Stockholm Ost (Stockholm Östra) | Film

Aus Skandinavien kommen immer wieder kleine Filmschätze, die insbesondere mit ihrem schwarzen Humor und ihrer latenten Melancholie punkten können. Man könnte meinen, dass das kühle nordische Wetter sich auf das Gemüt der Filmemacher niederschlägt. Insoweit hoffe ich nicht, dass das bei Regisseur Simon Kaijser der Fall ist, denn sein Film „Stockholm Ost“ hat nichtmal schwarzen Humor, sondern allein Drama zu bieten. Und ein totes Kind.

Johan (Mikael Persbrandt) weiß anfangs nicht, wie er sich Anna gegenüber verhalten soll. | Quelle: Stockholm Ost / arte Mediathek
Johan (Mikael Persbrandt) weiß anfangs nicht, wie er sich Anna gegenüber verhalten soll. | Quelle: Stockholm Ost / arte Mediathek

Denn Annas kleine Tochter Tove wird bei einem Unfall getötet. Aber nicht nur Annas Welt bricht deswegen zusammen, auch Johan als Fahrer des Unfallwagens quält sich mit Schuldgefühlen. Um diesen Herr zu werden, fasst er den wenig angemessenen Beschluss, Anna kennenzulernen. Als sie sich öfter treffen entwickelt sich eine Freundschaft, die einen kleinen Haken hat: Anna weiß nicht, wen sie vor sich hat…

Die Geschichte ist nicht unbedingt neu, bietet sich für ein Melodrama aber geradezu an. So geht es auch in ruhigen Bildern schön fotografiert los und man beobachtet die beiden Protagonisten dabei, wie sie sich langsam annähern und dabei mit ihren Dämonen und einer Lüge kämpfen. Ihre Umwelt ist zwar ihnen gegenüber anfangs verständnisvoll, geht aber mit den jeweiligen Schicksalsschlägen anders um als sie selbst. So finden beide in dem jeweils Anderen eine Möglichkeit, ihre Welt wieder ein Stück weit normaler zu machen.

Die Lügen stehen jedoch weiter im Raum und es ist klar, worauf der Film hinausläuft. Bis zur Hälfte ist es mit dieser Thematik auch recht unterhaltsam, spannend und auch dank der guten Performance der Schauspieler (Iben Hjejle, Mikael Persbrandt) nimmt man den Figuren ihr Verhalten ab. Doch dann übernimmt sich „Stockholm Ost“ mit dem Drama, es kommt alles noch viel dicker als nötig und zudem schwächelt das Drehbuch deutlich, indem es allzu vorhersehbar und klischeehaft wird. Und gerade mit der Schlüsselszene bricht sich der Film das Genick. Denn die Szene, auf die alles hinauszulaufen scheint, wird in Sekundenschnelle abgehandelt bzw. gar nicht richtig gezeigt. Bestenfalls kann man vermuten, dass die Verantwortlichen einfach nicht wussten, wie sie die Szene glaubhaft darstellen sollten. Schlimmstenfalls muss man davon ausgehen, dass sie nicht wussten, was der Inhalt ihres Films ist. Das ist umso trauriger, als dass ich beiden Darstellern zugetraut hätte, selbige nachvollziehbar und gut rüberzubringen.

Insgesamt ist „Stockholm Ost“ ein schön inszeniertes Drama mit interessantem Thema, das durch Drehbuchschwächen in der zweiten Hälfte leider ziemlich abbaut. Daran können die guten Schauspieler dann auch nur noch bedingt etwas ändern.
Von mir gibt es (noch) 6/10 Punkten.

Gesehen: arte-Mediathek / deutsch

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