Man of Steel | Film

Ich war schon immer eher der Batman- denn der Superman-Typ. Gerade die neuere „Batman“-Trilogie von Christopher Nolan hat mir großen Spaß gemacht. Dieser hat 2013 nun auch als Produzent an einem weiteren Superhelden-Reboot mitgewirkt und sich dafür dem „Man of Steel“ angenommen.

Krypton geht den Bach runter und Supermans Papa (Russel Crowe) schaut zu. | Quelle: "Man of Steel" Trailer
Krypton geht den Bach runter und Supermans Papa (Russell Crowe) schaut zu. | Quelle: „Man of Steel“ Trailer

Die Geschichte von Clark Kent alias Superman ist hinlänglich bekannt. Regisseur Zack Snyder widmet sich den Anfängen dieser Figur, indem er ihn in „Man of Steel“ erst von seinem Heimatplaneten Krypton gen Erde sausen, dort aufwachsen, dabei seine Andersartigkeit entdecken und fürchten lernen, sich schließlich seiner Herkunft stellen lässt und ihm dann auch noch einen Bösewicht auf den Hals hetzt. Fertig wäre die eigentlich spannend klingende Geschichte des Films. Leider werden aber die falschen Schwerpunkte gesetzt, sodass die Entwicklung des Charakters Superman relativ schnell und unmotiviert abgespeist wird. Stattdessen werden einzelne Schlüsselszenen des Lebenslaufs in Rückblenden oder mit Voice Over erzählt, die zwar Clark ein Mindestmaß an Tiefe verleihen, aber weder der Spannung noch einem gründlichen Einführung des Superman-Charakters dienen. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass diese Szenen notwendiger Kitt zwischen den Actionszenen darstellen.

Denn davon gibt es in dem Film unglaublich viel. Von Anfang an kracht, splittert und explodiert es ohne Pause. Schon während die angesprochenen Spuren von Hintergrundentwicklung und die Personenverknüpfungen stattfinden, wird nicht auf bildgewaltige Action verzichtet. Ist der Superman-Charakter dann erst einmal installiert, dreht der Film in endlosen Kampfszenen vollends ab und kann in Spitzen ohne Probleme einem „Transformers“ das Wasser reichen. Dass die Bösewichte auch nicht gerade Puddingarme haben, hilft dabei natürlich. Die Bewegungen in einem „Kryptonier-Boxkampf“ zwischen Superman und Schurke/-in sowie die meisten Spezialeffekte, bei denen wahlweise komplette Züge durch die Luft geschleudert werden, Kampfflugzeuge eine Straße und die Kryptonier eine halbe Großstadt in Schutt und Asche legen, sehen größtenteils auch ansprechend aus. Die Palette der Effekte reicht von sehr solide bis gelegentlich peinlich. Das alles ist bis zu einem Grad auch unterhaltsam, irgendwann wird man dessen aber müde.
Zu diesem CGI-Porno gesellt sich nur allzu oft ein epischer Soundtrack, der krampfhaft versucht, Emotionen herbeizududeln, wo der flache Handlungsbogen kaum welche hergibt. Auch die selbst in Nebenrollen namenhaften Schauspieler schaffen es nicht, großartige Empathie hervorzurufen.

Insgesamt bekommt man mit „Man of Steel“ alle Zutaten serviert, die so ein zünftiger Superheldenfilm-Reboot halt mitbringt. Leider wurde dabei aber die Chance, den Charakter genauer zu beleuchten, zugunsten von Daueraction geopfert, die irgendwann Selbstzweck wird und dann ermüdend ist. Mit einer Komplexität à la „Watchmen“ hatte ich sowieso nicht gerechnet, aber dass es lediglich „Die Abenteuer von Lois und Clark“ in einer optisch aufgebohrten Version mit einer kleinen Alibi-Vorgeschichte geworden ist, ist schon enttäuschend.
Da bleibe ich lieber bei dem dunklen Ritter. Dort hat es Nolan jedenfalls ungleich besser hinbekommen, einen guten Mix aus den Superheldenfilm-Zutaten hinzubekommen.

Von mir gibt es 5/10 Punkte.

Gesehen: BD / englisch
Eckdaten: 2013 / 143 Min / FSK 12
Regie: Zack Snyder

2 Kommentare

  1. Ja, den fand ich auch eher schwach. Hatte zwar 6 Punkte gegeben, rückblickend betrachtet bist du mit deinen 5 Punkten aber näher dran. Übrigens hätte ich mich gefreut, wenn der Film in die „Die Abenteuer von Lois und Clark“-Richtung gegangen wäre. Ist er aber meiner Meinung nach gar nicht. Nur Action-Krawall.

    1. Der „Lois und Clark“-Vergleich war auf die Komplexität bezogen. So gerne ich die Serie auch gesehen habe, Charakterentwicklung stand da ja auch nicht gerade an erster Stelle. Aber gerade mit dem stärkeren Beleuchten der Charaktere und der Entstehungsgeschichte der Superhelden können die ganzen Reboots gewinnen, weil das früher eher weniger vorkam. Fällt das weg, kommt sowas wie „Man of Steel“ raus.

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