Schnelldurchlauf ins Alter: Sein letztes Rennen & Robot & Frank – Zwei diebische Komplizen | Film

Man kommt an, schuftet ein paar Jahre und schon sieht man sich die Radieschen von unten an. Das Leben im Schnelldurchlauf. Dass man über jede der vielen Stationen auf diesem Weg großartige Filme in allen möglichen Gefühlsfarben drehen kann, haben unzählige Regisseure bewiesen. Aber vor allem der letzte Lebensabschnitt bietet viel Potential, um nachdenklicher Töne anzuschlagen. Der Umgang mit und das Erlebte von alten Menschen ist Gegenstand sowohl des deutschen Films „Sein letztes Rennen“ als auch des amerikanischen „Robot & Frank„, deren Protagonisten sich ziemlich ähneln, auch wenn sie andere Geschichten erleben.

Sein letztes Rennen

Tragik / Drama / (Komödie) | D 2013 | 114 Min | R: Kilian Riedhof | BD / deutsch

Kann man dem Unausweichlichen davonlaufen? Das jedenfalls versucht Paul Averhoff anscheinend, indem er, nachdem er samt Gattin im gesetzten Alter in einem Heim untergebracht wurde, den Entschluss fasst, nochmal Großes zu vollbringen. Früher war er ein gefeierter Langstreckenläufer und Olympiasieger, weshalb er der dumpfen Monotonie aus Kastanienmännchenbasteln und Liedersingen entkommen will, indem er ein letztes Mal einen Marathon laufen möchte. Die Geschichte ist zwar plakativ, aber im Großen und Ganzen sehr ordentlich umgesetzt. Es wechseln sich nachdenklich machende Momente mit spaßigen Szenen ab, die dank des guten Casts an alten Heimbewohnern und trockener Sprüche gut funktionieren. Im Zentrum steht immer Paul, der von Dieter Hallervorden mit berliner Schnauze ganz großartig gespielt wird. Die Frage nach der scheinbar letzten Lebensstation, einsetzendem körperlichen und mentalen Abbau und dem Abrutschen in der Bedeutungslosigkeit liegt schwer im Magen und einzelne Szenen sind fast herzzerreißend.
Dennoch ist das Drehbuch nicht ganz rund. Einige Nebenhandlungen sind etwas uninspiriert drangeklatscht beziehungsweise ganz entbehrlich, hier hätte eine kürzere Laufzeit und noch mehr Fokus auf das eigentliche Thema gut getan. Und das Hinweisen auf den realen allgemeinen Pflegenotstand und die daraus resultierende menschenunwürdige Behandlung wird nur allzu deutlich zelebriert. An diesem Manko können dann die überzeugenden Katrin Sass („Weissensee“ ) als resolute Heimleiterin und Frederik Lau („Victoria“ ) als entspannter Pfleger nicht viel retten.

Auch wenn „Sein letztes Rennen“ seine Botschaft allzu offen darlegt und es im Drehbuch nicht ganz rund läuft, ist der Film dank seiner großen Momente und der rührenden Geschichte von Paul allemal einen Blick wert.

Robot & Frank – Zwei diebische Komplizen

Tragik / Drama / (Komödie) | USA 2012 | 89 Min | R: Jake Schreier | BD / englisch

Laufen möchte Frank nicht, dafür aber stibitzen. Der Fassadenkletterer a.D. versüßt sich sein Rentnerdasein damit, im Laden immer wieder eine Kleinigkeit mitgehen zu lassen. Er scheint überhaupt in der Zeit stehengeblieben zu sein, denn während alle Welt sich nur noch digital weiterbildet, ist er der letzte Besucher der kleinen örtlichen Bücherei. Nachdem sein Sohn es leid ist, zu ihm herauszufahren und nach dem Rechten zu schauen, bekommt Frank von ihm einen Roboter als Lebens- und Haushaltshelfer geschenkt.

Der Trailer lässt einen Sci-Fi-Streifen vermuten, doch schnell merkt man, dass nicht die glaubhaft designte zukünftige Welt im Mittelpunkt der Handlung steht, sondern Frank selbst. Durch seine Beziehung zum Roboter werden philosophisch angehauchte Fragen nach dem Alter und der Menschlichkeit aufgeworfen, welche in eine absolut runde Story gewoben wurden. In dieser Hinsicht hat mich der Film stark an „Her“ erinnert. Nach und nach die Intention von Drehbuchautor Christopher Ford klarer zu erkennen, über die trockenen Sprüche sowie Robots Verständisschwierigkeiten von menschlicher Interaktion zu lachen und dann die gesamte, immer ernster werdende Geschichte zusammenzupuzzlen, das hat einen Heidenspaß gemacht. Auch hier wird – im Gegensatz zu „Sein letztes Rennen“ deutlich subtiler, fast nebenher – der Umgang mit alten Menschen in der Gesellschaft thematisiert sowie die Frage, ob ein nachlassendes Gedächtnis oder Alterseigensinnigkeit alarmierend oder überhaupt kein Grund zur Sorge ist. All diese Punkte lassen die etwas blass bleibenden Nebencharaktere völlig vergessen.

Das nahezu perfekt runde Drehbuch sowie die Komik zwischen Frank und Robot und schließlich die sich im Verlauf des Films ändernde Stimmung haben mich mit einsetzendem Abspann begeistert zurückgelassen, sodass ich „Robot & Frank“ nur wärmstens empfehlen kann.

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