Lunchbox (Dabba) | Film

Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Bevor sie aber da hinkommt, muss sie – naturgemäß in Form von Essen – erst einmal auf den Teller. Was macht man aber, wenn die Küche kilometerweit von Teller und damit vom hungrigen Mund entfernt ist? Man lässt liefern. Die Einwohner Mumbais können dabei auf die Dabbawalas zurückgreifen, eifrige Essenskuriere, die mit einem irrsinnigen Logistiksystem die speziellen Behälter bei den Köchen abholen, quer durch die Metropole bugsieren und zielsicher zum Empfänger bringen. Das kann jedoch auch schiefgehen, wie „Lunchbox“ beweist.

Die Lunchbox und ein Zettelchen von der Köchin machen Saajans Mittagspause zum Erlebnis. | Quelle: Lunchbox / Sony Classics
Auch wenn er nicht erfreut schaut: Die Lunchbox und ein Zettelchen von der Köchin machen Saajans Mittagspause zum Erlebnis. | Quelle: Lunchbox / Sony Classics

Darin kocht Ila (Nimrat Kaur) ihrem Mann jeden Tag das Essen und lässt es ihm an seinen Arbeitsplatz liefern. Im Service der Dabbawalas inbegriffen ist auch der Rücktransport des Behälters, und der kommt eines Tages ratzekahl leergeschleckt an. Dumm nur, dass ihr Mann bei seiner Heimkehr am Abend von einem ganz anderen Gericht spricht, als sie gekocht hatte. Des Rätsels Lösung ist einfach: Der Behälter wurde auf dem Transportweg verwechselt und hat einen anderen Mann erreicht. Selbiger hört auf den Namen Saajan (Irrfan Khan) und ist recht angetan von dem Mahl. Dies lässt er Ila auch wissen, indem er ihr einen Zettel in die leere Box steckt…

Aus dieser Geschichte kann man ohne Probleme eine romantische Komödie nach Schema basteln und es ist Autor und Regisseur Ritesh Batra hoch anzurechnen, dass er sich nicht dazu hat hinreißen lassen. Stattdessen bildet das Transportsystem und auch das Essen an sich nur den Auslöser, um einen Dialog von zwei Seelen zu zeigen, die jeweils für sich mit Enttäuschungen in ihrem Leben zu kämpfen haben. Der ältere Saajan hat seine Schicksalsschläge und einen größeren Teil seines Lebens bereits hinter sich, während Ila zwar noch jung, in ihrer Beziehung jedoch nur mäßig glücklich ist. Was beiden fehlt ist ein Freund, mit dem sie reden können. Da bietet sich die durch die Verwechselung ausgelöste „Brieffreundschaft“ an, die „Lunchbox“ viel mehr zu einer ernsten Abhandlung über Erwartungen im Leben werden lässt und darin eingearbeitet auch ein paar Seitenhiebe auf die moderne Leistungsgesellschaft bereithält. Rührende Szenen gibt es ebenso wie komische. Letztere zeigen, dass der Film eher auf das internationale Publikum abzielt, denn auch die Umgangsformen mit den Mitmenschen in der indischen Gesellschaft sind teilweise schon ziemlich befremdlich für den durchschnittlichen Mitteleuropäer. Meistens funktioniert das auch gut.

Daneben bekommt man einen – vermutlich – realistischen Einblick das alltägliche mumbaian’sche Leben. Überfüllte Bahnen und Straßen, fabrikähnlich ausgerichtete Schreibtische, mittelprächtig ausgestattete Wohnungen lassen einen erkennen, dass man im guten alten Deutschland vielleicht gar nicht so schlecht lebt. Das alles ist in schönen Bildern festgehalten und dankenswerterweise nur sekundenweise mit Bollywoodmusik unterlegt, die dann direkt aus der Szene stammt.

„Lunchbox“ verzichtet auf die Auswalzung einer großen Liebesgeschichte und macht damit vieles richtig, gerade weil man ein passendes Ende gefunden hat. Die Tragik kann man dank des eingestreuten Witzes ganz gut ertragen und auch wenn vieles, was man an Kritik und Reflexion so erfährt, nicht unbedingt neu ist, so ist es dennoch nett präsentiert. Das Setting bietet einen Extrabonus. Auf eine ausgenudelte Futter-Metapher kann ich am Ende nicht verzichten: Der Film ist ein gutes 3-Gänge-Menü in gehobener Mittelklasse und längst keine Aufbackpizza. 😉
Von mir gibt es 7,5/10 Punkte.

Gesehen: Kino / deutsch

Eckdaten: 2013 / 104 Min / FSK 0
Genre: Tragikkomödie / (Romanze)
Regie: Ritesh Batra

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