Nebraska | Film

Heutzutage noch schwarz-weiss? Kein bisschen Special Effects? Eine Handlung mitten im Nirgendwo in den Great Planes? Funktioniert! Jedenfalls, wenn man eine schöne Geschichte, schrullige Charaktere und eine ordentliche Portion Humor dazumixt. Dann fühlt man sich selbst in „Nebraska“ wie zu hause.

Beule am Kopp, trostlose Landschaft im Blick, aber immerhin Millionär...theoretisch. Woody (Bruce Dern) und David auf dem Weg nach Lincoln. | Quelle: Nebraska / Paramount
Beule am Kopp, trostlose Landschaft im Blick, aber immerhin Millionär…theoretisch. Woody (Bruce Dern) und David auf dem Weg nach Lincoln. | Quelle: Nebraska / Paramount

Wobei der Film woanders beginnt und den größten Teil der Zeit auch spielt. Denn Lincoln in Nebraska ist lediglich das Ziel eines Road Trips, auf den sich David Grant (Will Forte) und Vater Woody (Bruce Dern) begeben, nachdem letzterem eine Gewinnnachricht zugegangen ist, die ihm 1.000.000 Dollar in Aussicht stellt. Da Davids Leben momentan auf allen Ebenen suboptimal verläuft, hält ihn für die nächsten Tage nichts in Billings, Montana und er willigt ein, Woody nach Lincoln zu fahren…

Die Reise verläuft für beide nicht wie vorgestellt und gleichzeitig ziemlich aufregend. Durch einen Unfall werden sie gezwungen, einen Zwischenstopp in dem Kaff einzulegen, in dem Woody aufgewachsen ist. Dort wartet allerhand Verwandschaft und alte Weggefährten auf ihn, denen die Nachricht vom Millionengewinn nicht lange vorenthalten werden kann. Und wo die Themen „Freunde“ und Geld auftauchen, wächst bekanntlich kein Gras mehr.

Diese Begegnungen sind es, die David in die Vergangenheit und in das Leben seines Vaters eintauchen lassen und die für so viele herrlich skurrile Szenen im Film sorgen. Die sich daraus oftmals ergebende Komik steht im krassen Gegensatz zu den Bemühungen von David, seinen abgrundtief schrulligen Vater besser kennen zu lernen. Dessen demenzielle Momente machen es weder für David noch für den Zuschauer leicht, ihn zu durchschauen. Man fühlt mit dem alten Mann trotz dessen offensichtlicher Fehler mit, auch weil Bruce Dern eine grandiose Leistung abliefert, wenn er traurig und gedankenleer in der Gegend herumschaut.
Komplettiert wird die Familie noch von Sohn Ross (Saul Goodman Bob Odenkirk) sowie von Mama Grant, die um kein Schimpfwort verlegen ist. Das ist zwar über die meiste Zeit urkomisch, es ist aber auch schon fast zu viel.

Das Besondere an „Nebraska“ ist ohne Zweifel der Bildstil. Man kann sich darüber streiten, ob das schwarz-weiss unbedingt hätte sein müssen, ob es den Fokus auf die Geschichte lenkt oder ob es sich um einen bemüht arthousigen Touch handelt. Für die Innenansichten und Dialogszenen ist es nicht notwendig. Dafür spielen die Fahrszenen dem Monochromen zweifelsohne in die Karten. Die triste Weite des Mittleren Westens mit seinen endlosen Feldern und kleinen Städtchen ist fantastisch fotografiert und haben in mir den Wunsch bestärkt, diesen Teil der USA zumindest einmal zu besuchen.

Ebenso ist die Geschichte selbst zwar gut, aber auch nicht ganz rund. Das kann man jedoch über den gesamten Film sagen und ihm so die Eigenschaften seines Protagonisten zurechnen: Nicht perfekt, mit Ecken und Kanten, aber im Ganzen sehr liebenswert und ein rührendes Drama über die Beziehung von Sohn und Vater, die trotz aller Traurigkeit ein heiteres Gefühl auslöst. Obwohl ich nicht alle Kandidaten gesehen habe bin ich mir ziemlich sicher, dass „Nebraska“ eine nur sehr geringe Chance auf den diesjährigen OSCAR haben wird. Bruce Dern würde ich einen Gewinn in jedem Fall gönnen.
Von mir gibt’s 8,5/10 Punkte.

Gesehen: Kino / OmU

Eckdaten: 2013 / 115 Min / FSK 6
Genre: Drama, Road Movie, (Comedy)
Regie: Alexander Peyne

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