Sports Night | Serie

Dana, i’ve been through alcohol, marriage and network television. If you wnat to kill me, you’re gonna need some Kryptonite.
– Sam Donovan

Mit der erfolgten Sichtung von „Sports Night“ bin ich meinem Ziel ein ganzes Stück näher, mir das bisherige Gesamtwerk von Aaron Sorkin zu Gemüte zu führen. In Sachen Serie war das sein Erstlingswerk und es war interessant zu sehen, wie die vielen Elemente der Serien, die folgen sollten, schon hier enthalten sind.
Die vielen guten ebenso wie die (ganz) wenigen mittelmäßigen…

Vor der Kamera: Dan (Josh Charles) und Casey (Peter Krause) sind um kein Wort verlegen. Quelle: "Sports Night"-DVD
Vor der Kamera: Dan (Josh Charles) und Casey (Peter Krause) sind um kein Wort verlegen.
Quelle: „Sports Night“-DVD

Sorkins Serien-Zutatenliste enthält bisher stets dieselben Komponenten: Eine Schar an idealistisch geprägten Charakteren arbeitet in einem politisch oder medial geprägten Umfeld und sorgt mit diversen zwischenmenschlichen Beziehungen dafür, dass die Serien nicht in ein Telekoleg über Politsysteme, Redaktionsarbeitsweisen oder Medienschaffung abgleiten. Auch „Sports Night“ enthält wieder diese Elemente, indem der Alltag einer Redaktion gezeigt wird, die auf dem Sender CSC die namensgebende Show produziert. Neben Problemen mit der inhaltlichen Einmischung des Managements und persönlichen Verwicklungen in berichtete Themen, moralischen Fragen nach Schleichwerbung und der Frage, wie man Zeit bei Sport-Liveübertragungen, die ungewollt schnell enden, bestmöglich überbrückt, menschelt es zwischen den Charakteren, was sich natürlich wieder auf die Arbeit auswirkt.

Sorkin verschiebt den Fokus zwischen Charakteren und Handlung je nach Serie deutlich. Nirgendwo gelingt ihm das so gut wie bei seiner bisherigen Meisterleistung „The West Wing„, wo er ein für mich perfektes Gleichgewicht aus Handlung, Information und Charakterzeichnung geschafft hat. Nicht ganz so gut hat es dafür bei „Studio 60 on the Sunset Strip“ geklappt, das zudem daran krankte, dass Sorkins Vorliebe für politische Themen dazu führte, dass ihr überbordendes Vorhandensein in dieser Serie, in der es eigentlich um eine Unterhaltungsshow gehen sollte, fehlplaziert wirkten. „Sports Night“ wiederum stellt die großen und kleinen Beziehungsdramen in den Vordergrund, ohne ganz auf die Darstellung eines realistischen Arbeitsumfeldes hinter den Kulissen einer Sportnachrichtensendung zu verzichten. Mir hat das Verhältnis hier sehr gut gefallen, zumal auch die kurz eingestreuten Politikthemen harmonisch integriert wurden. Allerdings hätte ich mir ein wenig mehr Konzentration auf die sportnachrichtlichen Probleme gewünscht. Sportberichterstattung durch Frauen, Interviews mit Schleichwerbung, das wird immer mal kurz angesprochen, aber leider zu schnell fallengelassen. Das Interesse dafür ist wohl dann doch zu nischig. Das führt allerdings auch zu einem mittelmäßigen SiSF von 5/10, denn auch wenn es hier um Sportnachrichten geht, steht der Sport in „Sports Night“ nicht wirklich im Vordergrund, schon gar nicht, was die gezeigten Bilder angeht.

