Studio 60 on the Sunset Strip | Serie

I am paid to be a smart-ass.
– Harriet Hayes

Aaron, oh Aaron! Du wirst dieses schlechte Wortspiel nicht verstehen, aber du machst mir doch ein bisschen Sorkin. Nach dem fantastischen „The West Wing“ wolltest du dich mit „Studio 60 on the Sunset Strip“ an den Problemen der amerikanischen TV-Serienproduktion abarbeiten. Aber letztlich bist du dann doch wieder auf die Politik zurückgekommen, und das nicht gerade in bester Weise.

Duo Infernale: Danny und Matt schmeißen als Executive Producer zusammen die Show. Quelle: "Studio 60..."-DVD / Warner
Duo Infernale: Danny und Matt schmeißen als Executive Producer zusammen die Show.
Quelle: „Studio 60…“-DVD / Warner

Exquisiter Stoff und Staff

Dabei hast du dir doch mit den Kulissen der fiktiven, wenn auch allzu deutlich an „Saturday Night Live“ angelehnten Serie eine vielversprechende Spielwiese ausgesucht. Die Produktion einer Fernsehserie stellt offensichtlich gerade in den USA eine Herausforderung dar, zumal es sich bei „Studio 60…“ um eine politische Sketchshow handelt. Du lässt deine grundsätzlich liberal eingestellten Protagonisten gegen Sender- und Netzwerkbosse kämpfen, sie plagen sich mit dem Auswirkungen eines potentiell anstößigen Sketches auf verärgerte Werbekunden herum und wissen um die Konsequenz schlechter Einschaltquoten. Ganz im „The West Wing„-Stil sprechen sie nicht nur ebenso gewitzte wie schnelle Dialoge, sie vermitteln einem auch nebenbei etwas Wissen über konkrete Eigenheiten des Business‘, etwa über die Aufsichtsbehörde FCC oder den Einsatz von lebenden Tieren im TV.

Regisseur Cal Shanley sitzt an den Schaltern der Macht. Im Hintergund: Allison Janney als sie selbst.  Quelle: "Studio 60..."-DVD / Warner
Regisseur Cal Shanley sitzt an den Schaltern der Macht. Im Hintergund: Allison Janney als sie selbst.
Quelle: „Studio 60…“-DVD / Warner

Dem Treiben auf und hinter der Bühne zuzuschauen macht dank gekonnter Kamerafahrten, den typischen Laufen-und-Reden-Dialogen und der liebenswerten Charaktere grundsätzlich Spaß, zumal du auch beim Cast wieder ein glückliches Händchen bewiesen hast. Matthew Perry und Bradley Whitford geben bei der Verkörperung der latent chaotischen Showproduzenten alles und liefern einen witzigen Gesichtsausdruck nach dem anderen ab. Timothy Busfield als Show-Regisseur war schon in „The West Wing“ als Reporter Danny super sympathisch, Amanda Peet sehe ich immer gerne und auch der Rest der Stammschauspieler bringt liebenswerte Eigenheiten ein. Gastdarsteller wie Allison Janney und John Goodman tragen ihre Episoden fast alleine und runden das in dieser Hinsicht gelungene Bild ab.

Rohrkrepierer in Afghanistan

Nur sind es dann leider auch diese Charaktere, denen eine zu große Portion Beziehungsstress spendiert wurde. In „The West Wing“ kommen dieser zwar durchaus auch vor, nurhast du dort eine für mich in Serien bisher unübertroffene Büroromanze geschaffen und auch alles andere Zwischenmenschliche hat sich damals bis fast zum Ende wunderbar in das Geschehen im Westflügel des White House eingefügt und untergeordnet. Hier jedoch entwickeln sich die kleinen und vor allem die großen Dramen am Setting vorbei und nehmen zum Ende hin überhand. Ganz das Soap-Niveau erreicht es zum Glück nicht, aber mir war das eine ganze Ecke zuviel Tragik.

