlung der „Froschkönig“-Thematik ist nicht im typischen Pixar-Animationsstil umgesetzt, sondern ganz klassisch in wunderbaren, detailverliebten 2D-Bildern „gezeichnet“. Höchstwahrscheinlich entstand der Film vollständig am Computer, aber die Bilder von New Orleans aus dieser Zeit, der dunkle Bajou und die vielen Lichter sind dankbare Motive für diese Stilart. Der 2D-Aspekt hat sicher stark dazu beigetragen, dass mir der Film ein warmes Kindheitsgefühl vermittelt hat und der marketingtechnisch nur allzu oft ausgenutzte Begriff des Disney-Zaubers durchschlug. Und obwohl ich bereits schrieb, dass wohl vor allem Kinder auf die witzigen side kicks in Form eines liebestollen Glühwürmchen namens Ray und eines trompetenspielenden Krokodils abfahren würden, konnte ich auch oftmals lachen.

Nicht ganz mithalten kann „Küss den Frosch“ hingegen in Sachen Dramaturgie mit meinem persönlichen Disney-Platzhirsch „König der Löwen„. Auch wenn der Blick durch damalige Kinderaugen sicher getrübt ist, so war letzterer doch eine Ecke trauriger, die Geschichte war mitreißender und insgesamt war „König der Löwen“ etwas kantiger. Hier ist sie zwar solide, aber eher auf die Zweckerfüllung gerichtet. Ein wirkliches Mitfiebern mit den Protagonisten fällt einem als Erwachsener dann doch schwer.
Zudem waren mir die Gesangseinlagen ein wenig zu viel, es vergingen kaum 5 bis 10 Minuten, ohne dass nicht wenigstens ein bisschen gesungen wurde. Das gehört wie gesagt zu Disneyfilmen dazu und dank der Original-Sänger, die im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen (u.a. Cassandra Steen als Tiana, Roger Cicero als Naveem) dankenswerterweise grundsolide Sprecher abgeben, hört sich das auch gut an. Die Relation von Handlung und Gesangseinlagen hat für mich aber nicht so richtig gestimmt.

Fazit

Mit „Küss den Frosch“ flimmerte ein – durchaus größerer – Hauch von Disney-Magie über den TV, verbunden mit schönen Erinnerungen aus Kinderzeiten. Der „Zeichen“stil hat mir ausgezeichnet gefallen, ebenso das Setting. Die größtenteils zweckmäßige Handlung und das Schicksal der Protagonisten konnten mich nicht mehr so mitreißen. Das ist jedoch vermutlich meinem Alter geschuldet. Dem Humor stand selbiges jedoch nicht entgegen.

Von mir gibt es 7.5/10 Punkte.

Gesehen: BD / englisch
Genre: Zeichentrick / Familienfilm
Eckdaten: 2009 / 91 Min / FSK 0
Regie: John Musker / Ron Clement

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