Hinter der Kamera: Dana (Felicity Huffman) und Natalie (Sabrina Lloyd) sind ebenfalls gut dabei, wenn es um Wortgefechte geht. Quelle: "Sports Night"-DVD
Hinter der Kamera: Dana (Felicity Huffman) und Natalie (Sabrina Lloyd) sind ebenfalls gut dabei, wenn es um Wortgefechte geht.
Quelle: „Sports Night“-DVD

Dafür hatte ich einmal mehr große Freude an den wunderbar skurril geschriebenen Charakteren, die sich sorkintypisch das ein oder andere Ei leisten, aber insgesamt mit ihrem Idealismus eine schön positive Grundstimmung schaffen. Und dann ist da auch wieder (besser: zum ersten Mal, denn „Sports Night“ ist wie gesagt sein Serien-Erstling) Sorkins Markenzeichen: so spritzig wie treffende Dialoge und die langen Kamerafahrten, die dafür sorgen, dass ebenjene Dialoge oft ablaufen, während sich die Charaktere durch die Kulissen bewegen. Bei „The Newsroom“ finde ich es zuweilen anstrengend, diesem Dialogfeuerwerk zu folgen, allerdings hat die neuste Sorkin-Serie auch eine Laufzeit von 50 Minuten pro Episode. Da „Sports Night“ in dieser Hinsicht gerade 20 Minuten auf die Waage bringt, ist es auch kein Problem, dass die Dialoge hier nochmals eine Ecke schneller ablaufen.

Denn zu bereden gibt es hinter der „Sports Night“-Kulisse so einiges. Da haben Moderator Casey und Produzentin Dana anscheinend eine gemeinsame Vergangenheit, da will Statistikass Jeremy (Joshua Malina, den ich seit „The West Wing“ sehr gerne sehe) erst eingestellt werden und dann das Herz von Assistentin Natalie erobern und nebenbei versucht der zweite Moderator Dan sein Lebensglück zu finden. Um diese Probleme geht es episodenweise fast ausschließlich, sie machen aber jedenfalls einen großen Schwerpunkt der Serie insgesamt aus. So lernt man die Charaktere wiederum schnell kennen und es stellt sich dieses „Hier will ich unbedingt arbeiten“-Gefühl ein, das ich bisher bei jeder Sorkin-Serie hatte. Die Episodenstruktur wird trotz einiger staffelübergreifender Handlungsbögen dabei nur selten durchbrochen, was mich einerseits die Serie hat entspannt gucken lassen. Andererseits gibt es so auch Charaktereinführungen und Problemstellungen, die ins Leere laufen und von denen ich gerne noch mehr gesehen hätte.

Fazit

Mit ihren gerade 45 kurzen Episoden ist „Sports Night“ viel zu schnell vorbei gewesen. Ich hätte gerne noch viel mehr Zeit mit den sympatischen Charakteren in der chaotischen Redaktion verbracht und finde es deshalb schade, dass schon nach zwei Staffeln Schluss war. Allerdings hatte das ja seinen Grund: Sorkin ging weg, um „The West Wing“ zu machen, was nach wie vor eine meiner Lieblingsserien ist und mit der er das Niveau von „Sports Night“ nochmals überboten hat. Um nicht viel, nur ein bisschen, weshalb „Sports Night“ in meinem Sorkin-Ranking einen knappen zweiten Platz belegt.

gesehen: DVD / englisch / englische UT

Lieblingscharakter: Dan Rydell (Josh Charles) / Sam Donovan (William H. Macy)
Lieblingsepisode: Eli’s Coming (S01E19)

Eckdaten

Genre: Komödie / Drama / (Sport)
Show Runner: Aaron Sorkin
Produktion: 1998-2000
Produziert für: ABC
Folgen: 45 à ca. 20 Minuten

Weiterführendes

Meine Aaron Sorkin-Werkschau
Meine Sportmedien-Rezensionen

2 Kommentare

  1. Ah, klingt famos. Nun will ich das auch! 🙂

    Du hattest du RC1-DVDs, oder? Mensch, muss ich mir auf meine alten Tage doch noch einen Region-Free-Player besorgen? Aber zuvor schaue ich wohl erst einmal „The Newsroom“. Die Serie steht immerhin schon komplett im Regal… 😉

    1. Jawohl, RC1 frisch aus den USA. In Deutschland bekommt man die Serie legal nicht anders.
      „The Newsroom“ geht, was das angesprochene Verhältnis von Handlung und Beziehungsgeflecht angeht, schon eher in die Richtung von „Sports Night“ als „The West Wing“. Damit kann man nichts falsch machen. 🙂

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