L.A. Confidential | Film

Zeitreisen sollten schnellstens erfunden werden. Damit kann man tolle Sachen anstellen. Die Weltgeschichte verändern zum Beispiel. Oder im kleineren Rahmen zumindest das eigene Leben. Jeder Sci-Fi-Fan weiß natürlich, dass man beim Rumgewurschtel in der Vergangenheit höllisch aufpassen müsste, denn ein unachtsamer Schritt kann einen Samen kaputt machen und in der Gegenwart verschwände deshalb ein ganzer Wald.
Dieses Prinzip könnte man jedoch auch produktiv nutzen. Man könnte sein altes Ich davon abhalten, einen bestimmten Film zu schauen. Hat man den nie geschaut, dann weiß man über das Ende nichts. Und so könnte man ihn immer und immer wieder schauen und wäre immer und immer wieder gespannt auf den Ausgang.

Bud White (Russel Crowe, oben) geht bei seinen Ermittlungen nicht zimperlich vor. | Quelle: L.A. Confidential / Warner Bros.
Bud White (Russel Crowe, oben) geht bei seinen Ermittlungen nicht zimperlich vor. | Quelle: L.A. Confidential / Warner Bros.

Dann könnte man nämlich immer und immer wieder den Irrungen und Wirrungen des Polizeithrillers „L.A. Confidential“ beiwohnen und wäre jedesmal von Neuem begeistert, wie die Geschichte aufgelöst wird, in die Bud White, Jack Vincennes und Ed Exley hineingeraten. Dabei beginnt alles recht routiniert mit einem Mord, dessen Aufklärung die erste Aufgabe des frisch ernannten Lt. Exley ist. Mit seiner zielstrebigen und streng vorschriftsmäßigen Art hat er bei den Kollegen allerdings keinen leichten Stand. Der bunte Haufen nimmt Recht und Gesetz gerne mal selbst in die Hand, ist stets auf die medienwirksame Schlagzeile fixiert und hat mit Drogendelikten schon so einiges zu tun. Pikant am Mord ist jedoch, dass mit einem Cop gerade der Partner von Bud White unter den Opfern ist. Deshalb fängt dieser selbst an zu ermitteln…

Die Geschichte im Drogen- und Prostitutionssumpf des L.A. der 50er Jahre ist einerseits stringent erzählt, andererseits weist sie so viele Wendungen, Namen und Verbindungen auf, dass man kaum hinterherkommt. Diese Wendungen werden einem nicht immer mit dem Holzhammer präsentiert, sodass man vor allem anfangs keine Ahnung hat, worum es überhaupt geht. Nach und nach offenbaren sich dann aber die Verstrickungen zwischen Drogen-Hollywood, der Presse und der Polizei und es entspinnt sich ein Thriller, der im positivsten Sinne klassisch angelegt ist. Moderene Erzählelemente werden jedoch ebenso eingebaut.

Man muss den Film also schon aufmerksam schauen, damit man sich auskennt. Dann aber bekommt man eine grandios inszenierte Geschichte, bei der alles stimmt. Schon allein die alten Autos, die Kostüme, die Architektur sind supercool. Fotografiert ist das alles in einer Art Film Noir-Stil, der vor allen in den Nachtszenen für grandiose Bilder sorgt, ohne künstlerisch zu wirken. „L.A. Confidential“ ist ein Film, den ich unglaublich gerne auf einer großen Kinoleinwand schauen möchte. Bisher ist „Der Pate“ mit seiner Ausstattung für mich der Inbegriff des klassischen Hollywoodkinos und bleibt dies auch. „L.A. Confidential“ positioniert sich jedoch nicht allzu weit dahinter.

Die Charaktere haben anfangs ein scharfes Profil, das im Verlauf aber immer weiter aufgelöst wird und so für eine Entwicklung sorgt, zu der das Offenlegen von Schlüsselszenen in den Leben dieser Charaktere beiträgt. Sie sind derart lebendig, dass ihr Schicksal fast spannender als der eigentliche Fall ist. Dafür sorgt nicht zuletzt der Cast, der Stars nur so gespickt ist. Kevin Spacey, Russel Crowe, Danny DeVito oder Guy Pearce sind nur einige der Namen, die man nicht weiter vorzustellen braucht. Bei einigen Filmen erdrückt solch ein Staraufgebot den Film schier, hier spielen sie jedoch so harmonisch miteinander und nebeneinander her, dass es eine Freude ist.

„L.A. Confidential“ schließt mit allen filmischen Mitteln an die großen klassischen Hollywoodfilme an und zeigt, dass man auch 1997 noch zeitlose Geschichten in ebensolchen Bildern erzählen konnte. Und die beste Nachricht zum Schluss: Man muss nicht auf die Erfindung einer Zeitmaschine warten, um den Film zu schauen, denn auch wenn man das Ende schon kennt, kann man sich jederzeit wieder von der Atmosphäre und der Geschichte einwickeln lassen, ohne dass es langweilig wird. 🙂
Von mir gibt es 9/10 Punkten.

Gesehen: Blu-ray / englisch

2 Kommentare

  1. Sehr schöne Kritik wieder und interessante Einleitung!:-) So hab ich den Vorteil von Zeitmaschinen noch gar nie gesehen!:-D Also L.A. Confidential…da hast einen Klassiker ausgepackt, dem geb ich wenn und aber auch 10 von 10! Hat ne unglaubliche Atmosphäre find ich!! Vg Chris

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