Marc Elsberg – Zero | Buch

Hier eine Liste mit Lieblingsbüchern, dort ein Jogging-Tracker und später noch in den Online-Kalender geschaut. Programme und Dienste bieten viele Vorzüge, machen das Leben bequemer und sind für sich genommen vermeintlich unproblematisch. Was aber passieren kann, wenn sich die Informationen an einem Punkt konzentrieren, kann und will sich vielleicht nicht jeder ausmalen. Deshalb sollten gerade jene, die glauben, dass sie „ja gar nichts zu verbergen haben“, unbedingt „Zero“ durchlesen.

Quelle: “Zero” – blanvalet / Random House

Das Problem mit dem Thema Privatsphäre und Datenschutz ist ja nicht allein seine Abstraktheit, sondern auch seine Komplexität. Nicht nur ist es schwer zu vermitteln, warum Angaben über die eigene Schuhgröße, das Geburtsdatum oder den momentanen Aufenthaltsort potentiell nachteilig sein können. Hinzu kommt, dass nicht nur Nachrichtendienste an diesen Daten interessiert sind, sondern auch Privatpersonen und Unternehmen. Marc Elsberg hat deshalb nicht lange gefackelt und in „Zero“ seiner Protagonistin gleich all diese Gruppierungen auf den Hals gehetzt. Er malt eine Welt, die zum aktuellen Zeitpunkt in ihrer technischen Konsequenz der unsrigen zwar in Teilen noch voraus ist, in der es mit Videobrillen, datengeilen Geheimdiensten und diversen Helferlein-Apps aber schon genug Dinge gibt, die einem heute lebenden Menschen schon lange nicht mehr fremd sind. Die Reporterin Cynthia Bonsant, in ihren Vierzigern, stets mit Zettel und Stift unterwegs und von sich aus dem technischen Fortschritt lange hinterher, findet nach und nach heraus, was es heißt, permanent eine Datenbrille zu tragen und seine Daten bereitwillig irgendwelchen Programmen anzuvertrauen, die einem dabei helfen wollen, bessere Noten, den Traummann oder keine Krankheiten mehr zu kriegen. Ihr Hauptgegner ist dabei das Unternehmen Freemee, welches ebendiese Apps herausgibt, das mit absoluter Datensicherheit wirbt und bei dem doch etwas nicht zu stimmen scheint.

Man merkt „Zero“ an, dass Marc Elsberg hier auf einer Mission ist: Er möchte in radikaler Weise aufzeigen, wo das Problem mit Überwachung und Datensorglosigkeit besteht. Dafür mischt er fröhlich Realität und (Noch-)Zukunft, treibt diese Vision auf die Spitze und spart auch nicht mit dem Holzhammer, um seine Botschaft zu überbringen. Das ist zweifellos eine richtige, aktuelle und wichtige Sache, doch leider vergisst er dabei, eine wirklich spannende Geschichte zu schreiben. Sie kommt mit wirklich allem daher, was nur passieren kann und diese Überspitzung hat es mir schwer gemacht, das alles für bare Münze zu nehmen.

Gefallen hat mir hingegen die Hauptfigur. Sie steht für den Durchschnittsmenschen, der dem technischten Fortschritt zunächst vermeitlich skeptisch gegenübersteht, sich dann aber von dessen Vorzügen doch angezogen fühlt, die guten Vorsätze über Bord wirft und sich aus reiner Neugier dann doch irgendwo anmeldet und das System mit Daten füttert. Die anderen Charaktere sind allesamt nicht wirklich vielschichtig, ihre Motivation schnell erkannt und auch das Thriller-Element in der Geschichte ist nicht allzu ausgeprägt. Elsberg will vielleicht zuviel und zu umfassend erklären und stellt damit die Aussage allzu deutlich vor den Inhalt. Da muss in epischer Breite Cynthia vor allem Anfangs von ihrer Tochter und deren Freunden der aktuelle technische Fortschritt erklärt werden, was für die Prämisse der Geschichte notwenidig ist, aber nicht besonders elegant gelöst wurde. Auch wenn der Schreibstil fluffig ist und man so schnell durch das Buch liest, so haben mich diese Erklärungen gelangweilt, auch deshalb, weil so viele stereotype Charaktere genutzt wurden. Positiv ist hingegen der eingestreute Humor, der dem Ganzen zur Auflockerung verhilft.

Fazit

Zero“ ist in seiner Aussage wichtig und zeigt plakativ auf, wohin die Reise gehen kann, wenn die privatwirtschaftliche und staatliche Überwachung ausgebaut wird und die Menschen dabei selbst auch noch bereitwillig mithelfen. Die Geschichte ist funktional und literarisch nicht sonderlich wertvoll, die Spannung ist akzeptabel.
Ich habe das Buch zwar durchgelesen und stellenweise gute Unterhaltung gefunden, auch die Protagonistin ist gut gezeichnet. Als jemand, den das Thema sehr interessiert, konnte ich mich auch mit dem Gedankenspiel anfreunden. Mir hätte es aber vermutlich besser gefallen, wenn sich Marc Elsberg auf ein Unterthema beschränkt und dieses in eine etwas besseren Geschichte mit mehr Spannung verpackt hätte, anstatt diesen Riesenkomplex derart auf die Spitze zu treiben.

  • Das Thema Datenschutz
  • Das Aufzeigen der aktuellen Entwicklung
  • der lockere Schreibstil
  • Die Protagonistin
  • Die allzu starke Überspitzung
  • Die mittelmäßige Spannung
  • Die flachen Charaktere

ECKDATEN
Buchinfo: “Zero” – blanvalet / Random House
Genre: Thriller / Gesellschaftskritik
Autor: Marc Elsberg
Erstveröffentlichung: 2014

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