Predestination | Film

Du siehst nicht so aus, wie ich mir das vorgestellt habe.
– Die Ledige Mutter

Ich hatte das Glück, bei Filmherum an einem Gewinnspiel mitzumachen und an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit kommentiert zu haben. Deshalb konnte ich mich wenig später über die Blu-Ray von „Predestination“ im Briefkasten freuen. Hier war die Kausalkette klar: Artikel lesen, Kommentar schreiben, gewinnen, Film gucken. Da aber ebendieser Film von Zeitreisen handelt und es dabei schon immer Paradoxa gab, war in „Predestination“ schon bald gar nichts mehr klar.

Auch wenn Jane hier funkelbunte Sterne sieht: Zeitreisen in "Predestination" sind lange nicht so glamourös inszeniert.  Quelle: "Predestination"-Trailer / Sony
Auch wenn Jane hier funkelbunte Sterne sieht: Zeitreisen in „Predestination“ sind lange nicht so glamourös inszeniert.
Quelle: „Predestination“-Trailer / Sony

Die Handlung lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Explosion, verbrannter Kopf, Zeitreise, Zip. Plastische Chirugie, ein Auftrag für einen Zeitreiseagenten, Zeitreise, Zip. Eine Bar in 1970, ein Barkeeper, eine andere Person, eine Erzählung. ZipZipZipZipZipZip, Abspann. Und alle so: Ööh?!
Dieses Ööh war in meinem Fall jedoch weder ein gelangweiltes Ööh noch ein nichtverstehendes Ööh. Ich musste erstmal verarbeiten, was ich da in den letzten 90 Minuten sah, denn es war so gar nicht das, was der Trailer versprochen hatte. Vordergründig geht es um den Zeitreiseagenten (Ethan Hawke), der sich auf die Jagd nach dem Fizzle Bomber macht, der in der Vergangenheit mit seinen Bombenanschlägen in New York Chaos anrichtete. In der Vergangenheit trifft er auch schnell auf einen Mann, der ihm in einer Bar seine Lebensgeschichte erzählt. Und spätestens da merkt man auch als unbedarfter Zuschauer, dass irgendetwas nicht stimmt. Denn dieser Mann sieht zwar aus wie der junge Leonardo DiCaprio, wird aber von Sarah Snook gespielt. Auch diverse Storyelemente muten schnell merkwürdig an und bestimmte Details schlagen beinahe mit dem Hammer auf dem Offensichtlichen herum. Wie sich die Geschichte weiterentwickelt, das wird zwar durch recht billige filmische Tricks zu verstecken versucht, indem etwa Gesichter auftretenter Personen im Schatten oder gleich gar nicht gezeigt werden. Aber gerade deswegen kann man schnell drauf kommen, was hier Phase ist.

Und überhaupt spielt die eigentliche Geschichte nicht die entscheidende Rolle. „Predestination“ entfernt sich schnell von einem Thriller und entwickelt sich zu einem Drama, weshalb der gesamte Film auch dialoglastig denn actiongeladen ist. Darauf baut sich eine zweite Ebene auf, die die Figuren nimmt und Fragen nach Identität und Vorherbestimmung an ihnen festmacht. Was die Spierig-Brüder bzw. Robert A. Heinlein als Buchvorlageautor aber perfekt machen, das ist das Verweben dieser Fragen und des Dramas mit den typischen Problemen von Zeitreisestoffen. Auch wenn die Thematik heutzutage nicht mehr allzu innovativ ist, so wurde doch noch nie so absurd stark darauf herumgeritten.
Und so befasst man sich schon bald nicht mehr mit der Auflösung des Falls, sondern bestaunt das Schauspiel des grundsoliden Ethan Hawke und der phantastischen Sarah Snook und erfreut sich an der stimmigen Inszenierung, die von den Bildern her düster und film-noir-geschwängert ist. Da der Film hauptsächlich vor 1980 spielt, hat man kaum Sci-Fi-Kulissen und selbst die Zeitmaschine ist ein alter Geigenkoffer mit Zahlenschloss, eine äußerst coole Idee. Auch die Zeitsprünge selbst sind optisch angenehm unaufgeregt umgesetzt.

Fazit

Predestination“ ist weniger Thriller als Drama, weniger storygetrieben denn ein Gedankenspiel mit philosophischem Einschlag und weniger epische Action als eher kammerspielartig. Er hat mir aber trotz der ausladenden Dialoge und der spannungsnehmenden (filmischen und inhaltlichen) Hinweise äußerst kurzweilige Unterhaltung geboten und mir als Freund von Film Noir optisch imponiert. Was er aber nicht schafft: Die Logik in das Zeitreiseparadoxon zu bringen.

  • Die Konsequenz, mit der das zentrale Problem von Zeitreisen durchgezogen wird
  • Die Film-Noir-Inszenierung
  • Die Hauptdarstellerin
  • Die aufgeworfenen Fragen
  • Das Nachwirken
  • Der angenehm unaufdringliche Score
  • Die fast komplette Eleminierung des Thriller-Elements
  • …womit die Prämisse maximal zweckmäßig ist
  • Der etwas langatmige Anfang

Gesehen: BD / deutsch
Genre: Zeitreise / Drama / (Thriller) / (Sci-Fi)
Herkunftsland: Australien
Eckdaten: 2014 / 97 Min / FSK 16
Regie: Michael Spierig / Peter Spierig
Drehbuch: Michael Spierig / Peter Spierig
Buchvorlage: Robert A. Heinlein: „All you Zombies“

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Andere Meinungen: Filmherum (4/5) / Medienjournal (8.5/10)

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