Person of Interest Staffel 1 | Ersteindruck

You’re getting paranoid, Carter. That’s a step in the right direction.
– John Reese

Hach ja, die gute alte Serienzeit. Eine abgeschlossene Handlung pro Folge, in der nächsten Woche alles mehr oder weniger auf Anfang und dann wieder von vorne. Damit kann ich ja eigentlich nicht mehr allzu viel anfangen. Aber „Person of Interest“ hörte sich doch zu interessant an, um nicht wenigstens mal reinzuschauen.
Das habe ich zum Glück gemacht, denn von einer „Ein Fall pro Folge“-Konstruktion war hier schon bald nichts mehr zu sehen.

The Brain and the Muscle. Dank strikter Aufgabenteilung haben die Bösen nichts zu lachen, wenn "the guy in the suit" auf Berserker-Modus umschaltet.  Quelle: "Person of Interest"-DVD / Warner
The Brain and the Muscle. Dank strikter Aufgabenteilung haben die Bösen nichts zu lachen, wenn „the guy in the suit“ auf Berserker-Modus umschaltet.
Quelle: „Person of Interest“-DVD / Warner

Die ersten paar Episoden ließen noch vermuten, dass das Ganze in die übliche „CSI„-Richtung geht: Die zwei „Ermittler“ John Reese und Harold Finch werden dank einer Überwachungsmaschine auf eine Person aufmerksam und müssen in den nächsten 40 Minuten selbst herausfinden, ob diese nun bedroht wird oder aber der böse Bube ist. Diese abwechslungsreichen Fälle und der Aufbau in der gesamten ersten Staffel haben mich zwar nie vom Hocker gerissen, aber zu meiner Überraschung doch gut unterhalten. Die grundverschiedenen Eigenschaften der beiden Protagonisten – der eine verschwiegenen und mysteriös, der andere eine Mischung aus James Bond auf Valium und Terminator auf Speed und damit für’s Grobe zuständig – sorgen trotz teilweise aufgesetzt wirkendem Humor für eine Menge Dialogspaß, die Beziehungen der Charaktere untereinander bewirken Spannung und die teils düstere Inszenierung konnte mich auch sofort fesseln. Ich mag es bei der Charakterzeichnung, wenn man schon durch das Verhalten der bösen Buben erahnt, dass der Protagonist gleich am Rad dreht, und hier ist die Action auch sehr ordentlich inszeniert. Dass die Unlogik stellenweise hervorspringt und die Serie insgesamt nicht völlig realistisch daherkommt: geschenkt.

Die Stärke liegt jedoch in der spannenden Hintergrundgeschichte. Nicht nur wird angefangen, stückchenweise das Geheimnis um die Überwachungsmaschine zu lüften und mit ihr interessante Gedankenexperimente im Bezug auf heutige Überwachungsproblematiken durchgespielt, die Einzelfälle bringen auch neue, wiederkehrende Charaktere ins Spiel und füllen so das Serien-New-York nach und nach mit immer neuen und großen Handlungssträngen. So tritt die „Ein Fall pro Folge“-Struktur bald in den Hintergrund und überlässt den größeren Teil des Erzählfelds der großen Handlung um wortkarge Regierungsorganisationen, mafiöse Unterweltbosse und korrupte Polizisten. Auch die Hintergrundstories der beiden Protagonisten werden aufgearbeitet, was für das Verständnis ihrer Motivation jeweils dringend nötig ist und zugleich eine Dramaebene aufbaut. Aus diesem Wust webt sich in der ersten Staffel „Person of Interest“ ein Spannungsknäuel, das noch viel Futter für die nächsten Staffeln bereithält.

Ich fand gut
  • die vielen Hintergrundhandlungen
  • das Mysterium um die Überwachungsmaschine
  • die Charakterzeichnungen
  • die größtenteils gelungenen, trockenen Dialoge
  • die stellenweise düstere Inszenierung
  • Jim Caviezel als Reese und Michael Emerson als Finch
  • die Montage mit tollen Songs am Folgenende
Ich befürchte, …
  • dass sich die Schreiber in zu vielen Geschichten verheddern
  • dass dadurch nicht alles aufgeklärt wird

Weiterguckpotenzial: Sehr hoch.

Eckdaten zu Staffel 1

Genre: Krimi / Action / Mystery / (Drama)
Show Runner: Jonathan Nolan / Greg Plageman
Produktion: 2011
Produziert für: CBS
Folgen: 23 à ca. 40 Minuten

2 Kommentare

    1. Ein bisschen Anlauf braucht es schon, aber dann sind die Episodenfälle in die größeren Handlungen integriert. Ich würde der Serie nochmal eine Chance geben, das kann was ganz Großes werden (wenn sie die Stränge gut auflösen können).

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