Rushmore | Film

„I’m sorry, I just came by to thank you for wrecking my life!“
– Max Fischer

Wes Anderson ist ja so ein Fall für sich. Formal unterscheiden sich seine Filme kaum, wenn man mal das Stop-Motion-Experiment „Der fantastische Mr. Fox“ ausnimmt. Inhaltlich kann man zwischen seinen Werken auch schnell Parallelen ziehen. Und dennoch schafft es Anderson immer wieder, neue Geschichten zu erzählen.

Herman und Max haben so ihre Probleme miteinander. | Quelle: "Rushmore" DVD / Touchstone
Herman und Max haben so ihre Probleme miteinander. | Quelle: „Rushmore“ DVD / Touchstone

Seinen typischen Puppenhaus- und Theaterlook versucht der Regisseur und Drehbuchschreiber bei „Rushmore“ erst gar nicht zu verstecken, denn der Film beginnt mit einem sich aufziehenden Vorhang. Hinter selbigem verbirgt sich die Privatschule Rushmore sowie der vom Rauswurf bedrohte Max Fisher (Jason Schwartzman), der zwar notenmäßig abstinkt, dafür aber bei jeder schulischen Aktivität mitmacht und in jedem Club Vorsitzender oder gleich Gründer ist. Als die neue Lehrerin Rosemary auftaucht, verliert Max jedoch schnell seine Zielstrebigkeit und ist fortan nur noch Feuer und Flamme für sie.

Diesen Ausgang benutzt Wes Anderson einmal mehr, um eine ebenso ungewöhnliche wie wunderbare Coming-of-Age-Geschichte zu erzählen. Er lässt seine Protagonisten lieben und hassen und kämpfen, ohne dass es auch nur ansatzweise kitschig oder klischeehaft wird. Im Gegenteil, die skurrilen Charaktere, ihre Geschichten und Verhaltensweisen, die man bis in die kleinste Nebenrolle findet, sind allesamt so liebenswert, dass man den etwas rumpeligen Anfang und die kleineren Hänger im weiteren Verlauf der Story schnell vergisst und sich fortan an jedem Szenenbild, jeder neuen Idee Andersons erfreut, die er für den Zuschauer bereithält. Für die Unterhaltung ist einmal mehr Bill Murray ein wichtiger Faktor, der als charakterlicher Counterpart von Max wiedermal Großes leistet, indem er den reichen, aber irgendwie nicht so richtig lebendigen Herman durch die Szenen und Dialoge bugsiert und zusammen mit Schwartzman ein tolles Duo abgibt.

Wo wie Erwachsene agierende Kinder sich im Konflikt mit sich wie Kinder aufführenden Erwachsenen befinden, da sind Dollyfahrt, 90°-Kameraschwenks und -zooms nicht weit. „Rushmore“ ist Andersons zweiter Film und den technischen Stil, der zuletzt in „The Grand Budapest Hotel“ zu bestaunen war, hat er schon hier draufgehabt, allerdings in noch nicht so stark ausgeprägter Irrwitzigkeit. So bekommt man das grandiose Setdesign aus allen möglichen Perspektiven zu sehen.

Fazit

Ich mag an Andersons Filmen vor allem die Charaktere und den Witz und beides ist in „Rushmore“ zur Genüge vorhanden. Dazu gibt es wie immer einen Beziehungskonflikt, der unterhalten kann und gleichzeitig rührend ist. So wird auch das nicht ganz so starke Drehbuch kaschiert. Wer schon ein oder zwei Anderson-Filme gesehen hat, wird von „Rushmore“ nicht enttäuscht.

Von mir gibt’s 8/10 Punkte.

Gesehen: DVD / englisch
Genre: Komödie / Coming of Age / Romanze
Eckdaten: 1998 / 93 Min / FSK 6
Regie: Wes Anderson

Andere Meinungen: Der Kinogänger (8/10)

4 Kommentare

    1. Soweit ich mich erinnere, war dir der formale Aspekt bei „Moonrise Kingdom“ zuviel. Da ist „Rushmore“ eine Stufe entspannter, auch wenn man Andersons Stil sofort erkennt.

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