Matt und Harriet haben eine komplizierte Beziehung, die sie ausführlich zelebrieren.   Quelle: "Studio 60..."-DVD / Warner
Matt und Harriet haben eine komplizierte Beziehung, die sie ausführlich zelebrieren.
Quelle: „Studio 60…“-DVD / Warner

Und noch etwas gibt es auf deinem Sunset Strip zuviel: Politik. Eine Sketchshow ist prädestiniert für Rempler gegen Republikaner, Erzkonservative oder die Regierung. Und gerade vor dem Hintergrund der echten aktuellen Angriffe auf die Meinungsfreiheit zünden einige Ideen auch schon in deiner Serie von 2006. Auch die liebevollen Seitenhiebe auf strenggläube Mitarbeiter gehen voll in Ordnung. Allerdings ist es mit den politischen Themen ganz ähnliche wie mit den Beziehungsproblemchen: Sie häufen sich ab der Serienmitte, verselbstständigen sich und sind gegen Ende sogar so zentral, dass kaum noch Platz für die eigentliche Serienthematik bleibt. All das, was dort angesprochen wird, wäre im weißen Haus viel besser aufgehoben gewesen und wirkt hier trotz der brutalen Realität des Irak-Desasters bei Serienausstrahlung wirklich störend. Für den Themenwechsel besteht jedoch aus meiner Sicht keinerlei Anlass, denn – soweit mein laienhafter Eindruck – es gäbe noch viele Probleme aus der TV-Welt zu erzählen.

Fazit

Also Aaron, wat war nu‘ zuerst da: Die Ideenlosigkeit oder die Gewissheit vom Serienende? Hat NBC auf die Abkehr von TV-Themen gedrängt, gab es da wirklich nichts mehr zu erzählen oder war es vielleicht doch deine Sehnsucht nach dem politischen Washington, die dich dazu gebracht hat, eine vielversprechend gestartete Serie in die falsche Richtung zu lenken? Ich hätte noch gerne einige Stunden mit den sympathischen Leuten im Studio 60 verbracht, aber so war es doch die richtige Entscheidung, die Serie nach gerade 22 Folgen sterben zu lassen.
Ich hoffe nur, dass du beim Nachfolger „The Newsroom“ mehr Gefühl für gute Themen walten lässt. Da es aber bei einer Zeitung und der Nachrichtenwelt gerne wieder stärker um Politik gehen darf, bin ich guter Dinge und mache mir wenig Sorkin.

  • Die Prämisse
  • Die chaotisch-humoristische Art der Geschichten
  • Die sorkintypischen Dialoggefechte
  • Thimothy Busfield als Cal
  • Die Gastauftritte
  • Die liebenswerten Charaktere
  • Simon Helberg als Nicolas Cage Imitator!
  • Die überbordenden Beziehungsprobleme
  • Das allzu starke Abdriften ins Politische gegen Ende
  • Die verpassten Chancen, Einblicke ins TV-Business zu erhalten

Ähnliche Serien: „The West Wing

Eckdaten

Genre: Komödie / Drama
Show Runner: Aaron Sorkin
Produktion: 2006 – 2007
Produziert für: NBC
22 Episoden in 1 Staffel
Laufzeit pro Folge: ca. 40 Minuten

3 Kommentare

  1. Ich mochte die Serie sehr gerne. War auch mein erster Kontakt mit Sorkin, wenngleich rückblickend natürlich „The West Wing“ viel stärker ist und „Studio 60…“ in der Mitte ein wenig schwächelt.

    1. Tja, Erwartungen und so. Mir hat der übertriebene Drall zum Kriegsthema nicht zugesagt, und auch davor schon wurde die Show in der Show immer halbherziger bedacht. Dabei bietet das Setting doch so viele Möglichkeiten! Ich hatte das Gefühl, dass Sorkin da zwanghaft einen Westflügel 2.0 draus machen wollte und dafür zu schmutzigen (Schreib-)Tricks gegriffen hat.

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