Swing Vote | Film

Das komplizierte amerikanische Wahlsystem bietet immer wieder Gelegenheit zur Verwunderung und Kritik. Direkt gewählt wird der Präsident nicht, vielmehr entsenden die einzelnen Bundesstaaten je nach Einwohnerzahl eine Anzahl an Wahlmännern, die ihre Stimmen je nach Wahlausgang dem Kandidaten geben. Sorgen tut dieses System aber jedenfalls für äußerst spannende Wahlberichterstattungen, wenn nach und nach die Ergebnisse der einzelnen Bundesstaaten eintrudeln und „Punkte“ auf das Konto der Kandidaten gutgeschrieben werden.
Wenn es dabei in einem Staat knapp wird und der Wahlausgang nur von wenigen Stimmen abhängt, dann ist man mitten im „Swing Vote“.

Bud ist von der landesweiten Aufmerksamkeit überfordert, Molly will helfen. | Quelle: Swing Vote / Touchstone Pictures
Bud ist von der landesweiten Aufmerksamkeit überfordert, Molly will helfen. | Quelle: Swing Vote / Touchstone Pictures

Bud Johnsons (Kevin Kostner) Wahlzettel ist aufgrund einer Computerpanne ungültig. Wie es der Zufall will, ist seine Stimme entscheidend für den Wahlausgang in Texico, dieser wiederum für den Wahlausgang in New Mexico und die Wahlmänner aus New Mexico entscheiden darüber, welcher der Kandidaten der nächste Präsident der USA wird. Deshalb erhält Bud eine Frist von 10 Tagen, um seine Stimme noch einmal abzugeben. Mit dieser Prämisse wird die Grundlage für einen zehntägigen Wahlkampf gelegt, der sich allein auf Bud fokussiert.

Der Film begleitet ihn bei seinen Abenteuern, in die ihn die Wahlhelfer der Kandidaten und auch diese selbst ziehen. Mit allen Mitteln und Versprechen versuchen Demokrat Donald Greenleaf (Dennis Hopper) und Republikaner und amtirender Präsident Grammer (Andrew Boone), seine Gunst zu erlangen. Als eher lockere Komödie angelegt, spart „Swing Vote“ zwar nicht mit den Klischees der Parteien, so weit weg von der Realität liegt er damit aber oft nicht. Den Schaffern sind einige Szenen eingefallen, bei denen ich zwar nicht lauthals loslachen musste und die nicht sehr raffiniert sind, die aber auf sehr amüsante Weise Wahlkampfmuster und -verhaltensweisen der Politiker offenlegen.

Damit aus dem Streifen ein Feeldgood-Movie wird, hat Bud seine Tochter Molly an die Seite gestellt bekommen. Diese ist im Gegensatz zu ihm, der sein Leben mit viel Bier und semiprofessioneller Arbeitseinstellung verplempert, stark politikinteressiert und versucht alles, damit ihr Vater etwas mehr über die Politik nachdenkt oder sich zumindest informiert. In der Gestalt der Fernsehreporterin Paula (Kate Madison) bekommt zudem der Mediensektor sein Fett weg.

Letztendlich ist klar, worauf der Film hinaus will. Das Mantra „Jede Stimme zählt“ wird einem an den Kopf geworfen, die „Informiert euch!“-Mission ist unverkennbar und der politisch eher uninteressierte (in diesem Fall:) Amerikaner findet in dem „Everyman“ Bud seinen Spiegel. Wohl kaum zufällig kam der Film wenige Monate vor der 2008er US-Wahl in die Kinos. Die Menschen zu mehr Politinteresse zu bringen ist zwar eine ehrenhafte Absicht, aber längst nicht mehr neu. „Swing Vote“ brüht diese Suppe allerdings in netter und unterhaltsamer Weise auf.
Von mir gibt es 7/10 Punkten.

2 Kommentare

  1. Den Film hatte ich auch schon immer auf dem Radar, habe ihn aufgrund schlechter Kritiken aber stets beiseite gelassen. Vielleicht schau ich nun doch mal rein…

    1. Man darf halt in Sachen Raffinesse und Spannung keine Wunder erwarten. Das ist ein typischer Sonntag-Nachmittag-im-TV-Film mit einem _etwas_ ernsteren Thema.

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