Schnelldurchlauf: Nightcrawler / The Messenger / Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa (What’s Eating Gilbert Grape)

In letzter Zeit hat mich sowohl die fehlende Schreibzeit beschäftigt als auch ein bisschen die Schreibunlust übermannt. Deswegen ist in den vergangenen paar Wochen ein ganzer Stapel an ungesehenen Filmen angefallen, den es jetzt in eine Meinung zu transferieren gilt. Weil ich aber auch nicht zu allen Filmen so viel zu sagen habe, als dass dafür jeweils ein ganzer Artikel gerechtfertigt wäre, gibt es ab jetzt in unregelmäßigen Abständen den Schnelldurchlauf, in dem ich gleich mehrere Filme bespreche. Den Start machen dabei drei eher kleinere Streifen, die vor allem von ihren Schauspielern profitieren.

Nightcrawler

Kino / deutsch | USA 2014 | 117 Min | Drama / Thriller / Medienkritik

Louis, wie man ihn bald kennt: blass und mit Kamera in der Nacht an einem Unfallort unterwegs. Quelle: "Nightcrawler"-Trailer
Louis, wie man ihn bald kennt: blass und mit Kamera in der Nacht an einem Unfallort unterwegs.
Quelle: „Nightcrawler“-Trailer

Ich konnte in einem kleinen Kino vor kurzem noch eine Vorführung von „Nightcrawler“ miterleben. Zwar wurde statt der angekündigten OmU-Version der deutsche Ton gespielt, das hat dem Spaß aber keinen Abbruch getan. Wobei Spaß hier vielleicht das falsche Attribut ist, denn auch wenn der Film seine amüsanten Momente hat, so steht doch das Thriller-Element deutlich im Vordergrund, wenn Protagonist Louis Bloom seine widerliche Form des Amerikanischen Traums lebt und sich in der Nachrichtenbranche vom Nichtsnutz rücksichtslos zum gefeierten Lieferanten von Unfallbildmaterial hocharbeitet. „Nightcrawler“ ist gleichzeitig Medienkritik und Psychothriller und Dan Gilroy verbindet diese Stränge in seinem Regiedebüt gekonnt miteinander, leimt sie mit fantastischen L.A.-Nachtaufnahmen zusammen und liefert dazu einen psychopatischen Protagonisten, an dem man trotz anfänglichem Mitleid schnell kein gutes Haar mehr findet. Auch wenn das zu ein paar merkwürdig anmutenden Szenen führt, so ist Gilroy für die konsequente Figurenzeichnung und Handlung doch viel Respekt zu zollen. Und: Gute Güte, kann Jake Gyllenhaal gruselig sein!
Am Ende hat mich „Nightcrawler“ sowohl fasziniert als auch schockiert und somit doch viel Spaß gemacht.

The Messenger

DVD / englisch | USA 2009 | 113 Min | Drama / Antikrieg

Will und Tony müssen sich erst finden, Ben Foster und Woody Harrelson glänzen hingegen sofort durch ihr Schauspiel.  Quelle: "The Messenger"-DVD / Senator
Will und Tony müssen sich erst finden, Ben Foster und Woody Harrelson glänzen hingegen sofort durch ihr Schauspiel.
Quelle: „The Messenger“-DVD / Senator

