Max Brooks: World War Z | Buch

Als ich vor einiger Zeit in der S-Bahn saß, laß mir gegenüber jemand ein Buch namens „World War Z“. Ich hatte keine Ahnung worum es ging, aber das Cover sah interessant aus und ich behielt es im Hinterkopf. Dann lief ein paar Wochen später der Trailer im TV zu „World War Z“ mit Brad Pitt, ich erinnerte mich wieder an das Buch und stellte es erstmal auf meine Amazon-Merkliste. Dann sah ich den Trailer immer öfter und bestellte aus Neugier schließlich doch das Buch. Und so kam die Zombieapokalpse schleichend, aber dann immer heftiger in mein Leben.

Recht ähnlich beschäftigt sich Max Brooks mit diesem Thema. „World War Z“ zeichnet das Bild einer Zombieepidemie, von den ersten Anzeichen bei einem einzelnen Menschen über die Ausbreitung, die einsetzende Panik, die Gegenmaßnahmen bis hin zur letztendlichen Eindämmung und dem Sieg der Menschen. Das Ende kommt nicht überraschend, denn schon auf den ersten Seiten wird die Aufgabe des „Protagonisten“ genannt: Er soll sich nach erfolgreichem Kampf aufmachen, diesen Verlauf zu rekonstruieren. Dafür reist er quer durch die Welt und interviewt Veteranen und andere Überlebende von World War Z. Aber nicht die Reise ist Gegenstand der Erzählungen, sondern allein die Berichte der Gesprächspartner.

Dadurch, dass es keinen eigentlichen Hauptcharakter gibt, der eine bestimmte Geschichte durchlebt, sondern alles aus Augenzeugenberichten, Interviews und kleinen Textfragmenten zusamengesetzt ist, hat sich Max Brooks den Vorteil geschaffen, dass er den Krieg in einer alternativen Realität aus allerlei unterschiedlichen Perspektiven darstellen konnte. Da erzählt ein südafrikanischer Junge aus den Townships, wie er vor den Infizierten flüchten muss. Woanders schildert ein Offizieller der neuformierten Administration, wie es zum Wiederaufbau kam und welche Probleme dabei überwunden werden mussten. Wiederum später werden durch Interviews mit Überlebenden Militärs ihre Erfahrungen sowohl im Kampf als auch mit der eigenen Regierung offenbart. Die kleinen Anekdoten und größeren Erklärungen bauen nicht direkt aufeinander auf, sondern sind nur lose miteinander verbunden und verweisen untereinander zumeist nur in Nebenseätzen aufeinander.

Diese Berichte formen dadruch aber nach und nach das große Bild des Krieges. Brooks arbeitet darin allerhand (reale) geopolitische Konflikte ein, spart nicht mit gesellschaftlicher Kritik und malt sich gleicheitig aus, wie die Welt und einzelne Länder nach der erfolgreichen Bekämpfung aussehen könnten. Durch diesen Mix aus Realität und Fiktion ergibt sich eine Geschichte, bei der man öfters denkt, dass es genau so passieren könnte. Die „alternative Geschichte“ kommt nicht nur aus den Erzählungen allein zustande, sondern insbesondere auch durch die Verknüpfung mit dem Erzählenden. Vor jedem Abschnitt wird in wenigen Sätzen erklärt, wo und wer der Gesprächspartner ist und was er heute oder vor dem Krieg gemacht hat. Es wird dann dem Leser überlassen, die folgenden paar Seiten an Augenzeugenbericht in den Kontext zu setzen.

Der schnelle Wechsel von Schauplätzen, Interviewthemen und Gesprächspartnern sort für viel Abwechslung und bietet Spannung. Allerdings ergeben sich damit auch teilweise erzählerische Sackgassen und Berichte, bei denen ich mir etwas mehr Tiefgang oder mehr Details gewünscht hätte. Der rote Faden bleibt aber erhalten. Auch werden die Eigenarten von bestimmten Gesellschaften manchmal etwas klicheehaft überspitzt, was einerseits bei dieser Art von Buch wohl alternativlos ist. Andererseits kommen Klichees ja nicht von Ungefähr. Gestört hat es mich nur in ganz wenigen Berichten.

Insgesamt ist „World War Z“ ein Zombie-Roman, der den Fokus auf den Umgang mit den Infizierten durch die Menschheit im Allgemeinen legt und das globale Bild zeichnet. So stehen einzelne Zombies weniger im Mittelpunkt, auch wenn sie immer wieder in den Berichten auftauchen und Max Brooks es dort schafft, eine Portion Grusel einzubauen und auch mit den Klichees der Zombies zu spielen.
Da ich sowohl Alternativweltgeschichten, die nicht völlig an den Haaren herbeigezogen sind, als auch Dystopien mag und der Erzählstil für mich etwas Neues war, hat mich die Lektüre trotz der kleinen Schwächen sehr gut unterhalten.
Von mir gibt es deshalb 8.5/10 Punkten.

5 Kommentare

  1. Ich fand das Buch auch toll. Die „Verfilmung“ dagegen habe ich noch nicht gesehen. Muss man vielleicht auch nicht, werde alleine aus Neugier wie solch ein Mainstream-Zombiefilm ausieht irgendwann bestimmt dennoch reinschauen…

    1. Über den Film lese ich überall, dass er mit dem Buch nichts gemeinsam haben soll. Nachdem ich das weiß, gucke ich ihn mir vielleicht mit geringen Erwartungen mal an.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr davon? Folge mir!

%d Bloggern gefällt das: