Meine Top3-„Zurück in die Zukunft“-Filme (Back to the Future) | Film

Why don’t you make like a tree and get out of here!
– Biff Tannen

Mein Kurzurlaub ist vorbei. Angefixt vom PC-Adventure, welches gerade meine freien Minuten versüßt, zog es mich nach einiger Zeit mal wieder ins Hill Valley. Auch diesmal hat mir der Ausflug außerordentlich gut gefallen. Auch diesmal haben mich die Abenteuer von Marty McFly außerordentlich gut unterhalten. Und auch diesmal gibt es eine feste Rangordnung, was mein Favorisieren der einzelnen Teile betrifft.
Hier also meine Top3-„Zurück in die Zukunft„-Teile in aufsteigender Reihenfolge.

Der Delorean. Die coolste Zeitmaschine aller Zeiten.  Quelle: "Zurück in die Zukunft"-BD / Universal
Der Delorean. Die coolste Zeitmaschine aller Zeiten.
Quelle: „Zurück in die Zukunft“-BD / Universal

Wobei: Es gibt ja nicht nur Unterschiede. Die Trilogie baut auf einer Grundlage auf, die allen Teilen die Merkmale verleiht, durch die sie für mich auch heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. Robert Zemeckis hat mit seiner Regiearbeit in allen Filmen eine wunderbare Stimmung geschaffen, in die Bob Gale die liebenswerten Charaktere perfekt hineingeschrieben hat. Die kuscheligen Kulissen, die überzeichneten Figuren und ihr Slapstick und die generelle Komik, das sind Zutaten einer Filmreihe, die ihre Charaktere und ihre Handlung mit der nötigen Portion Selbstsicherheit absurd wirken und sie durch diesen Mix doch nicht ins Dämliche abrutschen lässt.

Die Fixierung der Geschichte auf ein kleines Örtchen mit hohem Wiedererkennungswert verleiht mir jedes mal – und in jedem der drei Teile – das behagliche Wohlgefühl, wie es auf so positve Art bisher auf einem Bildschirm allein das gilmoregirl’sche Stars Hollow hervorzurufen vermochte. Hier ist Marty zuhause, hier bastelt der herrlich überdrehte Doc Brown an seinen Erfindungen und hier rüpelt auch der sympathische Unsympath Biff Tannen herum. Es bestand gar kein Anlass, diese Figuren real wirken zu lassen, denn das Gesamtwerk kann aufgrund seiner Prämisse nur als Komödie funktionieren. Dass daneben ein jugendlicher Protagonist all diese Abenteuer erlebt, dabei nicht unbedingt einzigartige, aber ein paar vernünftige Aussagen im Bezug auf Charakterbildung vermittelt werden und mich die Filmreihe schon seit meiner Kindheit begleitet, ist dem positiven Bild natürlich zuträglich. Denn der normalste Charakter in dieser Welt ist nunmal Marty (zusammen mit der gleichaltrigen Jennifer), und wer hat als Teenager nicht mal das Gefühl gehabt, dass alle Menschen um ihn herum wahlweise zu gemein, zu streng oder zu peinlich sind? Aus der Sicht Martys ergibt die Überzeichnung der anderen Figuren durchaus einen ernsteren Sinn.

Teil 3: Im Westen das falsche Neue

Und dennoch, es gibt teils deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Filmen.
Am stärksten bleibt nämlich der dritte Teil zurück, und das liegt vor allem an der Story und leider auch ein stückweit an den Charakteren. Das Western-Setting bringt Abwechslung mit sich und Gale sowie Zemeckis haben durchaus unterhaltsame Ideen gehabt; der Tausch der Taglines von Marty und Doc Brown in einer Szene ist nur eine davon. Running gangs wurden aus den anderen Teilen aufgegriffen, die Musik wurde abgeändert und angepasst, die sie spielnde Band beim Tanzabend ist super und auch die Antagonisten sorgen dafür, dass der Film in sich selbst eigentlich ganz gut funktioniert.

Doc auf Abwegen.Das Beziehungsdrama mit Clara verleidet mir den dritten Teil etwas. Quelle: "Zurück in die Zukunft III"-BD / Universal
Doc auf Abwegen.Das Beziehungsdrama mit Clara verleidet mir den dritten Teil etwas.
Quelle: „Zurück in die Zukunft III“-BD / Universal

Dennoch habe ich nach wie vor meine Probleme mit dem Fokus auf und der Charakterzeichnung von Doc Brown in dieser Episode. Mir gefällt Christopher Lloyd als latent irres Genie einfach weitaus besser denn als liebestoller Charmeur, und dass dieser Handlungsstrang einen so prominenten Platz in der Geschichte einnimmt, will für mich nicht so richtig ins „ZidZ„-Gesamtkonzept passen. Was mich an dieser Fortsetzung am deutlichsten sauer aufstößt ist die Tatsache, dass es sich gar nicht mehr um einen Zeitreisefilm handelt. Am Anfang ein Zeitsprung, am Ende einer (bzw. zwei) und dazwischen eine normale Geschichte, die nichts mit Zeitreisen zu tun hat. Denselben Käse haben damals auch schon die Macher von „Turtles III“ verbrochen, als sie die Schildkröten ins alte Japan schickten – paradoxerweise durch eine Zeitreise -, was mit den ersten beiden Teilen vom Setting her so gar nichts mehr zu tun hatte. Man merkt diesem Teil einfach zu sehr das Handlungsgestrecke um des finanziell verwurstbaren dritten Teils willen an.

Teil 2: Zukunftssicher dank power laces

Demgegenüber macht mein zweiliebster „ZidZ„-Teil in Sachen Zeitreise alles richtig und übernimmt in dieser Disziplin sogar die Führung vor dem insgesamt besten Teil 1. An Teil 2 finde ich so klasse, dass Marty quer durch die Zeiten flitzen muss, um die Zeitstränge zu entwirren und wieder ins einzig schönes Hill Valley zurückzukehren und so das eine große Problem der Zeitreisen behandelt wird. Dafür wurde die im ersten Teil eingeführten Vergangenheit sinnvoll integriert und eine super inszenierte Zukunftsvision geschaffen, die viele Elemente sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart wiederfinden lässt und der man es auch fast verzeiht, dass sie einen mit Schleichwerbung nur so zupflastert. Zukunftsvisionen in Filmen sammeln bei mir automatisch Pluspunkte, und wenn sie ein Hoverboards, einen Multichannel-TV, „Jaws„-Anspielungen und power laces beinhaltet, verzeiht man ihr auch sofort die – immerhin meist gut kaschierten – Wiederholungen aus dem ersten Teil. Und kommt dann noch eine anarchistische Alternativwelt ins Spiel, kann nichts mehr schief gehen.

Welcome to Tannen Country! Ob nun 1885, 1955 oder 2015: Marty muss sich in jedem der Filme mit einem Abkömmling der Rowdy-Sippe herumschlagen. Quelle: "Zurück in die Zukunft"-BDs / Universal
Welcome to Tannen Country! Ob nun 1885, 1955 oder 2015: Marty muss sich in jedem der Filme mit einem Abkömmling der Rowdy-Sippe herumschlagen.
Quelle: „Zurück in die Zukunft“-BDs / Universal

Auch der Score wurde im Vergleich zum dritten Teil nicht derart stark abgewandelt, dass er kaum noch zu erkennen war. So finde ich mich in Teil 2 auch auf der Stelle wieder zuhause und kann mich an der „ZidZ„-typischen Atmosphäre erfreuen.

Teil 1: 1.21 Gigawatt Retrocharme

Ebendiese ist es auch, die für mich letztlich den ersten Teil minimal besser macht als den zweiten. Es ist einfach, mich für die Atmosphäre der 1950er zu begeistern. Was schon bei „American Graffiti“ klappt, versagt auch hier nicht: Ein kleines Diner, ein paar alte Karren auf den Straßen und die passende Musik dazu und ich bin jedes mal ein bisschen traurig darüber, dass ich diese Zeit nicht miterleben konnte. Marty kann das und trifft auf alle Charaktere, die in seiner Gegenwart bereits eingeführt wurden. Mama zukünftige-McFly als heißer Feger, Papa McFly, der vom jungen Biff gemobbt wird, alle sind sie da und warten darauf, in ihre zukünftige Rolle gesteckt zu werden. Apropos Biff: Thomas F. Wilson spielt so ganz unmaskiert seinen besten Part in den Filmen und ist hier auch noch etwas ernster geschrieben als in den Zukünften und im Wilden Westen, was der Figur und ihrer Rolle im Film zugute kommt.

Retro-Autos, Retro-Architektur, Retro-Zeitung. Kann nur gut werden!  Quelle: "Zurück in die Zukunft"-BD / Universal
Retro-Autos, Retro-Architektur, Retro-Zeitung. Kann nur gut werden!
Quelle: „Zurück in die Zukunft“-BD / Universal

Und auch die Handlung baut sinnvoll auf der Zeitreise auf. Marty reist zwar aus Versehen in die Vergangenheit, muss aber alsbald das altbekannte „Ich will nicht mein eigener Vater werden und nicht aufhören zu existieren“-Problem lösen. Ganz nebenbei wird (mäßig erfolgreich) versucht, das Zeitreiseparadoxon zu lösen, weil Marty nicht ohne Grund genau dorthin reist und Doc Brown nicht ohne Grund an genau diesem Tag die Idee für den Fluxkompensator hat, was dazu führt, dass Marty genau dorthin reist. So sieht man ihm nicht nur dabei zu, wie er die Rückkehr in die Gegenwart vorbereitet, sondern hat auch gleich noch eine passende und im Gegensatz zum dritten Teil weit weniger kitschige Liebesgeschichte am Start, weil er Papa und Mama erstmal einander bekanntmachen muss. So wird auch hier wieder ein jugendtypisches Problem aufgegriffen, diesmal in der Figur von George McFly.

Fazit

Ich schaue mir die Trilogie regelmäßig komplett an, auch wenn Teil 3 zwar unterhalten kann, aber im Vergleich zu den anderen beiden deutlich abbaut. Da können ihn auch nicht die netten Ideen der Macher vor schützen, ihm fehlt einfach die Zeitreisethematik und man merkt dem Streifen trotz guter Ansätze an, dass er zur Geldschinderei entwickelt wurde. Die Zeitreise zelebriert Teil 2 am ausgeprägtesten und zeigt dazu auch noch eine fantastische Zukunft und Alternativwelt, weshalb er einen würdevollen und äußerst knappen zweiten Platz belegt. Die 1950er und ihre dichte Atmosphäre, die enge Verknüpfung der Vergangenheit mit der Gegenwart durch die Charaktere und die Handlung geben schließlich den Ausschlag für Teil 1 als meinen König der Trilogie. Es wird sicher nicht allzu lange dauern, bis ich wieder mal auf 88 mph beschleunige, um einmal mehr in die behagliche Atmosphäre des im Wortsinne zeitlosen Hill Valley einzutauchen.

  • die Behandlung der Zeitreiseproblematik in Teil 1 und 2
  • die dichte Atmopshäre in Teil 1 und auch 2
  • die 1950er in Teil 1
  • die Zukunftsvision in Teil 2
  • Biff!
  • Der typische 80er-Score
  • die comichaften Charaktere
  • „Jaws 19“
  • das Hoverboard / die power laces
  • Doc Browns Frisur
  • das gesamte Setdesign
  • Die „Star Wars“-Anspielung in Teil 1!
  • das Liebeszeugs mit Doc Brown in Teil 3
  • die unmotivierte Handlung von Teil 3
  • das allzu präsente product placement in Teil 2

Gesehen: BD / englisch
Genre: Sci-Fi / Komödie
Eckdaten Teil 1: 1985 / 116 Min / FSK 12
Eckdaten Teil 2: 1989 / 108 Min / FSK 12
Eckdaten Teil 3: 1990 / 118 Min / FSK 12
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: Bob Gale

[Nachtrag 19:30 Uhr: Oh, ganz die anderen Meinungen vergessen]

Andere Meinungen: Ergothek (natürlich! 😉 ) / Jacker’s 2 Cents: Teil 1 | Teil 2 / Moviescape: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

6 Kommentare

  1. Ein wahrlich toller Artikel. Hach! Du sprichst viel an, das mir die Filme auch so besonders macht: u.a. die Stars Hollow’sche Heimeligkeit… 😉

    Ich würde die Filme in der Reihenfolge ebenso einordnen – und auch ich sehe 1 und 2 beinahe ebenbürtig. Teil 3 fällt ab, dennoch mag ich ihn sehr gerne. Umso interessanter, da 2 und 3 ja eher zusammengehören, sprich back-to-back gedreht wurden.

    btw. bei mir werden die Bilder auf deinem Blog nie angezeigt… :/

    1. Oha, ich sehe es auch gerade. In Chrome? Mir werden sie mal angezeigt, mal nicht. Komisches Verhalten. Mal gucken, was da los ist.

      Ich kann mir das nur so vorstellen, dass die Produzenten es genau so gesehen habe: 2 und 3 gehören zusammen und 3 ist nur eine ausführlichere „In der Zeitschiene“-Geschichte, wie es die Woche in 1955 im ersten Teil war. Teil 3 ist also von Teil 2 eingeklammert. Da wurde der heutige „Wir machen die Trilogie in vier Teilen“-Wahn schon lange im Vorraus umgesetzt 😀

  2. Schöner Artikel und danke fürs Verlinken!
    Sehe es (fast) genauso und im 2. Teil die selben Qualitäten. Der baut so schön den ersten ein..

    ZIDZ sind Filme, die ich mir immer wieder ansehen kann (und werde)!

  3. Ein ganz wundervoller Artikel. Und obwohl du mit dem dritten Teil völlig Recht hast, ist meine Liebe zu dieser Trilogie bedingungslos und fehlerlos. Ich liebe sie alles 3, als wären sie ein Film. 🙂

    1. Das ist völlig OK und nach der Lektüre deines Artikels auch nicht anders zu erwarten. In eine Liebesbeziehung kann man eben nicht mit Rationalität reingrätschen. 🙂

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