Als die Amerikaner Mitte der 2000er merkten, dass der zweite Irak-Krieg doch nicht so knorke wird, ploppten in Hollywood einmal mehr Antikriegsfilme auf, die sich diesmal vermehrt auch mit der Heimatfront beschäftigten. „The Messenger“ zeichnet dabei die direkten Auswirkungen auf Angehörige gefallener Soldaten auf, indem er Staff Sgt. Will Montgomery und Capt. Tony Stone begleitet. Sie sind noch im Militärdienst tätig, haben als Angehörige des Benachrichtigungsdienstes aber die Aufgabe, den Familien der Soldaten die Todesnachrichten zu überbringen. Ben Foster und Woody Harrelson bieten mit intensiven Blicken und nicht allzu viel Text ihre gesamte schauspielerische Klasse auf und verleihen ihren Figuren die Tiefe, die solch ein Thema fordert. Ein eher kleines Budget war hier einmal mehr ein Segen, denn so ist man mit Steadycam oft sehr nah an dem realistisch gestalteten Geschehen dran und wird nicht durch überflüssige Pathos-Musik aus der bedrückenden Stimmung herausgerissen, wenn die beiden ihre Arbeit verrichten müssen. Bei diesen Szenen hatte ich mehrmals einen Kloß im Hals, weil es herzzerreißend anzusehen ist, wie unterschiedlich die einzelnen Familienangehörigen (unter anderem Steve Buscemi) reagieren und wie Will und Tony mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen haben.
The Messenger“ ist nichts für den entspannten Filmabend, sondern ein stilles und überaus gelungenes Charakterdrama, welches vor allem von seinen Schauspielern profitiert und das noch einmal verdeutlicht, dass ein Krieg mit dem Flug nach Hause längst nicht zuende ist.

Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa (What’s Eating Gilbert Grape)

BD / englisch | USA 1993 | 118 Min | Drama / (Komödie)

Gilbert ist dank Arnie immer wieder in Sorge und liegt mit der Polizei auf Crashkurs. Quelle: "Gilbert Grape"-Trailer / Paramount
Gilbert ist dank Arnie immer wieder in Sorge und liegt mit der Polizei auf Crashkurs.
Quelle: „Gilbert Grape“-Trailer / Paramount

Noch so ein Film, bei dem es mir schwerfällt, am Ende nicht heimlich ein Tränchen zu verdrücken. Die Gechichte hat komische Momente und phasenweise leichte Coming-of-Age-Elemente, verarbeitet die Sehnsucht nach einem entspannteren Leben und hinterließ bei der Sichtung trotz der eigentlich traurig-melancholischen Geschichte bei mir schon immer ein gutes Gefühl. Johnny Depp als der zwanzigjährige Gilbert, der von so viel Verantwortung für Mutter, Schwestern und seinen behinderten Bruder an solch einem gottverlassenen Ort mitten im iowa’schen Nirgendwo gehalten wird, spielt wirklich toll, verblasst aber fast neben Leonardo DiCaprio. Dessen frühes Schaffen habe ich ja schon in „The Basketball Diaries“ gefeiert, aber hier spielt er den behinderten Arnie so realistisch und überzeugend, dass er sich dafür seine erste OSCAR-Nominierung eingehandelt hat. Der Film verlässt sich jedoch nicht nur auf seine fein gezeichneten Charaktere und deren Chemie untereinander, sondern erzählt auch noch eine nette Story, die einen dazu verleitet, manches nicht mehr ganz so hart zu nehmen.
So bekommt man mit „Gilbert Grape“ ein stellenweise heiteres, manchmal höchst trauriges Drama mit tollen Charakteren und Bildern aus einer Gegend, die ich trotz oder gerade wegen ihrer Trostlosigkeit so faszinierend finde und die sinnvoll in das runde Gesamtpaket eingewoben ist.

1 Kommentar

  1. Manchmal hat man einfach keine Zeit für ellenlange Reviews. Oder Muße! Finde das Format gut, hab ja selber angefangen am Monatsende ein paar Filme zu sammeln, über die ich im Laufe des Monats für meine Verhältnisse wenig geschrieben habe.

    Zu den Filmen: NIGHTCRAWLER ist nun, wo ich endlich ENEMY nachgeholt habe, auf meiner must-see Liste auf Platz 1 gerutscht. Bin supder-duper gespannt!
    THE MESSENGER hatte ich noch nie gehört – schande, denn Harrelson/Foster sind eine Top Besetzung. Auch mal merken!

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